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Neue Schaltzentrale fürs Döbelner Theater

Die Inspizientenanlage ist technisch unzuverlässig. Eine neue kostet erstaunlich viel Geld.

Berno Ploß, Technischer Leiter des Döbelner Theaters, steht am Inspizientenpult hinter der Bühne. Die Technik war schon beim Einbau vor 14 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit und ist mittlerweile auch verschlissen.
Berno Ploß, Technischer Leiter des Döbelner Theaters, steht am Inspizientenpult hinter der Bühne. Die Technik war schon beim Einbau vor 14 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit und ist mittlerweile auch verschlissen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Zum Herz und Hirn des Döbelner Theaters gehört eine unscheinbare Blechkiste in einer Ecke am Eingang zur Bühne. Einige der Taster am Bedienpult sind abgeklebt – weil sie nicht gebraucht werden oder defekt sind. Auf dem Kasten steht – wie als Verweis auf die Mottenkiste – ein alter Röhrenbildschirm. Ein Mikrofon und ein Lautsprecher dienen der Kommunikation. Hier arbeitet einer der wichtigsten Mitarbeiter des Theaters.

Der Inspizient ist für die Zuschauer unsichtbar. Aber er ist zuständig für sämtliche Abläufe während einer Vorstellung. Von seinem Pult aus gibt er Kommandos an Tontechniker, Beleuchter und Orchester. Er dirigiert den Bühnenumbau, ruft Schauspieler aus den Garderoben. Und sein wichtigstes Arbeitsmittel ist das Inspizientenpult. Eines, auf das er sich in Döbeln aber nicht mehr zu 100 Prozent verlassen kann.

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Inspizientenanlage schon ausgefallen

Vom Stand der Entwicklung war die Anlage, als sie vor 14 Jahren aufgestellt wurde, nicht mehr taufrisch. „Das ist Technik aus den 1990er-Jahren“, sagte Berno Ploß, Technischer Leiter des Döbelner Theaters. Mittlerweile ist sie zudem verschlissen. „Das Inspizientenpult muss sicher sein. Es ist in der Vorbereitung von Vorstellungen auch schon ausgefallen“, sagte Ploß. Zur Absicherung würden zusätzlich Funksprechgeräte eingesetzt.

Reparaturen der Anlage sind schwierig. Nicht nur, weil es wenige Techniker gibt, die sie reparieren können. Ersatzteile für die alte analoge Technik sind knapp, weil die Herstellerfirma Salzbrenner die Anlage schon kurz nach dem Einbau vom Markt genommen hatte.

Ersatz kostet viel Geld

Die Stadt will deshalb eine neue Inspizientenanlage anschaffen. Der Ersatz ist nicht billig. Die Kosten werden auf 440.000 Euro geschätzt, denn es reicht nicht, einfach ein neues Pult ins Theater zu setzen. Die Technik ist komplex. Kabel gehen in alle Teile des Theaters. Es gibt Signallampen, mit denen der Inspizient dem Personal Anweisungen für Umbauten gibt.

Per Kamera kann er die Bühne auf dem Monitor sehen oder wechselweise auch kontrollieren, ob der Dirigent schon im Orchestergraben steht. Für den Einbau der neuen Anlage müssen bestehenden Leitungen ausgetauscht werden. Für das Verlegen werden, auch aus Gründen des Brandschutzes, vorhandene Kabelkanäle genutzt.

Neue Anlage zukunftssicher

Die neue Inspizientenanlage soll auf der Höhe der Zeit sein. Idealerweise soll sie aus Komponenten nach Industriestandard bestehen, die auf lange Zeit verfügbar und schnell zu beschaffen sind. Ebenso soll die digitalisierte Anlage per Fernwartung technisch fit gehalten werden.

„Hier drin steckt alles, was nötig ist, damit alles innerhalb von ein paar Sekunden ablaufen kann“, sagte Berno Ploß. Die Anforderungen seien gestiegen, weil sich mit zunehmenden Medienkonsum auch die Erwartungen des Publikums verändert haben. „Diese Reize müssen wir auch im Theater liefern“, sagte Ploß. Der Einsatz von Pyrotechnik, Licht- und Toneffekten müsse oft gleichzeitig koordiniert werden.

Stressjob Inspizent

„Inspizient ist ein Stressjob. Er muss jede Sekunde aufmerksam sein“, erklärte Ploß. Als Inspizienten arbeiten Menschen, die sich mit allen Abläufen im Theater auskennen. „Das sind meist Leute, die vorher einen anderen Beruf am Theater hatten. Zum Beispiel Tänzer, die nach dem 35. Lebensjahr ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Die müssen den Betrieb von innen und außen kennen“, sagte Ploß. In wochenlanger Probearbeit müsse auch der Inspizient alle Abläufe einer Vorstellung einstudieren. „Den kann man auch nicht so einfach austauschen“, sagte Ploß.

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