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Orange Wolke über Leisnig war giftig

Vor drei Wochen ist aus dem Gelände der Schnallenfabrik Rauch aufgestiegen. Dort sind Stickoxide und schwefelhaltige Gase freigesetzt worden.

An der Weststraße in Leisnig waren Ende August Dämpfe aus einem Trafohaus ausgetreten. Die Erde dort war mit Zeolith belastet.
An der Weststraße in Leisnig waren Ende August Dämpfe aus einem Trafohaus ausgetreten. Die Erde dort war mit Zeolith belastet. © Fotomontage/privat

Leisnig. Drei Wochen nach dem Großeinsatz an der Weststraße 22 in Leisnig liegen nach der Untersuchung von Luft und Boden vorläufige Ergebnisse vor. Diese stammen von der Analytischen Task Force aus Leipzig und der Firma Beratende Ingenieure für Umweltgeotechnik und Grundbau (BIUG) aus Freiberg.

Es werde die Freisetzung von nitrosen Gasen vermutet. Außerdem sei das Auftreten von Campher und Zelluloid als eine Ursache für die chemischen Reaktionen festgestellt worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Leisnig. Altern diese Stoffe, könnten sie sich selbst entzünden und viel Rauch entwickeln.

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Zudem seien Spuren von Nitrolacken und Kolophonium gefunden worden, die auf Elektroschrott oder andere lackierte Materialien hinweisen. „Während der Havarie sind Stickoxide und eventuell auch schwefelhaltige Gase freigesetzt worden, die mit der Luftfeuchtigkeit reagiert und sich in Form von Salpetersäure und Schwefelsäure abgesetzt haben“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Gefahr für die Gesundheit

Während die Gase freigesetzt wurden, habe eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bestanden. So könnten beim Einatmen die Schleimhäute und bei unmittelbarem Kontakt die Haut gereizt werden.

Während des Großeinsatzes wurden die Anwohner unter anderem über die behördliche WarnApp BIWAPP dazu angehalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Dies betraf auch das nur 150 Meter von der Unglücksstelle entfernte Krankenhaus sowie die Kita „Wirbelwind“. Evakuierungen waren nicht notwendig. Diese Warnungen und die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr hätte den Erfordernissen entsprochen und seien verhältnismäßig gewesen, so die Pressemitteilung.

Vor Ort sei das Freisetzen der Gase unterbunden und damit die Gefahr beseitigt worden. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien keine nennenswerten Mengen der Schadstoffe aus der Ablagerung in den Boden oder das Grundwasser gelangt. Nachdem die chemische Reaktion erfolgreich unterbunden wurde, seien noch Reste des Bauschutts und der Auffüllung vor Ort verblieben. Bei Einhaltung der Absperrungen habe dann keine gesundheitliche Gefahr mehr für die Allgemeinheit bestanden.

Großeinsatz Ende August an der Leisniger Weststraße.
Großeinsatz Ende August an der Leisniger Weststraße. © Lars Halbauer
Auch Mitarbeiter der Stadt waren vor Ort.
Auch Mitarbeiter der Stadt waren vor Ort. © Lars Halbauer
Insgesamt waren rund 30 Feuerwehrleute im Einsatz.
Insgesamt waren rund 30 Feuerwehrleute im Einsatz. © Lars Halbauer
Der Atemschutz spielte an diesem Tag eine besonders große Rolle.
Der Atemschutz spielte an diesem Tag eine besonders große Rolle. © Lars Halbauer

Obst schälen oder verzichten

Ob noch Reste von reaktiven Materialien vorhanden sind, konnte nicht abschließend geklärt werden. Deshalb sei in dem Gutachten die Empfehlung gegeben worden, verbliebene Reste der Auffüllung und Teile des umgebenden Bodens zu bergen und fachgerecht zu entsorgen. Bauschutt gelte als unbedenklich und könne auf dem Grundstück bleiben. „Diesen Empfehlungen wird die Stadt Leisnig in Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer in den nächsten Tagen folgen“, so die Erklärung.

In einem der Gutachten wird außerdem empfohlen, Obst und Gemüse aus den Kleingärten an der nördlichen Grundstücksgrenze vor dem Verzehr zu schälen, beziehungsweise komplett auf die über der Erdoberfläche befindlichen Teile des Gemüses zu verzichten.

Am Morgen des 21. August war von dem Grundstück, auf dem sich früher die Schnallenfabrik Wittich befand, orange-gelber Rauch aufgestiegen (Sächsische.de berichtete). Der rührte aber nicht von einem Brand her, sondern war in einem ehemaligen Trafohaus entstanden. Dort war offenbar im Boden eine chemische Reaktion erfolgt, infolge der sich der Boden stark erhitzt hatte. Eine Wärmebildkamera hat später am Tag bis zu 65 Grad gemessen.

Im Rahmen der Gefahrenbekämpfung sei die Auffüllung aus dem Trafohaus weitgehend abtransportiert worden. Dazu mussten Gebäudeteile abgerissen und auf dem Gelände Bäume gefällt werden.

100 Kräfte 26 Stunden im Einsatz

Die Rauchwolke hatte einen 26 Stunden dauernden Großeinsatz ausgelöst. An dem waren mehr als 100 Einsatzkräfte der Ortswehren Leisnig, und Brösen-Gorschmitz, des Technischen Hilfswerks (THW) aus Döbeln, Freiberg und Chemnitz, der Polizei, der Kommune als Ortspolizeibehörde und des Umweltamtes des Landratsamtes Mittelsachsen sowie der Task Force des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz aus Leipzig beteiligt.

Die Task Force ist auf das Erkennen und Bekämpfen biologischer, chemischer oder radiologischer Gefahren in Deutschland spezialisiert, wobei der Schwerpunkt auf der chemischen Analytik liegt. Die Experten waren mit einem Spektralanalysegerät angereist. Mit dessen Hilfe sollte herausgefunden werden, welche Schadstoffe sich in der Luft befinden. Die Auswertung der Daten dauerte dann aber doch länger. (mit sig)

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