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Ostrauer Gaststätte mit Leseecke

Während der Corona-Zwangspause wurde die Bauernstube Ostrau renoviert. Dabei sind auch einige Veränderungen erfolgt.

Bettina Fischer, Inhaberin der Bauernstube Ostrau, hat in der Gaststätte eine Relax-Ecke eingerichtet, in der die Gäste in gemütlicher Atmosphäre ein Buch lesen oder ein Glas Wein trinken können.
Bettina Fischer, Inhaberin der Bauernstube Ostrau, hat in der Gaststätte eine Relax-Ecke eingerichtet, in der die Gäste in gemütlicher Atmosphäre ein Buch lesen oder ein Glas Wein trinken können. © Dietmar Thomas

Ostrau. Zwei dunkelbraune Ledersessel mit hohen Lehnen im Biedermeier-Stil, dazwischen ein kleines Weinregal, davor ein niedriger Holztisch. Im hinteren Bereich der Bauernstube Ostrau ist eine, für eine Gaststätte eher untypische, Relaxecke entstanden. „Dort ist es gemütlicher, wenn man abends mal ein Glas Wein trinkt oder in einem Buch blättert“, sagt Inhaberin Bettina Fischer.

Eins von zwei Bücherregalen steht gleich daneben, das zweite seit Neuestem im Eingangsbereich. Denn bereits seit zwei Jahren ist in der Bauernstube ein Büchertausch möglich. Damals hatte Bettina Fischer zwei Kisten voll mit gut erhaltenen Büchern von einer Freundin bekommen.

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Und eines Nachts hat sich die Chefin der Bauernstube an die Telefonzellen erinnert, die jetzt häufiger zu Büchertauschzentralen umfunktioniert werden. Sie fragte die Freundin, ob sie die Bücher auch weitergeben dürfe. Die sagte ja, und das Projekt Büchertausch in der Gaststätte war geboren. „Nachts habe ich die besten Ideen“, meint Bettina Fischer schmunzelnd.

Allerdings habe sich in der Vergangenheit mancher, der nur nach einem Buch suchen wollte, genötigt gefühlt, in der Bauernstube etwas zu essen oder zu trinken. Das sollte aber nicht sein. Deshalb wurde das größere der beiden Regale jetzt außerhalb der Gaststube aufgestellt. „Dort können sich Interessierte ganz ungezwungen umschauen und zugreifen“, so Bettina Fischer.

Abholservice mit Essen lohnt sich nicht

Die Umgestaltung erfolgte im Zuge der Renovierung der Bauernstube, zu der sich die Chefin während des zweiten Lockdowns entschlossen hat. Im vorderen größeren Gastronomie-Bereich dominiert weiterhin die Farbe Weiß an den Wänden. Im hinteren Bereich sorgt ein gedecktes Weinrot rund um die Relex-Ecke für eine heimelige Atmosphäre. Denselben Rotton hat Bettina Fischer für den Barbereich gewählt. In der großen Gaststube haben die Bilder zudem einen anderen Platz erhalten.

Auf denen sind neben dem Team der Bauernstube auch Vereine, wie die Geflügel- und Kaninchenzüchter sowie die Gleitschirmflieger zu sehen, die sich regelmäßig in der Gaststätte treffen. Normalerweise. Durch die Corona-Pandemie sind diese Zusammenkünfte ebenso ausgefallen, wie runde Geburtstage, Hochzeiten, Jugendweihen und Schulanfänge. Das Reservierungsbuch der Bauernstube war für das vergangene Jahr gut gefüllt.

„Es ist keine einfache Zeit“, meint die Chefin. Sie habe lange überlegt, ob sie einen Abholservice anbietet. Aber wenn es nicht täglich 30 bis 40 Essen seien, rentiere sich das nicht. Zudem werde in der Bauernstube mit frischen Zutaten gekocht. Zum einen müssten die stets vorrätig sein. Zum anderen bestehe die Gefahr, dass täglich etwas übrig bleibe. „Ich möchte nicht ständig Essen wegwerfen“, so Bettina Fischer.

Wasserrohrbruch in der Küche

Deshalb hat sie den Betrieb auf Null herunter gefahren. Ihre täglichen Kontrollgänge haben sie schon vor einem ganz großen Schaden bewahrt. „Eines Tages tropfte Wasser von der Decke. Der Wasserrohrbruch war ärgerlich, aber es ist positiv, dass er in dieser Zeit passiert ist“, meint sie. So konnte alles repariert und auch die Küche frisch gestrichen werden, bevor die Gaststätte wieder öffnen darf.

Für die Betriebsausgaben hat Bettina Fischer während des ersten Lockdowns 9.000 Euro beantragt und erhalten. „Außerdem ist mir die Gemeinde entgegengekommen und hat mir die Grundmiete für die Bauernstube erlassen. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt sie. Die Betriebskosten zahlt sie weiter.

Gleiches hilft ihr auch jetzt, Kosten zu sparen. Allerdings läuft die Auszahlung der staatlichen Hilfen diesmal sehr schleppend und mit doppelter Überprüfung der Anträge. Auf Anraten staatlicher Stellen hat sie selbst Hartz IV beantragt. Im November und Dezember hat sie diese Unterstützung nicht erhalten, im Januar einen zweistelligen Betrag. Und der war für den Krankenkassenbeitrag zweckgebunden.

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Bettina Fischer hofft, dass sie die Gaststätte bald wieder öffnen kann. Denn auch für dieses Jahr gibt es schon viele Reservierungen – und viel Verunsicherung bei den Gästen. Das erste große Event hat die Inhaberin der Bauernstube aber bereits abgesagt. Für den 6. Februar war das alljährliche Schlachtfest geplant. „Dafür benötige ich eine Vorlaufzeit von vier Wochen“, erklärt sie. Und sollte die Regierung am 27. Januar tatsächlich beschließen, dass ab 1. Februar wieder mehr Normalität eintritt, wäre die Vorbereitung nicht mehr möglich.

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