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Hinweise auf Wolfsriss in Ostrau

In der letzten Woche zeigte sich der Wolf in Clanzschwitz bei Ostrau. Am Freitag wurden drei tote Schafe in Wutzschwitz gefunden. Hängen beide Fälle zusammen?

Auf dem Bild einer Wildkamera in einem Waldstück bei Hohenwussen ist höchstwahrscheinlich ein durchlaufender Wolf zu erkennen. Dies wäre eine von mehreren Sichtungen in den vergangenen Wochen.
Auf dem Bild einer Wildkamera in einem Waldstück bei Hohenwussen ist höchstwahrscheinlich ein durchlaufender Wolf zu erkennen. Dies wäre eine von mehreren Sichtungen in den vergangenen Wochen. © privat

Ostrau. Für einige Wutzschwitzer war es ein tragisches Bild, das ihnen am Freitag geboten wurde. Drei tote Schafe liegen auf einer Koppel im Ostrauer Ortsteil, zwei sind verletzt. Eine Szene, die auf einen Überfall eines Wolfes hindeutet, der bereits in den vergangenen Wochen durch die Ostrauer Region spaziert ist. Doch war es tatsächlich das vierbeinige Raubtier?

Auf Anfrage beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bestätigte Sprecherin Karin Bernhardt bereits am Freitag einen gemeldeten Schadensfall in der Gemeinde Ostrau, der telefonisch bei der Wolfsstelle einging.

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"Unspezifische Bissverletzungen" bei toten Lamm in Ostrau

„Noch am gleichen Tag machte sich ein Rissgutachter auf den Weg nach Ostrau, der vor Ort die getöteten Tiere untersuchen sollte“, so Bernhardt. Noch vor dem Eintreffen des Spezialisten habe der Besitzer die drei toten Tiere jedoch an die Tierkörperbeseitigung übergeben, wodurch eine Untersuchung dieser Kadaver nicht mehr möglich gewesen sei.

Nach Angaben der Sprecherin des LfULG habe der Rissbegutachter beim Ortstermin jedoch vier unverletzte Schafe sowie ein verletztes und ein totes Lamm vorgefunden, das kurz vor Eintreffen des Rissgutachters verstorben war.

„Das tote Lamm wies unspezifische Bissverletzungen auf“, erklärt Karin Bernhardt. „Auch auf der Koppel wurden keine verwertbaren Spuren gefunden, die es unserem Rissgutachter ermöglicht hätten, den Wolf mit hinreichender Sicherheit als Verursacher festzustellen.“

Dennoch wolle die Behörde mithilfe von Fotos, die vor dem Abtransport der drei verstorbenen Schafe gemacht worden, versuchen, den Tod der Nutztiere aufzuarbeiten. „Ob dies jedoch letztendlich zur Aufklärung des Schadensfalles beitragen kann, ist ungewiss“, so Bernhardt.

Keine Entschädigung vom Freistaat Sachsen

Klar ist jedoch, dass der Besitzer vom Freistaat Sachsen keine Entschädigung erhalten wird. Die neunköpfige Schafsherde wurde auf einer etwa 1.400 Quadratmeter großen, nicht vollständig umzäunten Koppel gehalten. Nach Angaben des Landesamtes war die Koppel an zwei Seiten zu Gewässern hin offen.

„Damit waren die geforderten Mindestschutzkriterien nicht erfüllt. Dies ist in Sachsen die Voraussetzung für eine Entschädigung, wenn Wölfe mit hoher Sicherheit den Übergriff verursacht haben“, so die Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt.

Die zuständige Fachstelle Wolf empfiehlt daher Nutztier-Haltern, die der Gefahr des Wolfes ausgesetzt sind, die Mindeststandards für die Absicherung einzuhalten. Dazu gehört ein mindestens 90 Zentimeter hoher, stromführender Elektrozaun mit wenigstens 2.000 Volt.

Der Wolf schleicht durch die Region rund um Ostrau. Mehrfach wurde er gesichtet. Ist er nun Schuld am Tod von mehreren Schafen?
Der Wolf schleicht durch die Region rund um Ostrau. Mehrfach wurde er gesichtet. Ist er nun Schuld am Tod von mehreren Schafen? © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild

Eine andere Möglichkeit hingegen sind mindestens 1,20 Meter hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material mit festem Bodenabschluss, die ein Durchschlüpfen des Wolfes verhindern sollen.

Präventionsmaßnahmen wie diese oder die Anschaffung eines Herdenschutzhundes können zum Schutz von Schafen und Ziegen sowie Wild in Gattern dienen und werden durch den Freistaat zu 100 Prozent gefördert. „Dies gilt sowohl für Hobbyhalter, als auch Tierhalter im landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb“, erklärt die Fachstelle auf ihrer Internetseite.

Einzelner Wolf zieht durch Region um Ostrau

Doch trotz der ungeklärten Ursache der vier toten Tieren in Wutzschwitz bei Ostrau ist sicher, dass ein vierbeiniges Raubtier durch die Region zieht. Bereits am vergangenen Mittwoch entdeckte der Clanzschwitzer Philipp Gaitzsch das Tier auf dem Feld neben seinem Grundstück und hielt die Szene mit seinem Handy fest.

Auch im benachbarten Hohenwussen wurde der Wolf in der vergangenen Woche entdeckt. Wie der zuständige Jagdpächter mitteilt, habe er ihn auf Rapsfeldern auf etwa 50 Meter Entfernung sowie bei der Kontrolle seiner Wildkameras wenige Meter neben ihm entdeckt. „Er flüchtete letztendlich in Richtung Auerschütz“, so der Jagdpächter, der lieber anonym bleiben möchte.

Zudem sei der Wolf von Kindern in Sömnitz bei Ostrau in Richtung Zeicha gesehen worden. Dort wiederum habe ihn ein Mitarbeiter eines Landwirtschaftsbetriebes gesehen. „Die Route des Wolfs kann man gut nachvollziehen“, sagt der Jäger. „Es scheint ein Einzelgänger zu sein, der durch die Region zieht.“ Ihm zufolge sei das Raubtier etwa doppelt so groß wie ein Schäferhund und höchstwahrscheinlich etwa 70 bis 80 Kilo schwer.

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Philipp Gaitzsch wohnt im Ostrauer Ortsteil Clanzschwitz und hat die Szene im Video festgehalten. Es ist nicht die einzige Sichtung in der Umgebung.

Mit Ausnahme der aktuellen Sichtungsmeldung von vergangener Woche Mittwoch liegen der Fachstelle Wolf in diesem Jahr jedoch keine weiteren aus der Region des Altkreises Döbeln vor. Die Nutztierrisse von Freitag sind ebenfalls die ersten in diesem Jahr.

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