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"Pflegeheimplatz in Leisnig muss bezahlbar bleiben"

In Leisnig können die Stadträte über die finanzielle Beteiligung der Bewohner mitentscheiden. Das sollten sie auch tun, fordert Hansjörg Oehmig (CDU).

Das Leisniger Seniorenzentrum „Am Sonnenblick“ hat das Corona-Jahr 2020 – wirtschaftlich gesehen – gut überstanden. Die Herausforderungen der Zukunft werden sein, weiterhin bezahlbare Plätze anzubieten und den Personalbestand stabil zu halten.
Das Leisniger Seniorenzentrum „Am Sonnenblick“ hat das Corona-Jahr 2020 – wirtschaftlich gesehen – gut überstanden. Die Herausforderungen der Zukunft werden sein, weiterhin bezahlbare Plätze anzubieten und den Personalbestand stabil zu halten. © Dietmar Thomas

Leisnig. Das Team des Seniorenzentrums „Am Sonnenblick“ hat die Herausforderung der Pandemie im vergangenen Jahr und den Folgemonaten bis jetzt gut gemeistert. Die gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Leisnig hat das Jahr 2020 mit einem Jahresergebnis von 157.000 Euro abgeschlossen (2019: 41.000 Euro). „Mit diesem Ergebnis sind die Erwartungen erheblich übertroffen worden“, sagte Geschäftsführerin Silke Busch den Stadträten, die Gesellschafter der gGmbH sind.

Wie die Chefin des Seniorenzentrums erklärte, hat die Pandemie die Einrichtung stark belastet. Über einen längeren Zeitraum konnten zum Beispiel keine Tagesgäste empfangen werden, wodurch die Auslastung in diesem Bereich auf 45 Prozent zurückgegangen ist.

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Mehr Lohn für Sonnenblick-Mitarbeiter

Für die Ausfälle hatte die Heimleitung eine Entschädigung beantragt und erhalten. Weiterhin hoch, und zwar zu 98,43 Prozent, war das Heim in der vollstationären Pflege ausgelastet. Auf diesen Umstand sowie die zu Jahresbeginn 2020 eingeführten Pflegegrade führt die Geschäftsführerin das gute Jahresergebnis zurück.

Die Pandemie war und ist noch immer eine Herausforderung für Mitarbeiter und Bewohner in Pflegeheimen, auch in Leisnig. Dort halfen im Winter Bundeswegangehörige.
Die Pandemie war und ist noch immer eine Herausforderung für Mitarbeiter und Bewohner in Pflegeheimen, auch in Leisnig. Dort halfen im Winter Bundeswegangehörige. © Dietmar Thomas

Durchschnittlich 57 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit waren im vergangenen Jahr im Seniorenzentrum beschäftigt. Für sie hatte die Geschäftsführung eine Corona-Prämie beantragt und bewilligt bekommen, sodass 72.000 Euro an die Mitarbeiter ausgezahlt werden konnten. Auch eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent hat es per 1. Januar 2020 gegeben.

Von den Einnahmen sind 100.000 Euro wieder in das Heim geflossen. Es wurden Bewohnerzimmer vorgerichtet, im Wohnbereich II neue Fußbodenbeläge verlegt und ein Fahrzeug gekauft, mit dem die Tagesgäste von Zuhause abgeholt und am Nachmittag wieder dorthin gebracht werden.

Auch das Essen auf Rädern wird damit ausgefahren. Und im Keller hatte sich eine Erneuerung der Wasserleitung nötig gemacht, nachdem es dort mehrere Rohrbrüche gab.

Weitere Investitionen sind nötig

„Das Heim ist jetzt mittlerweile 25 Jahre“, erinnerte die Geschäftsführerin. „Wir müssen weiter investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte sie den Gesellschaftern offen heraus. In deren Namen wollte Rüdiger Schulze (CDU) wissen, ob und wie sich die Leisniger Einrichtung im immer härter werdenden Wettbewerb – neue Heime sind in der Region in Betrieb gegangen, weitere geplant – behaupten kann? „Der Wettbewerb wird zunehmen“, sagte Silke Busch voraus. Einige der Heime hätten Kapazitäten. „Den Vorteil, den ich bei uns sehe, ist der noch humane Preis“, so die Leiterin des Sonnenblicks.

Der Eigenteil, den die Bewohner für den Heimplatz aufbringen müssen, „darf nicht ins Unermessliche steigen“, forderte Hansjörg Oehmig (CDU). Das könnten sich weder die älteren Leute noch deren Angehörige leisten. Genau wie die Kinderarmut sei auch die Altersarmut ein Thema der Zukunft.

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Die aktuellen Preise in manchen Heimen seien „auf Dauer nicht erschwinglich“, findet Oehmig. Das zu ändern, sei Aufgabe der großen Politik, aber in Leisnig könnten auch die Stadträte soziale Verantwortung übernehmen und im Blick behalten, dass sich die Leisniger einen Platz im Pflegeheim ihrer Stadt auch wirklich leisten können.

„Oftmals leben dort diejenigen, die sich in der Vergangenheit für die Stadt engagiert, das Leben in Vereinen mit geprägt haben“, sagte Mario Richter, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Seniorenzentrum gGmbH.

Wettbewerb ums Pflegepersonal

Er wie auch Oehmig forderten die Stadträte dazu auf, die Heimleitung bei der Gewinnung von Mitarbeitern zu unterstützen. „Wir stehen in Zukunft wahrscheinlich weniger im Wettbewerb um Bewohner, sondern vielmehr im Wettbewerb ums Personal“, prognostizierte Richter. Beschäftigte zu gewinnen, sieht er fürs Leisniger und alle Pflegeheime als die größte anstehende Herausforderung an.

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Dem Team des Sonnenblicks dankte Richter für einen tollen Job, für die liebevolle Betreuung der Bewohner – unter erschwerten Corona-Bedingungen und auch sonst: „Hinter der guten Bilanz steht die gute Arbeit vieler Beschäftigter“, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates.

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