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Ist das Pilotprojekt in die Hose gegangen?

Nach nur zehn Jahren sind drei von vier Gruppenkläranlagen im Ortsteil Altenhof stark verschlissen. Die Stadträte müssen über eine neue Investition nachdenken.

In Altenhof gibt es vier Gruppenkläranlagen zur Abwasserentsorgung. Besonders die in „Altenhof Mitte“ bereitet schon zehn Jahre nach dem Bau massive Probleme..
In Altenhof gibt es vier Gruppenkläranlagen zur Abwasserentsorgung. Besonders die in „Altenhof Mitte“ bereitet schon zehn Jahre nach dem Bau massive Probleme.. © Dietmar Thomas

Leisnig. Karsta Leuschner nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Abwassermeisterin ist bei der Veolia Wasser und Abwasser GmbH beschäftigt. Das Unternehmen ist seit Januar mit der Betriebsführung des Eigenbetriebes Abwasserentsorgung der Stadt Leisnig beauftragt. 

Weil auf die Räte in diesem Punkt einiges Neues zukommt, haben sie sich gewünscht, regelmäßig über Probleme der Abwasserentsorgung auf dem Laufenden gehalten zu werden. Das haben vier Veolia-Mitarbeiter, darunter eben Karsta Leuschner, am Donnerstag im Verwaltungsausschuss getan.

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Die Abwassermeisterin gab einen Überblick über die laufende Erfassung der technischen Anlagen des Verbandes, die Ausstattung der Mitarbeiter, die Arbeitsweise während der Corona-Pandemie und vieles mehr. Auch auf Schwierigkeiten, von denen einige Räte sicherlich das erste Mal hörten, ging sie ein.

Anwohner werden durch Geräusche und Gestank belästigt

Mit einem größeren Problem müssen sich Veolia-Mitarbeiter und Bauamtsleiter Thomas Schröder als für 2020 eingesetzter Leiter des Eigenbetriebes im Ortsteil Altenhof herumschlagen. „Dort gibt es vier Gruppenkläranlagen und ein Pumpwerk“, erklärte Karsta Leuschner.

In drei dieser Kläranlagen gebe es massive Probleme. Besonders schlimm sei es in der Anlage „Altenhof Mitte“. Die befindet sich hinter den sogenannten Neubauten, den Häusern mit der Nummer 42/43. Das Gebläse klebe an der Fassade des Mehrfamilienhauses. Die Bewohner würden durch die Geräusche des Gebläses belästigt und auch der Geruch sei eine Zumutung, veranschaulichte die Abwassermeisterin.

In der Anlage am Sportplatz in Altenhof gebe es bauliche Mängel, die nicht tragbar seien und beseitigt werden müssten. Insgesamt stünden Mehranschlüsse an, die die bestehenden Anlagen nicht bewältigen könnten. „Für diesen Ortsteil wäre es überlegenswert, in eine neue Kläranlage zu investieren“, sagte Karsta Leuschner.

So großer Verschleiss nach so kurzer Zeit?

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) gab zu, dass ihm schleierhaft ist, weshalb die Kläranlagen nach so kurzer Betriebsdauer schon einen so großen Verschleiß zeigten. Ein solcher sei der Abwassermeisterin zufolge auch an anderen Anlagen zu verzeichnen. Lediglich das große Klärwerk in Leisnig/Paudritzsch funktioniere reibungslos, so die Fachfrau.

Inwieweit schon bei der nächsten Finanzplanung Geld für Altenhof zur Verfügung gestellt werden kann, dass vermochte Thomas Schröder noch nicht zu sagen. Wichtig sei die Bestandsermittlung aber tatsächlich, um im Wirtschaftsplan reagieren zu können.

Die vier Gruppenkläranlagen für Altenhof sind ab 2010 in einem Pilotprojekt des damaligen Abwasserzweckverbandes (AZV) Leisnig entstanden. Beim Einbau des Klärbehälters für die erste Anlage war sogar Frank Kupfer, seinerzeit Umweltminister in Sachsen, dabei.

Gut gemeint, aber offenbar nicht gut gemacht

Die Anlagen sind für Anschlusswerte von zwölf, 40, 70 und 90 Einwohnerwerte konzipiert. Vorher gab es Erfassungen und Überlegungen, welche wohl die günstigste Form der Abwasserentsorgung in genau dieser Ortschaft ist.

 Der Verband wollte den Grundstückseigentümern abnehmen, dass sich jeder selbst um eine eigene vollbiologische Anlage kümmern, die bauen und warten lassen muss. 

Die jetzt auftretenden Probleme waren wohl noch nicht abschätzbar. Kupfer wünschte sich damals, dass das Altenhofer Projekt Schule machen möge.

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