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Leisnigerin fragt: Warum muss jeder Grashalm weg?

In einigen Ortsteilen hat der Bauhof die Straßenränder gepflegt. Zurückgeblieben ist eine dicke Schicht Mulch. Das gefällt nicht jedem.

Nach der Grabenpflege in Polditz ist eine dicke Mulchschicht zurückgeblieben. Maja Lichtenstein findet das aus mehreren Gründen nicht gut.
Foto: privat
Nach der Grabenpflege in Polditz ist eine dicke Mulchschicht zurückgeblieben. Maja Lichtenstein findet das aus mehreren Gründen nicht gut. Foto: privat © privat

Leisnig. Dass Maja Lichtenstein aus Polditz etwas für die Natur übrig hat, ist kein Geheimnis.

Zuletzt setzte sie sich für den Ersatz von gepflanzten, aber nicht angewachsenen Obstbäumen zwischen Wiesenthal und Polditz ein. Zwischen Polditz und Kalthausen pflanzte sie selbst mit einigen Umweltaktivisten neue Bäume. Nun will sie einmal mehr zum Nachdenken anregen.

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Anlass dafür gab ihr eine Aktion des Leisniger Bauhofes. Eines der Einsatzteams kümmerte sich um die Straßengräben und hat nach deren Pflege eine Mulchschicht am Straßenrand zurückgelassen.

Ein wenig Hilfe für die Natur

Die bezeichnet Maja Lichtenstein als „dicke Papse“. „Sicher, irgendwann hat die Natur es geschafft und das Zeug ist verschwunden. Aber müssen wir es ihr denn so schwer machen?“, fragt sie.

Ehe der Grasschnitt verrottet sei, bilde sich je nach Witterung erst einmal Schimmel und Moder. „Nicht schön“, findet Maja Lichtenstein. Deshalb habe sie mit Helfern auch zum Rechen gegriffen und einen Teil der Mähhinterlassenschaften zusammengeharkt. Immerhin bestehe ansonsten auch die Gefahr, dass der Grasschnitt die Gräben zusetzt, Regenwasser nicht ordentlich abfließen kann.

Die Polditzerin fände es schöner, wenn bei nötigen Pflegearbeiten mit mehr Augenmaß vorgegangen werde. Abgesehen von der Schnittbreite bis fast ans Feld heran, „viel zu viel“ meint sie, denkt sie da auch an die Insekten. „Wen hätte es gestört, wenn die Gräser jetzt noch stehen geblieben wären, Vögel an Samenständen hätten knabbern können?“

Grünschnitt muss liegen bleiben

Bauamtsleiter Thomas Schröder, der auch für den Bauhof der Stadt Leisnig zuständig ist, kann die Kritik nicht wirklich nachvollziehen. Die Mahd der Straßenränder sei gängige Praxis – auch, dass der Grünschnitt liegenbleibt. „Wir haben gar nicht das Personal, jemanden hinter der Technik herzuschicken, der den Grünschnitt manuell aufnimmt“, so der Amtsleiter.

Dass es durch die Überbleibsel zu zugesetzten Gräben kommt, glaubt er nicht. Die Gräben seien entsprechend ausgelegt und würden regelmäßig mit dafür vorgesehener Technik behoben. Überschwemmungen kämen überwiegend dort zustande, wo es Material von den Feldern in die Gräben und darüber hinaus auf Straßen schwemmt.

Es ist schwierig, einen Mittelweg zu finden

Bei den Pflegearbeiten ist die Kommune durchaus in der Zwickmühle. Regelmäßig gibt es Kritik, weil Gras an Straßenrändern zu hoch ist, die Sicht behindert wird. Sind die Ränder kurz, kommt von anderen Anwohnern Schelte.

Es sei schwierig, da das richtige Mittelmaß zu finden, sagte Schröder kürzlich. Damals kritisierte der Stadtrat und pensionierte Landwirt Eckhard Löffler (Wählergemeinschaft) zu hohes Gras an Straßenrändern. Das erschwere Greifvögeln zu bestimmten Zeiten die Jagd und befeuere die Verbreitung von Nagern.

Mäuse hatten den Landwirten das Leben in diesem Sommer vielerorts schwer gemacht (Sächsische.de berichtete) und Teile der Ernte vernichtet.

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