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Protestbrief aus Döbeln an den Verkehrsverbund

Bei der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt ist man entsetzt über die Pläne, Döbeln Ost I vom Busverkehr abzuhängen. Dort wohnen die ältesten Döbelner.

Die Bushaltestelle an der Käthe-Kollwitz-Straße ist eine von zweien im Wohngebiet Döbeln Ost. Der Stadtverkehr ist wichtig, denn das ist der Stadtteil mit der ältesten Bevölkerung.
Die Bushaltestelle an der Käthe-Kollwitz-Straße ist eine von zweien im Wohngebiet Döbeln Ost. Der Stadtverkehr ist wichtig, denn das ist der Stadtteil mit der ältesten Bevölkerung. © Dietmar Thomas

Döbeln. Der Beitrag von Sächsische.de zu den Plänen des Verkehrsverbundes Mittelsachsen, die Wohngebiete Döbeln Ost I und Sörmitzer Au vom Stadtverkehr abzuhängen, hat Wellen geschlagen. „Bei uns haben die Telefone geklingelt“, sagte Tino Hütter, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt. Der Vorstand hat in Briefen an den Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), das Landratsamt und Regiobus „aufs Schärfste“ gegen die Pläne protestiert.

Im Wohngebiet Döbeln Ost I wohnen weit über 1.000 Mieter der Genossenschaft, argumentierte der Vorstand. Das Einstellen der Busanbindung würde sie eines großen Stücks ihrer Lebensqualität berauben. Der Altersdurchschnitt liege bei knapp 70 Jahren. 53 Prozent der Einwohner seien älter als 70, ein Drittel älter als 80 Jahre.

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„Diese Altersgruppe fährt meist kein Auto mehr. Diesen Menschen wird die Mobilität genommen. Kein Einkaufen in der Stadt, keine Freunde besuchen, keine Arztbesuche ohne Taxi“, formuliert der Vorstand.

Gespräch mit Regiobus geplant

Die Stadtverwaltung will in einigen Wochen ein Gespräch mit Vertretern von Regiobus wegen des Stadtverkehrs führen. Die Pläne zur Umstellung seien eher langfristig. Kurzfristig seien wohl keine Veränderungen vorgesehen, sagte Baudezernent Thomas Hanns.

WG-Vorstand Tino Hütter hatte das Anliegen, Döbeln Ost I und auch das Wohngebiet Sörmitzer Au am Stadtverkehr angebunden zu lassen, auch persönlich ans Landratsamt Mittelsachsen weitergegeben. Zu Gast war Sylvia Kempe, Koordinatorin für integrierte Sozialplanung am Landratsamt, die die Landes-Seniorenbeauftragte Christiane Schifferdecker bei einer Herbstreise durch Mittelsachsen begleitete.

Es gibt auch andere Probleme für Ältere

Es war nicht nur der Stadtbus, der den Vorstand umtreibt. Hütter beklagte, dass die staatliche Förderung für den sozialen „Kümmerer“, wie es ihn bei der WG-Fortschritt gibt, von 25.000 auf 9.500 Euro im Jahr reduziert wurde. Sorgen bereite auch, dass Behörden wie die Rentenstelle geschlossen werden, aber die Digitalisierung der Prozesse damit nicht Schritt hält.

Auch werde von Sozialpartnern herangetragen, dass die Pflegedienste mehr Zeit für Beratungsgespräche bekommen sollten. „Wir versuchen alles, damit unsere Mieter lebenslang in ihren Wohnungen bleiben können“, sagte Hütter.

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