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Ratten und Mäusen auf der Spur

Seit 30 Jahren bekämpft Lutz Hake rund um Döbeln Schädlinge. Das ist nicht immer angenehm. Er war auch schon Tatortreiniger.

Familie Hake hat sich auf die Schädlingsbekämpfung spezialisiert. In Lebensmittelbetrieben ist der weiße Kittel Pflicht, den Alexander Hake (links) trägt.
Familie Hake hat sich auf die Schädlingsbekämpfung spezialisiert. In Lebensmittelbetrieben ist der weiße Kittel Pflicht, den Alexander Hake (links) trägt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Im Januar 1991 hat sich Lutz Hake als Schädlingsbekämpfer selbstständig gemacht. Dabei gab es den Beruf eigentlich gar nicht.

„Ich komme aus der Instandhaltung im Lebensmittelbereich“, erzählt der 66-Jährige. Auch dort habe er bereits mit vorbereitenden Arbeiten für die Schädlingsbekämpfung zu tun gehabt. Dann kam die Wende und damit die Frage: Was jetzt?

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„Durch einen guten Bekannten bin ich zum Vertrieb von Schädlingsbekämpfungsmitteln und deren Anwendung gekommen. Und das hat gut geklappt. Für mich gab es dann nur eine Alternative: ein Gewerbe anzumelden“, so Hake. Damals hat er alleine begonnen. Inzwischen gehören drei Mitarbeiter zur Firma, die ein reines Familienunternehmen ist.

Schädlingsbekämpfung ist "schnell" ein Vollzeitjob geworden

Die einzige Ausbildung, die es Anfang der 1990er-Jahre gab, war die zum staatlich geprüften Desinfektor. Die absolvierte Lutz Hake und kümmerte sich um die Schädlingsbekämpfung in großen Lebensmittelbetrieben in Sachsen und Sachsen-Anhalt, aber weniger in der Region Döbeln. „Hier gab es damals noch andere Schädlingsbekämpfer“, begründet er. Aber inzwischen kämpfe diese wie auch andere Branchen um gutes Fachpersonal.

Die Kollegen aus dem Westen hätten damals gestaunt, wie die Branche im Osten organisiert war und das abgekupfert. Mitte der 1990er-Jahre wurde auch die Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer ins Leben gerufen. Aufgrund seiner Vorbildung absolvierte Lutz Hake diese in einem Fernstudium innerhalb eines Jahres.

Eigentlich sollte die Schädlingsbekämpfung für Lutz Hake nur eine nebenberufliche Tätigkeit werden – mit der Konzentration auf Schaben im Lebensmittelbereich und in der Gastronomie.

„Doch es ist ganz schnell ein Vollzeitjob geworden“, sagt er. Denn die Palette der Ungeziefer ist groß. Sie reicht von Gesundheits- und Vorratsschädlingen über Lästlinge, wie Fliegen, Ameisen, Kellerasseln und Silberfische, bis zu Ratten, Mäusen und Tauben.

Drei Jahrzehnte Schädlingsbekämpfung

Die Mittel zur Beseitigung der Schädlinge seien über die Jahre sicherer geworden. „Früher sind wir gegen Schaben mit großen Spritzen losgezogen. Heute wird Fraßgel eingesetzt. Das belastet die Umwelt nicht so stark“, nennt er ein Beispiel.

Zudem habe sich im Jahr 2015 die Biozidverordnung geändert. Damit seien bei der Bekämpfung von Nagern größere Einschnitte im privaten Bereich verbunden. Die Leute hätten trotzdem Produkte verwendet, die noch im Baumarkt erhältlich waren. Aber letztendlich sei doch der Schädlingsbekämpfer gerufen worden, weil die Mittel nicht gewirkt hätten.

In den drei Jahrzehnten seiner Arbeit als Schädlingsbekämpfer hat Lutz Hake Unangenehmes, Außergewöhnliches und Kurioses erlebt. Ende der 1990er-Jahre war er auch als Tatortreiniger tätig.

Rauchmelder sind an Einsatz Schuld

„Das war eine harte Sache“, sagt er. Deshalb habe er auch seine Mitarbeiter nicht dazu überreden können – und deren Ablehnung akzeptiert. Zwei bis vier Fälle seien es pro Jahr gewesen. Er sei immer dann zum Einsatz gekommen, wenn an einem Tatort ein starker Schädlingsbefall aufgetreten ist und eine intensive Reinigung nötig war.

Mit Ratten hat Lutz Hake öfter zu tun. An eine erinnert er sich aber besonders. „Eine Bisamratte hatte sich aus dem Wald ins Roßweiner Freibad verlaufen. Die konnten wir lebend fangen und haben sie umgesetzt“, erzählt er.

Schmunzeln muss Lutz Hake, wenn er zu einem vermeintlichen Befall mit Grillen oder Heimchen in eine Wohnung gerufen wird. Denn oft befindet sich kein einziges Tier in den Räumen. Der Rauchmelder ist schuld, dass der Schädlingsbekämpfer gerufen wird.

„Wenn der Akku des Rauchmelders schwach wird, gibt er einen piepsenden Ton von sich. Der reflektiert im Raum so stark, dass man nicht mitbekommt, wo er herkommt und falsche Schlüsse zieht“, erklärt Hake.

Tiere kommen durch Abwasserrohre

Jedes Jahr im Juni wird er zudem zur Bekämpfung von Hornissennestern gerufen. Was die Menschen in diesem Monat im Freien umschwirrt, sind aber keine Hornissen, sondern Junikäfer auf Hochzeitsflug.

Ameisen würden dagegen von den Menschen unterschätzt. „Sie sind in der Lage, größere Bauschäden zu verursachen“, so Hake. Und das nicht nur im Erdgeschoss. So seien in einem Bad im Dachgeschoss eines Hauses nach einem Ameisenbefall größere Reparaturen notwendig gewesen.

Ratten gelangen oft durch das Abwassersystem hinter Vorsatzwände und nisten sich dort ein. „Die Tiere kommen durch Abwasserrohre, die nach Bauarbeiten nicht richtig verschlossen wurden“, so Hake.

Im privaten Bereich könne man Schädlingen kaum vorbeugen. Firmen hätten inzwischen zu 80 Prozent ein Monitoring eingerichtet, durch das eine regelmäßige Kontrolle von Maschinen und Anlagen erfolge.

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Rückblickend meint Lutz Hake: „Für mich war es die richtige Entscheidung, mich selbstständig zu machen und einen sicheren Arbeitsplatz für mich und meine Familie zu schaffen.“ Voraussichtlich in einem Jahr will er in die zweite Reihe zurücktreten und die Leitung der kleinen Firma an eines seiner Kinder übergeben.

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