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Rattenplage am Leisniger Bahnhof

Die Tiere tummeln sich in einer Gartenanlage. Aber die Nutzer der Gärten fühlen sich nicht verantwortlich.

Unzählige Ratten bevölkern eine Gartenanlage neben dem Leisniger Bahnhof.
Unzählige Ratten bevölkern eine Gartenanlage neben dem Leisniger Bahnhof. © Lars Halbauer

Leisnig. Sie sind groß und gut genährt. Und es sind viele, die unter einem Holzstapel verschwunden sind, erzählt eine Anwohnerin der Bahnhofstraße in Leisnig: „Wir haben ein riesiges Problem mit Ratten.“

Die hat die Frau in Gärten neben dem Bahnhof beobachtet. Spaziergängern seien die Tiere sogar schon auf dem Fußweg begegnet. In den vergangenen 14 Tagen seien es immer mehr geworden. Von bis zu 50 Stück ist die Rede.

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Dass es die Tiere in großer Zahl gibt, bestätigt ein Rentner, der einen der Gärten bewirtschaftet. Die Parzellen gebe es bereits, seit der Bahnhof Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, und Ratten seien auch zu DDR-Zeiten ständige Begleiter gewesen. Denn an der Ladestraße des Bahnhofes seien Futtermittel für die Leisniger Futtermittelfabrik entladen worden. „Da gab es mal mehr mal weniger Ratten“, meint der Mann. 2020 sei in dieser Beziehung aber ein krasses Jahr.

Fremde laden in Gärten Unrat ab

Inzwischen sei etwa die Hälfte der zehn Gärten ungenutzt. Sie verwildern zusehends. Jene, die ihre Gärten noch bewirtschaften, würden versuchen, sich auch um die anderen mit zu kümmern. Aber das sei schwierig.

Denn Fremde würden dort immer wieder Gartenabfälle wie Heckenschnitt und Unrat abladen. „Ich habe aus diesen Gärten schon einen Hänger voll Müll abtransportiert“, erzählt der Rentner.

Es gebe mehrere Dinge, die das Leben der Ratten auf diesem Areal begünstigen. Zum einen befänden sich die Gärten auf Boden, der beim Bau des Bahnhofs aufgeschüttet worden und dadurch relativ locker sei. 

Zum anderen hätten die extreme Trockenheit im Sommer und ein Überflutungskanal, der entlang der Bahnhofstraße über die Ladestraße bis zur Mulde führe, dazu beigetragen, dass sich die Ratten dort wohlfühlen.

Leisnigs Ordnungsamtsleiter Uwe Dietrich nennt aber noch einen anderen Grund: „In einem der verwilderten Gärten wurden Hühner gehalten.“ Deren Futter habe auch die Ratten angezogen.

Etwa die Hälfte der zehn Gärten wird nicht mehr genutzt und verwildert.
Etwa die Hälfte der zehn Gärten wird nicht mehr genutzt und verwildert. © Lars Halbauer

Ordnungsamt setzt 14-Tage-Frist

Das Ordnungsamt hatte eine Anzeige erhalten, in der auf den großen Rattenbefall in der Anlage an der Bahnhofstraße hingewiesen wurde. Daraufhin habe sich die Behörde sowohl mit dem Gartennutzer als auch mit dem Eigentümer des Grundstücks in Verbindung gesetzt und sich in dieser Woche gemeinsam ein Bild vor Ort gemacht.

Zu diesem Zeitpunkt seien die Hühner nicht mehr da gewesen. Der Gartennutzer habe erklärt, er habe die Tiere nur in Pension gehabt und sie wieder an deren Besitzer zurückgegeben.

Der Gartennutzer und der Eigentümer wollen nun allein versuchen, das Ratten-Problem in den Griff zu bekommen. „Dafür haben wir ihnen eine 14-Tage-Frist gesetzt“, so Dietrich. Allerdings lehne der Eigentümer den Einsatz von chemischen Mitteln ab. Die Ratten sollen in Fallen gefangen werden. Zudem lasse der Eigentümer prüfen, ob er die verwilderten Gärten räumen lässt.

Die Rattenplage am Bahnhof sei nicht die erste in Leisnig. Das komme immer mal wieder vor, so der Ordnungsamtsleiter. Zuletzt vor etwa eineinhalb Jahren in Minkwitz. Auch dort habe die Vermehrung der Tiere mit der Haltung von Hühnern zusammengehangen. Die Situation habe ordentlich geklärt und das Problem mit den Ratten gelöst werden können.

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