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Rückhaltebecken schützt nicht immer

Bei einem Sommergewitter ist das Becken am Rand des Leisniger Fliesenwerkes übergelaufen – zum ersten Mal. Woran lag das?

Im Zuge der letzten Erweiterung des Fliesenwerkes Leisnig sind ein Löschwasserteich und ein Regenrückhaltebecken entstanden. Letzteres ist bei dem Regenguss Anfang Juni übergelaufen.
Im Zuge der letzten Erweiterung des Fliesenwerkes Leisnig sind ein Löschwasserteich und ein Regenrückhaltebecken entstanden. Letzteres ist bei dem Regenguss Anfang Juni übergelaufen. © Kerateam

Leisnig. Alexander Graetz, Technischer Geschäftsführer des Kerateam-Fliesenwerkes im Leisniger Gewerbegebiet, hat mittlerweile Ursachenforschung betrieben. Das Ergebnis interessiert sicher nicht nur denjenigen Grundstücksbesitzer, auf dessen Hof das überschüssige Wasser durch Plantagen hindurch schließlich gelaufen ist.

Auch die Feuerwehrleute dürften wissen wollen, ob sie in Zukunft häufiger an diese Stelle ausrücken und Wasser aus diesem Regenrückhaltebecken abpumpen müssen. Vor dieser Aufgabe standen sie am Wochenende 5./6. Juni zum ersten Mal.

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Dabei dürfte es die Schutzanlage inzwischen seit rund zehn Jahren geben. „Und es entstehen weitere“, sagte Leisnigs Wehrleiter Bernd Starke nach dem Unwettereinsatz Anfang Juni. Der Neubau eines solchen Rückhaltebeckens ist zum Beispiel im Zusammenhang mit dem gerade laufenden Neubau des Aldi-Marktes an der Umgehungsstraße in Leisnig geplant.

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Nach dem heftigen Regenguss zu Monatsbeginn mussten die Feuerwehrleute den Wasserstand im Becken am Rande des Fliesenwerk-Geländes absenken. Dadurch sollte es weitere Niederschläge aufnehmen können und sich nicht noch Regen- und Schlammwasser ins Umfeld und auf private Grundstücke ergießen.

"So haben wir das bisher noch nie erlebt"

„Das Überlaufen hängt mit der außergewöhnlich großen Regenmenge zusammen, die binnen kurzer Zeit relativ lokal in Leisnig gefallen ist“, erklärt Alexander Graetz. Er war am Abend des Unwetters vor Ort und hat nicht nur auf den Außenanlagen des Betriebes „Land unter“ festgestellt.

Wie er berichtet, sei Wasser genauso in ein Produktionsgebäude eingedrungen, sei dort regelrecht aus einem Gully-Deckel geschossen. „So haben wir das bisher noch nie erlebt“, sagt der Geschäftsführer.

Wie er auf Anfrage darstellt, sei das Rückhaltebecken in den Tagen nach diesem Sommergewitter genau angeschaut, die Siebe an den Überläufen zusätzlich gereinigt und – soweit möglich – nachjustiert worden, sodass gegebenenfalls ein wenig mehr Wasser geregelt abfließen kann.

Aber, und das räumt Graetz auch gegenüber dem diesmal betroffenen Grundstückseigentümer ein: „Eine Garantie, dass das Becken nicht wieder überläuft, die gibt es nicht.“

Keine hundertprozentige Sicherheit möglich

Der Geschäftsführer macht deutlich, dass es keine „absolute Absicherung“ geben kann. Wie auch?, fragt er. Das Wetter sei nicht zu beeinflussen. Daher dürfte es genauso schwer werden, in den Produktionsgebäuden Vorsorge zu treffen. An jenen Nachmittag- und Abendstunden haben Anwohner am Baderberg die Regenmenge gemessen. Dieser Standort ist nicht wirklich weit vom Gewerbegebiet entfernt.

Am Baderberg zeigte der „Regenmesser“ eine Niederschlagsmenge von 64,5 Liter pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit an. In der Nachbarstadt Hartha waren es an der Geschwister-Scholl-Straße gerade mal 21 Liter (wir berichteten).

Die Wetterkapriolen sind in den vergangenen Jahren immer häufiger ein Thema. Nach Pfingsten 2019 hatte es mehrere Familien an der S36 in der Ortslage Minkwitz erwischt. Dort war nach einem kurzen, aber heftigen Sommergewitter Schlamm von den Feldern über die Staatsstraße, weiter über mehrere Grundstücke und dann in die Keller von Eigenheimen gelaufen. Wochenlang hatten die Familien mit den Folgen zu kämpfen. Ähnlich sah es nach dieser Nacht damals bei Familien im Ortsteil Börtewitz aus.

Schlamm auch in Tragnitz und Wallbach

Jetzt im Juni mussten auch Anwohner im Leisniger Ortsteil Tragnitz zum Besen greifen. Überdies lief Schlamm auf ein Grundstück in der Harthaer Ortschaft Wallbach. Beim Aufräumen halfen den Betroffenen dort die Harthaer Feuerwehrleute.

Deren Chef René Greif sieht die alleinige Schuld an der mittlerweile mehr oder weniger regelmäßigen Überflutung von Straßen, Wegen und Grundstücken allerdings weder bei den Bewirtschaftern der Felder noch bei den Planern von Entwässerungsanlagen.

Für ihn hängen diese Art Schäden zu einem großen Teil mit der zunehmenden Versiegelung von Flächen zusammen. Neue Straßen entstehen, riesige Hallen in den Gewerbegebieten: „Irgendwo muss das Wasser ja hin.“

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