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Döbeln: Wasser wird künftig gemischt

Ein Geschmisch senkt den Nitratgehalt und die Wasserhärte. Doch der Wasserverband bittet die Kunden noch um Geduld.

Installations- und Heizungsbaumeister Lutz Felgner aus Hartha hat vielerorts in der Region Döbeln mit verkalkten Mischbatterien zu tun. Die Wasserhärte ist sehr hoch.
Installations- und Heizungsbaumeister Lutz Felgner aus Hartha hat vielerorts in der Region Döbeln mit verkalkten Mischbatterien zu tun. Die Wasserhärte ist sehr hoch. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Es ist ein Thema, das immer wieder hochkocht: Hartes Wasser, das die Kaffeemaschine, den Wasserkocher und die Wasserhähne mit einer weißen Schicht überzieht. So oft der Kalk auch entfernt wird, er kommt immer wieder und das ziemlich schnell.

In Hartha und Großweitzschen liegt die Wasserhärte zwischen 27,5 und 30 Grad deutscher Härte, in Döbeln, Roßwein, Zschaitz-Ottewig, Ostrau sowie einigen Leisniger Ortsteilen zwischen 25 und 30 Grad deutscher Härte. Die Waldheimer stört das schon lange. Immer wieder haben sie ihrem Unmut Luft gemacht.

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Jetzt gab es auch in Roßwein Beschwerden über das kalkhaltige Trinkwasser. Deshalb hat der Döbelner Anzeiger beim Wasserverband Döbeln-Oschatz nachgefragt, ob und wie sich an dem Zustand künftig etwas ändert.

Neue Leitung zwischen Oschatz und Ostrau geplant

Der Verband investiere weiter in den Ausbau des Trinkwassernetzes und plane, insbesondere die Kommunen in den Altkreisen Oschatz und Döbeln noch stärker zu vernetzen.

„In den kommenden drei Jahren soll eine neue, fünf Kilometer lange Verbindungsleitung zwischen Oschatz/Malkwitz und Ostrau gebaut werden“, sagt Stephan Baillieu, Geschäftsführer des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz.

Im Norden des Versorgungsgebietes gehe es in nächster Zeit darum, die Dimension des Netzes auszubauen. Es sei vorgesehen, die bestehende Infrastruktur um fünf Kilometer zu erweitern und rund 15 Kilometer der Trinkwasserleitungen zu erneuern.

Positiver Nebeneffekt: Durch die bessere Vernetzung sei es möglich, Grundwasser aus den nitrat- und kalkärmeren Wasserressourcen im Raum Oschatz/Malkwitz mit dem in der Jahna-Aue geförderten Grundwasser zu mischen und damit den Nitratwert und die Gesamtwasserhärte im südlichen Versorgungsgebiet zu reduzieren.

Härtegrad kann bis zu zwölf Grad sinken

In Roßwein und Waldheim könnte der Härtegrad dadurch um bis zu zwölf Grad deutscher Härte sinken. Der Härtegrad sage jedoch nichts über die Qualität des Trinkwassers aus und ist auch nicht Bestandteil der Trinkwasserverordnung.

Die definiere, welche Inhaltsstoffe in welcher Konzentration im Trinkwasser enthalten sein dürfen. Dies werde streng überwacht – durch regelmäßige Wasserproben im Trinkwassernetz sowie an den Ausgängen der Wasserwerke.

„Alle, die sich eine Senkung der Wasserhärte herbeiwünschen, können wir nur um Geduld bitten und empfehlen, elektrische Geräte wie Kaffeemaschinen und Wasserkocher regelmäßig zu entkalken, zum Beispiel mit Essig oder Zitronensäure“, sagt Stephan Baillieu.

„Der Netzausbau ist nicht von heute auf morgen mal fix gemacht. Dafür braucht es viele Schritte in der Vorbereitung und insbesondere die Genehmigung eines so großen Projektes benötigt viel Zeit. Wir sind aber dran.“

Grundwasser plus Verbundnetz sicherer fürs Klima

Wie vom Bund und dem Wasserhaushaltsgesetz empfohlen, setze der Wasserverband auf eine ortsnahe Wasserversorgung aus Grundwasservorkommen und Verbundnetzen. Das sei insgesamt sicherer und zugleich besser fürs Klima.

Grundwasser ist Teil des natürlichen Wasserkreislaufs: Regenwasser versickert in der Erde und wird bei seiner langen, bis zu 60 Jahre dauernden Reise durch die verschiedenen Gesteins- und Sandschichten gereinigt. Es entsteht sauberes Grundwasser, das als Trinkwasser verwendet werden kann und ebenso gegen Verdunstung geschützt ist.

„Im Gegensatz dazu ist Oberflächenwasser weniger geschützt und viel anfälliger für Verunreinigungen. Vor allem bei Starkregen kann es zu Einspülungen von Fremd- und Spurenstoffen ins Oberflächenwasser kommen, die mithilfe vieler chemischer Aufbereitungsmittel entfernt werden müssen“, so Stephan Baillieu.

Dezentrale Wasserfassungen zur Sicherheit

Der Wasserverband Döbeln-Oschatz sei nicht der Einzige, der sich für den Grundwasser-Weg entschieden hat. Deutschlandweit würden heute insgesamt mehr als 60 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen.

Tendenz steigend, wie das Beispiel Leverkusen zeige. Dort setze der Versorger seit diesem Jahr aufgrund des klimabedingt rückläufigen Wasserangebotes in den Talsperren wieder verstärkt auf die Eigengewinnung aus Grundwasser.

„Wenn man auf mehrere dezentrale Wasserfassungen zugreifen kann, ist man unabhängiger und kann in kritischen Situationen schneller reagieren: bei einem großflächigen Stromausfall, bei terroristischen Anschlägen und Manipulationen und natürlich auch bei Wasserrohrbrüchen“, erklärt Dr. Markus Biegel, Technischer Leiter bei Veolia.

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

„In dem Fall kann man die Wasserversorgung kurzfristig über andere Wassergewinnungsanlagen sicherstellen. Und keiner muss womöglich tagelang auf dem Trockenen sitzen.“

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Gäbe es nur eine einzige Versorgungsleitung, die das Wasser zum Beispiel aus einer Talsperre speist, wäre dies nicht so einfach möglich. Dann würden alternative Versorgungswege fehlen.

Deshalb habe der Wasserverband vorgesorgt und „die Trinkwasserkonzeption so gestaltet, dass Trinkwasser auch in Zukunft für alle zur Verfügung steht.“

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