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Rettung der Leisniger Kegelbahn kostet rund 80.000 Euro

Das ist die erste Kostenschätzung. Detaillierte Zahlen erwartet die Bauverwaltung in dieser Woche. Aber wie geht‘s dann weiter?

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Ohne den ständigen Reparatureinsatz von Handwerker Rolf Noack hätte die Leisniger Kegelbahn wahrscheinlich schon manches Mal wegen Havarien stillgestanden. Nun soll die Anlage saniert werden.
Ohne den ständigen Reparatureinsatz von Handwerker Rolf Noack hätte die Leisniger Kegelbahn wahrscheinlich schon manches Mal wegen Havarien stillgestanden. Nun soll die Anlage saniert werden. © Dietmar Thomas

Leisnig. Rolf Noack (79) lässt nicht locker. Zum dritten Mal in Folge hat er auf den schlechten Zustand der Leisniger Kegelanlage hingewiesen – zuletzt in der Sitzung des Technischen Ausschusses in der vergangenen Woche.

Nur wenige Stunden vorher ist Bauamtsleiter Thomas Schröder mit Jens Jung, Mitarbeiter der Firma Ahlborn Kegel- und Bowlingbahnenbau GmbH aus Leipzig, auf der Bahn gewesen und hat diese von dem Fachmann begutachten lassen.

Teil der Missstände war im Rathaus unbekannt

Dessen Resümee hat Schröder zufolge gelautet, dass die Anlage für ihr Alter in gutem Zustand ist. „Mag sein“, sagte Rolf Noack, „doch nur deshalb, weil wir sie so gut gepflegt haben“, hielt er dagegen. Und nur weil die Kegler nicht über jeden Handgriff Rechenschaft abgelegt haben, waren die Missstände wohl so lange gar nicht bis ins Rathaus „vorgedrungen.“

Nach Noacks erster Kritik hatte sich Bürgermeister Tobias Goth (CDU) mit Sportlern unterhalten. „Sie bestätigten den schlechten Zustand der Anlagen“, sagte Goth schon in der zurückliegenden Stadtratssitzung. Daraufhin habe die Verwaltung überlegt, wie die vier Bahnen modernisiert werden können und eben den Vertreter der Firma Ahlborn eingeladen.

Dieser hat dem Bauamtsleiter zufolge darauf hingewiesen, dass es für verschiedene Bauteile keine Ersatzteile mehr gibt. Die Leisniger Kegelbahn mit automatischer Aufstellanlage ist im Jahr 1992 eingeweiht worden.

Entsprechend abgenutzt ist aber nicht nur die Aufstelltechnik, sondern auch die Beschichtung der Bahnen oder die Elektrik. „Der Stadtelektriker Bernd Starke hat, als er sich dies angesehen hat, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, veranschaulichte Rolf Noack.

Sicherheit muss mehr Beachtung finden

In diesem Zusammenhang wies er eindringlich darauf hin, dass die Bahn bei der Modernisierung eine automatische Abschaltung bekommen muss, sofern sich ein Kegel beim Aufstellen verfitzt oder andere Störungen auftreten.

„Sobald die Tür zum Technikraum geöffnet wird, muss die Anlage abgeschaltet werden“, forderte Noack. Weil dies im Moment eben nicht passiert, war es dem 79-Jährigen zufolge zu einem Unfall gekommen, nach dem der Sportler im Krankenhaus behandelt werden musste. Bei jeder Überprüfung der Anlage sei das Fehlen der Abschaltautomatik bemängelt und protokolliert worden.

Die versierten Kegler betreuen auch junge Sportler auf der Anlage in Leisnig.
Die versierten Kegler betreuen auch junge Sportler auf der Anlage in Leisnig. © Dietmar Thomas
Der Zahn der Zeit hat überall auf der Kegelbahn seine Spuren hinterlassen.
Der Zahn der Zeit hat überall auf der Kegelbahn seine Spuren hinterlassen. © Dietmar Thomas
Die Aufstelltechnik konnte nur provisorisch repariert werden.
Die Aufstelltechnik konnte nur provisorisch repariert werden. © Dietmar Thomas

Doch Rolf Noacks Mängelliste ist noch umfangreicher: Die Schaltpulte der Bahnen sind defekt, alle vier Kugelfangmatten durchgeschlagen. „Wir haben alte Förderbänder eingebaut, die als Bremse dienen“, veranschaulichte er. Auf drei der vier Bahnen sei die Lichtschranke kaputt. Um überhaupt weitertrainieren und -spielen zu können, sei die Schranke abgeklemmt.

Bei den Elevatorketten sieht es nicht ganz so schlimm aus. „Nur“ zwei seien ausgeleiert. Die Stellschrauben für diese Ketten haben die Sportler schon erneuert. An den Gestellen war die Halterung weggebrochen. Im Moment gibt es nur eine Notlösung, die nach Meinung der Kegler unbedingt ersetzt werden muss.

Ohne Förderung wird's nicht gehen

Nach der ersten Einschätzung von Jens Jung wird es um die 17.000 Euro pro Bahn kosten, die Leisniger Kegelanlage zu ertüchtigen. Der Bauamtsleiter geht daher davon aus, dass die Kommune Gesamtkosten von rund 80.000 Euro planen sollte. Aber: „Über den Haushalt können wir das so leicht nicht stemmen“, räumte Thomas Schröder ein. Daher werde die Verwaltung jetzt versuchen, die Sanierung der Kegelanlage im avisierten Bundes- oder in einem anderen Sportförderprogramm unterzubringen.

Dass davon nicht nur die Leisniger Kegler profitieren, hatte Rolf Noack schon mehrfach gesagt. Auf der Bahn neben dem Schützenhaus trainieren auch die Kegler aus Waldheim sowie aus Hartha-Gersdorf. Sie bewältigen dort zudem ihren Punktspielbetrieb – obwohl das dafür nötige Programm von Hause aus gar nicht auf der veralteten Anlage programmierbar ist.

Selbst Kugeln und Kegel organisiert

Für Rolf Noack steht fest, dass die Sportler ohne ihr eigenes Zutun schon längst hätten „einpacken“ können. Das betrifft nicht nur die Technik, die mit viel Mühe und Improvisationstalent am Laufen gehalten wird. „Wir versuchen immer wieder, Kegel und Kugeln zu organisieren“, berichtete der Senior den Ausschussmitgliedern. Dafür reisten die Leisniger sogar bis nach Bayern, um Ersatz für „Arbeitsmittel“ zu haben, die bei so häufigem Betrieb auch einmal Schaden nehmen und aussortiert werden müssen.

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Dankbar zeigte sich Rolf Noack trotz aller aktueller Probleme dafür, dass die Kommune die eine oder andere Modernisierung in Angriff genommen hat, selbst wenn es bis zur Dacherneuerung eine ganze Weile gedauert habe. „Aber die Duschen sind schön und die Heizung, die wir voriges Jahr bekommen haben, ist spitze“, so Noack.

Wünschen würde er sich, dass jetzt auch in Sachen Grünpflege noch etwas passiert: „Die Bäume und Büsche am Eingang haben wir selbst zurückgeschnitten.“ Von den Brombeersträuchern allerdings hätten die Sportler die Finger gelassen. Die Zweige würden inzwischen bis hoch in die Dachrinne ranken.