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Rettungsplan für Leisniger Bruchbuden

Zur Umsetzung soll ein Verein gegründet werden. Doch ohne Hilfe der Kommune geht es nicht. Ein klares Bekenntnis der Räte dazu steht aber noch aus.

Drei Häuser stehen auf der Oberlanggasse zwischen Niedermarkt- und Badergasse. Zwei davon sind in so schlimmen Zustand, dass Stadtrat Stefan Orosz befürchtet, dass Abrisse drohen. Eine Interessengemeinschaft will solche Gebäude retten.
Drei Häuser stehen auf der Oberlanggasse zwischen Niedermarkt- und Badergasse. Zwei davon sind in so schlimmen Zustand, dass Stadtrat Stefan Orosz befürchtet, dass Abrisse drohen. Eine Interessengemeinschaft will solche Gebäude retten. © Lars Halbauer

Leisnig. Eine Hand voll Leisniger, die ein Faible für alte Häuser haben, will sich als Verein für den Erhalt solcher Gebäude in der historischen Altstadt engagieren. Doch die Corona-Bestimmungen lassen eine Vereinsgründung mit mehreren Mitgliedern schon seit Monaten nicht zu.

Da nicht absehbar ist, wie lange das noch so sein wird, hat Stefan Orosz die Initiative ergriffen und das Anliegen der „Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt der historischen Bausubstanz in Leisnig“ jetzt den Stadträten vorstellt, die im Technischen Ausschuss mitarbeiten.

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Orosz selbst sitzt für Die Linke im Stadtrat. Auch Rätin Maria-Christin Anderfuhren (Bündnisgrüne) ist in dieser Initiative engagiert.

Alte Häuser hat manchmal jahrelang niemand betreten

Wie Orsoz sagte, gibt es in Leisnig viele prägende Gebäude, die erhaltenswert sind. Zwei davon nehmen sich Mitglieder der IG im Augenblick schon an. Dabei handelt es sich um ein Haus an der Niederlang- und eines an der Lichtenberggasse, wo Notsicherungen laufen beziehungsweise in Vorbereitung sind.

Diese Sicherungen, die nicht immer Unmengen kosten müssen, sind ein Punkt auf dem Rettungsplan, den die Initiative erstellt hat. Basis dafür war eine Art Ist-Zustandsanalyse. Mit der Materie kennt sich Orosz aus, weil er sich beruflich mit ökologischem Bauen und Sanieren beschäftigt.

Wie der Stadtrat darstellte, handelt es sich bei einer Reihe der Altstadthäuser, die verfallen, um Kulturdenkmale. Daran hätten deren Besitzer oftmals kein Interesse mehr, mitunter seien sie schon jahrelang nicht mehr in Leisnig gewesen. Manche der Immobilien stehen Orosz zufolge seit Jahren oder gar Jahrzehnten leer und sind manchmal auch so lange schon nicht mehr betreten worden.

Kommune soll Zwischenbesitzer werden

Der Verfall hat nach Einschätzungen des Leisnigers häufig mit einem Loch im Dach begonnen oder einer von Blättern verstopften Dachrinne. Dadurch sei Nässe in die Gebäude eingedrungen. Die wiederum habe Schäden an Balken und Balkenverbindungen bis hin zum Mauerwerk verursacht.

„Wenn nichts passiert, wird es weitere Abrisse geben“, prognostizierte er. Dadurch entstünden kleinste, freie Grundstücke, „die mit hohen Abrisskosten belastet sind. Dort baut niemand wieder etwas.“

Um diese Abbrüche und damit Lücken im Stadtgebiet zu verhindern, sollten nach den Vorstellungen der Initiative Tatsachen und Perspektiven geschaffen werden. Der Vorschlag lautet, dass die Kommune einige der alten Häuser kauft oder herrenlose Objekte übernimmt. „Das ist aus unserer Sicht als Bekenntnis zu dem historischen Stadtkern für die Bürger und die Öffentlichkeit wichtig“, sagte Stefan Orosz.

Die alte Druckerei in Leisnig ist auch eines der stadtbildprägenden Gebäude, die in desolatem Zustand sind.
Die alte Druckerei in Leisnig ist auch eines der stadtbildprägenden Gebäude, die in desolatem Zustand sind. © Lars Halbauer

Danach müsse die Notsicherung folgen. Dafür brauche es mitunter nicht viel mehr, als einen fehlenden Dachziegel zu ersetzen und Türen und Fenster, die offenstehen, zu schließen.

In einem dritten Schritt, so stellt sich die IG vor, sollten die Immobilien entrümpelt, von Bauschutt und Müll, der sich in vielen Gebäuden stapelt, befreit werden. „Damit werden die Häuser für Besichtigungen für Interessenten begehbar“, nannte Orosz als Intension. „So kann man sich viel besser vorstellen, was daraus einmal werden könnte.“

Altstadthaus als Alternative zu Neubau am Stadtrand

Schließlich, so sagte der Stadtrat, sollten Exposés von den Immobilien erstellt werden. Damit sei es möglich, auf Kaufinteressierte und junge Familien, die sich in Leisnig etwas aufbauen wollen, zuzugehen.

Für die Initiative ist das Wohnen in der Altstadt eine Alternative zum Bauen auf der grünen Wiese. Der positive Nebeneffekt dabei sei, dass Leisnig dann nicht mehr nur nach außen wachsen, aber innen leerstehen und verfallen würde. Letzteres versuchen einige der Stadträte auch immer wieder bei Diskussionen um Bauplätze und Zuzüge anzusprechen.

Nach Ermittlungen der Gruppe gibt es in Leisnig mindestens 30 leerstehende und verfallene Häuser. 20 davon könnte die Kommune kaufen, die Hälfte davon binnen zehn Jahren an Kaufwillige weitervermitteln. Damit könnten neue Einwohner gewonnen, Altstadthäuser gerettet und positive Zeichen gesetzt werden: „Die Leute sehen, hier tut sich etwas.“

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) sagte daraufhin, dass es erklärter Wille der Kommune sei, die baukulturellen Denkmale der Stadt zu erhalten. Das finde sich auch im Stadtentwicklungskonzept wieder. Allerdings räumte er in Bezug auf den Rettungsplan der Initiative auch ein: „Ich denke, dies übersteigt unsere Kräfte. Dafür braucht es ein handlungsfähigeres Bauamt und Geld.“ Über beides – also die Finanzen und das Personal – müsse der Stadtrat entscheiden.

Der Wille und Geld müssen da sein

Was die Finanzen betrifft, hat die Fraktion von Die Linke/Bündnisgrüne bei der Etatplanung bereits beantragt, einen niedrigen fünfstelligen Betrag für diese Rettungsinitiative aufzunehmen.

Ob es dabei bleibt, wird die Haushaltsdiskussion in den nächsten Ratstagungen zeigen. „Für die meisten Notsicherungen braucht es anfangs ja auch nicht so viel Geld“, so Maria-Christin Anderfuhren. Sie warnte dabei auch vor übertriebenen Erwartungen. Die Häuser zu retten und dafür Interessierte zu finden, das sei keine Sache von einem oder zwei Jahren. Dafür brauche es Geduld. Und: „Man muss es wollen.“

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