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Roßwein denkt jetzt auch an eigene Immobilien

Das Rathaus auf Vordermann zu bringen, verschlingt mehrere Millionen Euro. Aber es gibt auch „kleinere Baustellen“.

Auch wenn das Roßweiner Rathaus nach wie vor ein Postkartenmotiv ist – der Sanierungsstau ist mittlerweile unübersehbar. Die Treppe zum Durchgang fehlt inzwischen schon, sie muss erneuert werden.
Auch wenn das Roßweiner Rathaus nach wie vor ein Postkartenmotiv ist – der Sanierungsstau ist mittlerweile unübersehbar. Die Treppe zum Durchgang fehlt inzwischen schon, sie muss erneuert werden. © André Braun

Roßwein. Als einer der jüngsten Bürgermeister der Region ist Veit Lindner 2001 ins Roßweiner Rathaus eingezogen. Einige Schränke, die ihn umgeben, würden das Herz eines Antiquitätenhändlers bestimmt höher schlagen lassen. Über das Arbeiten in Museumsflair hat sich Lindner selbst zwar nie beschwert. Trotzdem sagt er mittlerweile: Es ist Zeit für Veränderungen.

Die hat es in den vergangenen 20 Jahren nur an wenigen Stellen im Rathaus gegeben. Zuletzt wurden die Bleiglasfenster in großem und kleinem Ratsaal erneuert und vorher schon andere Fenster sowie die Heizung. Doch viel mehr als passiert ist, steht noch aus.

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„Schauen Sie sich doch um!“, fordert Lindner auf. Und tatsächlich braucht er nicht viel zu erklären. So führen zum Beispiel in den Fluren noch sehr viele Leitungen auf dem Putz entlang. Sie bei Renovierungen unter Putz zu legen, ist schon seit Jahrzehnten gängige Praxis. Somit haben die Leitungen im Roßweiner Rathaus mittlerweile Seltenheitswert.

Erweiterung fürs Archiv geplant

Vom Marktplatz aus gesehen ist das Gebäude wirklich ein Hingucker: mit Weinbewuchs, im Sommer dem Blumenschmuck am Balkon oder dem Durchgang, von den Roßweinern auch Brautloch genannt. Die Treppe wird gegenwärtig in Ordnung gebracht. Schlimm sieht es dagegen an Teilen der Rückfront aus. So bröckelt zum Beispiel der Putz an einem der Hintereingänge.

Die Verwaltung sei gerade dabei, den Sanierungsbedarf zu ermitteln und einzelne Bauabschnitte zusammenstellen, sagt Lindner. Das sei ziemlich komplex. So stünden den Erfordernissen, zum Beispiel einen zweiten Rettungsweg anzulegen, auch die Einschränkungen durch den Denkmalschutz entgegen.

Wenn einmal „reingerissen“ wird, will die Kommune im Idealfall auch gleich ihre Pläne für das Nachgebäude umsetzen. Das hat sie vor einiger Zeit gekauft. Nach einer entsprechenden Modernisierung soll dort das Stadtarchiv einziehen. Überall sollen die Beschäftigten dann zeitgemäße Arbeitsbedingungen vorfinden.

Einmalige Chance auf hohe Förderung

Zwischen fünf und 7,5 Millionen Euro würde die Komplettsanierung des Roßweiner Rathauses kosten, schätzt der Bürgermeister. Die würde die Kommune rascher angehen, wenn sie in den Genuss von Fördergeld käme. Eine einmalige Chance sieht die Verwaltung in einem Programm, das eine 100-prozentige Bezuschussung von Gemeinbedarfseinrichtung in Aussicht stellt. Auch nur unter dieser Voraussetzung kann sich der Bürgermeister vorstellen, ein möglichst großes Sanierungspaket anzugehen. Das wäre ihm am liebsten. „Ansonsten wird es wieder nur Stückwerk.“

Den enormen Rückstau in Sachen Rathaussanierung begründete Veit Lindner über Jahre hinweg schon damit, dass die Stadträte stets andere Investitionen für wichtiger gehalten haben. Beispiele dafür sind die Sanierung von Oberschule und gegenwärtig die der Grundschule. Andere Kommunen haben das anders gehandhabt und mittlerweile die eine oder andere Rathaus-Renovierung erledigt.

Insgesamt hat Roßwein vor, bei der Vergabe von Städtebaufördergeld in diesem Jahr ein wenig mehr auf eigene Einrichtungen zu achten. In den Vorjahren konnten auch Privatleute von dieser Unterstützung profitieren. Zuletzt sind derartige Zuschüsse zum Beispiel für die Erneuerung von Dächern von Wohn- und Geschäftshäusern an der Straße Zur Wunderburg sowie auf der Nossener Straße bewilligt worden.

Zu den privaten Sanierungsvorhaben, die 2020 gefördert worden sind, gehört auch die Dacherneuerung des Hauses Wunderburg 9. Zu den beteiligten Handwerkern gehörte Dachklempner Thomas Mattheß.
Zu den privaten Sanierungsvorhaben, die 2020 gefördert worden sind, gehört auch die Dacherneuerung des Hauses Wunderburg 9. Zu den beteiligten Handwerkern gehörte Dachklempner Thomas Mattheß. © Dietmar Thomas

„Im Laufe des Jahres 2020 hat sich dann aber herauskristallisiert, dass es aktuell wenig bis keinen Bedarf zur Förderung privater Bauvorhaben im Stadtsanierungsgebiet gibt.“ Damit erklärt der stellvertretende Bauamtsleiter Matthias Lange, weshalb die Kommune sich in nächster Zeit auf eigene „Baustellen“ konzentrieren will.

Roßwein gehört zu den 127 Kommunen, denen Sachsen bis zum Jahr 2024 insgesamt 155 Millionen Euro an Städtebau-Fördergeld zur Verfügung stellen will. Wie viel Roßwein vom „Kuchen“ abbekommt, kann Lange noch nicht sagen. Das stehe vermutlich erst mit der Bewilligung des Fortsetzungsantrages fest. Damit rechne er in der zweiten Hälfte des Jahres.

Aus den bisher sechs Programmen hat der Freistaat drei gemacht: Lebendige Zentren, Sozialer Zusammenhalt sowie Wachstum und nachhaltige Erneuerung. Roßwein befindet sich in letztgenanntem Programm. In dem stehen insgesamt 57 Millionen Euro für 90 städtebauliche Maßnahmen zur Verfügung.

An Bibliotheksgebäude gibt es noch mehr zu tun

Die nächsten kommunalen Projekte, die Roßwein über die Rathaussanierung hinaus in Angriff nehmen will, sind weitere Arbeiten an der Bibliothek sowie an der Querstraße, wo noch in diesem Jahr die ehemalige Destille an der Querstraße abgebrochen werden soll. Dafür kann die Kommune keine Unterstützung beantragen, sehr wohl aber für die anschließende Gestaltung.

Für die Bibliothek an der Poststraße sind nach der Dacherneuerung und dem Neubau des barrierefreien Eingangs Dämmarbeiten geplant. Auch die Erneuerung der Drainage wäre in einem nächsten Schritt wichtig. Die Bibliothek wird höchstwahrscheinlich in diesen Räumen bleiben. Überlegungen, umzuziehen, um mehr Platz zu haben, sind wieder vom Tisch beziehungsweise im Moment nicht aktuell.

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