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Roßwein: Erste Pyramiden-Figuren von der Kur zurück

Wenn es schon keinen Weihnachtsmarkt gibt, sollen die Roßweiner nicht auch noch auf den Schmuck im Advent verzichten. Ein Teil muss bald zurück in die Werkstatt.

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René Voigtländer hat mit seinen Kollegen vom Roßweiner Bauhof in dieser Woche die Pyramide am Marktplatz aufgebaut. Obwohl noch nicht alles Figuren „zur Kur waren“, ist der Schmuck nicht leer geblieben.
René Voigtländer hat mit seinen Kollegen vom Roßweiner Bauhof in dieser Woche die Pyramide am Marktplatz aufgebaut. Obwohl noch nicht alles Figuren „zur Kur waren“, ist der Schmuck nicht leer geblieben. © Dietmar Thomas

Wenn die Roßweiner beim Wochenendspaziergang auf dem Marktplatz stehen bleiben, könnte das mehrere Gründe haben: Der Baum inmitten des Marktes steht und ist geschmückt, davor können Kinder in einem Extra-Briefkasten ihre Wunschzettel einwerfen.

Und auch die Pyramide dreht am Fuße des Rathauses wieder ihre Runden. Wer genau hinschaut, kann vielleicht erkennen, welche der Figuren schon zur „Reha“ waren und welchen das im nächsten Jahr noch bevorsteht.

Der Lack ist ab, das Holz gesplittert

Seit dem 28. November 1998 dreht die Pyramide am Roßweiner Markt ihre Runden. Obwohl dies jedes Jahr „nur“ in der Adventszeit und den ersten Januar-Tagen passiert, sind die insgesamt 15 Figuren durch die Witterung sowie den vielen Auf- und Abbau unterschiedlich stark angegriffen gewesen.

Bei einigen blätterte die Farbe ab, bei anderen war das Holz gesplittert. Das haben Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) und die Verwaltungsmitarbeiter zum Anlass genommen, um zu einer Spendenaktion zugunsten der Pyramidenfiguren aufzurufen.


Das war erfolgreich. Insgesamt 5.500 Euro sind auf das Spendenkonto eingezahlt worden. Beteiligt haben sich sowohl Privatleute, überwiegend Roßweiner, als auch Unternehmen, ebenfalls zumeist örtliche. Schon vor mehr als 20 Jahren, als es um den Bau einer Stadtpyramide ging, waren es hauptsächlich Betriebe aus Roßwein, die ermöglicht haben, die 15 Holzfiguren bei einem Schnitzer beziehungsweise Drechsler in Auftrag zu geben.

Konstruktion ist eine Abschlussarbeit

Mit der Konstruktion hat es eine andere Bewandtnis. Die Stahlteile stellte die Firma Otto Künnecke Maschinenbau und Anlagentechnik in Holzminden her. Die Pläne dafür kamen von einem Absolventen der Roßweiner Ingenieurschule. Berechnung und Konstruktion der Roßweiner Weihnachtspyramide war Thema einer Abschlussarbeit und wurde dann von Künnecke und seinen Mitarbeitern umgesetzt.

Künnecke hatte zu diesem Zeitpunkt eine besondere Verbindung zu Roßwein. Er hat damals versucht, Roßwein als Ausbildungsstandort für Ingenieure der Richtung Schwermaschinenbau zu erhalten.

Als Präsident des Fördervereins der Bundesfachschulen Metall hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass sich in Roßwein eine Bundesfachschule für das Metallhandwerk gründen und etablieren konnte. Für dieses Engagement haben ihn die Stadträte seinerzeit mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Dafür wollte sich Künnecke erkenntlich zeigen und sagte daraufhin die Finanzierung der Stadtpyramide und den Bau der Konstruktion zu.

Wo Handwerker und Bergleute Runden drehen

Diese ist geradlinig und schlicht, was die Figuren besonders zur Geltung kommen lassen soll. Diese sind auf drei Ebenen angeordnet und zeigen auch in Roßwein – wie häufig in der Region – regionale Verbundenheit: zu früherem und heutigem Handwerk. So drehen auf der Pyramide Bergleute und Nachtwächter ihre Runden. Aber auch Bäcker, Schornsteinfeger und Krankenschwester sind zu sehen.

Einige davon dürfen sich schon in altem Glanz präsentieren. Denn insgesamt fünf Holzfiguren konnten die Mitarbeiter in der Fachwerkstatt der Diakonie Döbeln in Roßwein schon restaurieren. Mehr war in der Kürze der Zeit nicht zu schaffen, so Anne Möbius, die Leiterin der Roßweiner Werkstätten.

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Die Kommune hatte den Auftrag letztlich erst ausgelöst, als die Finanzierung des Gesamtauftrages gesichert war. „In unserer Restaurationswerkstatt arbeitet aber nur ein kleines Team an betreuten Mitarbeitern und Betreuern“, erklärte Anne Möbius, weshalb jetzt nur ein Teil der Figuren in Ordnung gebracht ist.

Auch neue Kabel sind geplant

Für die übrigen zehn sind schon die nächsten Termine in der Restaurationswerkstatt der Diakonie reserviert. Sobald der Bauhof die Pyramide Mitte/Ende Januar abbaut, werden die Figuren nicht ins Sommerlager, sondern gleich in die Werkstatt gebracht. Dann sollte genügend Zeit sein, sich mit jeder einzelnen intensiv zu befassen.

Fest steht schon jetzt, dass die anfänglich kalkulierten 3.000 Euro nicht genügen. Das hängt unter anderem mit gestiegenen Materialkosten zusammen. Deshalb ist es gut, dass die Roßweiner großzügig waren und ein entsprechendes Polster vorhanden ist.

Das soll, wenn es jetzt noch ausreicht, dafür verwendet werden, die elektrische Verkabelung zu erneuern. Eine Einweihung der dann in großen Teilen überholten Pyramide ist, so teilt Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) mit, für den Weihnachtsmarkt 2022 vorgesehen.