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Roßwein reißt halben Straßenzug ab

Sobald das beantragte Fördergeld fließt, kann der Abbruch starten. Das gleich ein Stück Altstadt verschwindet, ist eher selten.

Gibt es Geld vom Freistaat, lässt die Stadt Roßwein fünf desolate Häuser an der Mühlstraße abreißen. Die beiden untersten Gebäude am Ende der Straße müssen auf Geheiß der Denkmalschutzbehörde stehen bleiben.
Gibt es Geld vom Freistaat, lässt die Stadt Roßwein fünf desolate Häuser an der Mühlstraße abreißen. Die beiden untersten Gebäude am Ende der Straße müssen auf Geheiß der Denkmalschutzbehörde stehen bleiben. © Dietmar Thomas

Roßwein. Wer die Mühlstraße entlanggeht, der fühlt sich beinahe in die Nachkriegszeit zurückversetzt. Zumindest auf der stadtauswärts linken Straßenseite. Die Häuser dort sind von Verfall gekennzeichnet. Die meisten stehen längst leer. Das wird sich in den nächsten Monaten ändern.

Nach jahrelangen Verhandlungen mit Grundstückseigentümern hat die Kommune 2020 das letzte Haus kaufen können, das für den Abriss nötig ist. Insgesamt fünf Grundstücke hat Roßwein jetzt beisammen. Das sind die Häuser mit den Nummern 5 bis 13. Drei weitere sind zwischen Nossener Straße und Gerbergasse zu finden. Das oberste ist saniert und wird genutzt.

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Die beiden unteren dürfen im Moment nicht von der Bildfläche verschwinden. Das hat die Denkmalschutzbehörde nach einer nochmaligen Besichtigung der Bausubstanz vor Kurzem festgelegt, wie Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) auf Anfrage sagte. Bei dem letzten Haus handelt es sich um eine Art Ankergebäude. Das sich nach oben hin anschließende hat ein sehenswertes Eingangsportal. Ansonsten aber ist es genau wie die folgenden in bemitleidenswertem Zustand – zumindest vom äußeren Erscheinungsbild her.

Häuser-Abriss in Roßwein wird gefördert

Um diesen Missstand zu beseitigen, haben die Stadträte zugestimmt, für den Abriss der fünf, inzwischen kommunalen Gebäude eine Förderung aus dem Landesbrachenprogramm zu beantragen. Die fällt sogar um zehn Prozent höher aus, weil die Stadt die Grundstückserwerbskosten sozusagen geltend machen kann.

Bei einer Bewilligung des Zuschusses könnte sie damit 90 Prozent der Abrisskosten von mehr als 350.000 Euro vom Freistaat bekommen. „Unserer Eigenanteil ist gesichert“, so der Bürgermeister. Knapp 36.000 Euro müsste Kämmerin Bianka Graf dafür dann aus dem städtischen Haushalt bereitstellen.

Steffen Thiele (SPD) wollte wissen, wann genau mit dem Abbruch zu rechnen ist. Das konnte Bauamtsleiter Dirk Mehler noch nicht sagen. Der Baustart seit von der Bewilligung des Fördergeldes abhängig. Erst danach könne der Abriss ausgeschrieben werden.

Planer haben vor einiger Zeit schon einmal den gesamten Straßenzug betrachtet und Gestaltungsvorschläge vorgelegt.
Planer haben vor einiger Zeit schon einmal den gesamten Straßenzug betrachtet und Gestaltungsvorschläge vorgelegt. © Westsächsische Gesellschaft fü

Mehrere Gestaltungsmöglichkeiten zur Auswahl

Dass dann eine mehrere Meter lange Baulücke auf der Mühlstraße klafft, davon geht der Bürgermeister nicht aus. Es wird eine Verblendung – welcher Art auch immer – geben. Denn auch die Hinterhöfe, auf die der Blick dann frei ist, dürften zweifelsfrei kein Hingucker werden.

Über die Gestaltung der freigewordenen Fläche hatten sich die Mitglieder im Zukunftsforum schon einmal unterhalten. Ihnen stellte Silke Otto von der Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung Chemnitz Anfang 2017 verschiedene Möglichkeiten der Neugestaltung an dieser Stelle vor.

Denkbar ist vieles, sagte die Planerin damals. Sie legte Vorschläge für versetzt stehende Stadteigenheime vor, aber auch für Mehrfamilienhäuser in der bisher bekannten Art. Auch die Wiederbelebung der stehenbleibenden Gebäude bezog sie ein. In jeden Fall wird es Aufgabe der Kommune sein, für die Neugestaltung Bauträger beziehungsweise Investoren zu finden.

Dieser Abriss von gleich mehreren Häusern ist eher die Ausnahme. Praktiziert hat Roßwein dies allerdings schon, und zwar an der Lommatzscher Straße.

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