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Roßwein sagt mit Roß-Wein Danke

Zum siebten Mal richtet die Stadt für Ehrenamtliche einen Empfang aus. Dennoch unterscheidet sich dieser von allen anderen zuvor.

Die Auszeichnung der Ehrenamtlichen im Roßweiner Rathaus erfolgte mit Abstand.
Die Auszeichnung der Ehrenamtlichen im Roßweiner Rathaus erfolgte mit Abstand. © Dietmar Thomas

Roßwein. Es sind wesentlich weniger Stühle, die im großen Rathaussaal stehen. Und sie stehen weit auseinander. Es sind auch viel weniger Ehrenamtliche, die eingeladen sind. Schuld ist die Corona-Pandemie. Die Stadtverwaltung muss auf die derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln achten.

Ganz verzichten wollte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) auf den traditionellen Ehrenamtsempfang jedoch nicht. „Ohne Sie wäre unsere Stadt nicht das, was sie ist. Manches würde nicht so funktionieren, wie es funktioniert“, so das Stadtoberhaupt.

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Ab 6. November warten bei der SZ-Auktion wieder tolle Schnäppchen, ob als Geschenk oder für einen selbst. Gleichzeitig wird damit der regionale Handel unterstützt.

 Das ziehe sich durch alle Bereiche wie die Vereinsarbeit, den Tierschutz, Nachbarschaftshilfe gerade in der Corona-Zeit, Sport- oder Freizeitangebote, die Feuerwehr, aber auch die ehrenamtliche Arbeit in den Bibliotheken in den Ortsteilen. „Sie sind diejenigen, die den Gemeinschaftssinn bewahren und eben nicht als erstes an sich denken. Ich ziehe den Hut und bedanke mich herzlich“, so Lindner.

Zwei Vereine und drei Einzelpersonen sind in diesem Jahr stellvertretend für alle anderen, die sich für die Stadt und ihre Menschen engagieren, mit der Ehrenamtsplakette ausgezeichnet worden.

Rubrik „Brauchtum“: Verein Segen Gottes Erbstolln

Vor zwei Wochen hat der Verein seinen 40. Geburtstag gefeiert. Seit 1980 betreut er das Denkmalschutzgebiet Gersdorf als Flächendenkmal für Anlagen des sächsischen Silberbergbaues und hält dieses in Schuss. Besucherführungen durch das Bergwerk werden angeboten, „auch wenn das dieses Jahr wegen Corona nicht wie sonst der Fall sein konnte“, so Lindner, der als Laudator für den Verein auftrat. 

Das Gerdorfer Bergbaugebiet ist ein Objekt des Unesco Weltkulturerbes im Bereich Montanregion Erzgebirge. Besonderes Highlight seien die beiden Wassersäulenmaschinen von 1833 und 1864. Stellvertretend für den Verein nahm Albrecht Zieger die Ehrung entgegen.

Rubrik „Brauchtum“: Aquarien-und Terrarienverein Osiris

„Brauchtum ist auch, Vereinsarbeit für Kinder und Jugendliche zu schaffen“, so Lindner. Dafür wurde der Aquarien- und Terrarienverein Osiris geehrt. Es könne dem Verein nicht hoch genug angerechnet werden, „dass er Kinder und Jugendliche an die Schönheit der Flora und Fauna heranführt“, so Laudatorin Monika Weigel.

 Viele Höhen und Tiefen habe der Verein in seiner fast 40-jährigen Geschichte durchschritten, „aber sie haben immer weitergemacht, Ausstellungen organisiert und die Stadt beim Tag der Sachsen oder anderen Festen auch nach außen hin vertreten.“ Auch als der langjährige Vorsitzenden Robby Riedel und seine Frau Marita vor zwei Jahren den Verein verließen, gaben die Mitglieder nicht auf. Derzeit hat Osiris 20 Mitglieder. Weitere zehn Schüler „der sechsten bis zehnten Klassen „schnuppern“ derzeit.

Rubrik „Ehrenamt“: Ute Krause

„Ich weiß, was ich an ihr habe“, sagte Laudatorin Liane Patzelt über Ute Krause, die sich seit 27 Jahren ehrenamtlich als Trainerin und zeitweise Abteilungsleiterin um die kleinsten Schwimmer des Roßweiner Schwimmvereins kümmert. „Sie koordiniert Wettkämpfe, hält Kontakt zu anderen Vereinen und dem Landesverband“. 

Sie sei unentbehrlich geworden, unter anderem bei den Aufführungen des traditionellen Weihnachtsmärchens, wo sie sich mit viel Engagement unter anderem um die Kulissen und Kostüme kümmert.

 „Mit viel Herzblut versucht sie, aus jedem kleinen Wasserfloh einen ansehnlichen Schwimmer zu machen“, so Liane Patzelt. Sie sei aber auch Kampfrichter, Urkundenschreiber, Getränkeeinkäufer und und und ... Ute Krause selbst will die Dankesworte gerne zurückgeben, an die, die ihre Arbeit überhaupt möglich machen.

 „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Kleinstadt wie Roßwein ein Freibad und ein Hallenbad leistet. Ich wünsche mir von den Amtsinhabern, dass sie sich weiter dafür einsetzen und diese Einrichtungen erhalten bleiben“, sagte sie.

Rubrik „Meine Stadt“: Reinhard Senf

„Er gehört zu den Menschen, die stadtbekannt sind. Reinhard Senf hat immer gute Ideen, engagiert sich im Heimatverein und im Zukunftsworkshop der Stadt und im Kamelienhaus“, so Veit Lindner. Jahrelang war Senf selbst aktives Mitglied der Roßweiner Feuerwehr und noch heute engagiere er sich in der Altersabteilung. 

Die Geschichte der Feuerwehr nimmt er als Autor des Buches „Hauptsache löschen“ mit viel Humor und Augenzwinkern aufs Korn. Seit 2004 habe er sich überdies als Wanderwegewart aktiv dafür eingesetzt, dass die vielen Lücken im Wanderwegenetz Roßweins geschlossen und die Wege ordentlich ausgeschildert werden konnten.

 Auch die Gründung der Roßweiner Wandergruppe geht auf seine Initiative zurück. Das Amt des Wanderwegewartes hat er aus gesundheitlichen und Altersgründen in jüngere Hände gegeben. Für seine Heimatstadt und insbesondere für die Feuerwehrhistorik will er sich weiter engagieren. „Das bleibt so“, sagte er. „Ich bin hier geboren und hier lebe ich. Nur die Angebote der Supermärkte zu studieren, das füllt mich nicht aus.“

Rubrik „Leben im Dorf“: Iris Köhler

Für ihre jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzende der Volkssolidarität der Ortsgruppe Gleisberg wurde Iris Köhler geehrt. „Obwohl sie als Mutter eines schwerbehinderten Kindes immer wieder an ihre Grenzen gerät, führt sie die Gruppe mit viel Liebe und Hingabe“, sagt Laudatorin Ursula Hönicke. So organisiere sie die monatlichen Zusammenkünfte im Dorfgemeinschaftshaus, für die sie sich jedes Mal ein Thema überlegt.

Die Teilnehmer seien beispielsweise schon zu den Themen Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht oder die Pflege von Pflanzen informiert worden. „Wir haben sogar schon einmal Schnaps verkostet“, sagt Ursula Hönicke und lacht. Iris Köhler sei stets freundlich und zuvorkommend.

 „Ich freue mich sehr, dass ihr Arbeit so anerkannt wird“, sagte Ursula Hönicke. Die Ehrenamtsplakette konnte die Gleisbergerin nicht selbst in Empfang nehmen, weil sie derzeit im Urlaub ist. „Wir werden sie ihr zu einem späteren Zeitpunkt überreichen“, so Lindner.

Kabarett und Knabbergebäck

Kulturell umrahmt wurde die Veranstaltung von Thomas Störel vom Kabarett Sanftwut, der mit seiner Darbietung die Anwesenden den Alltagsstress vergessen ließ. In pinkfarbener Jogginghose und gelbem T-Shirt nahm er viele aktuelle politische Themen aufs Korn. Kabarettistische Seitenhiebe mussten viele Politiker und auch die Bundeskanzlerin einstecken. Auch das Thema Corona sparte Störel nicht aus.

Wegen der Corona-Pandemie verzichtete die Stadtverwaltung in diesem Jahr auf das sonst übliche Buffet. Stattdessen gab es für die Gäste eine Flasche Roß-Wein und Knabbergebäck. Bürgermeister Veit Lindner entließ die Gäste nicht, ohne ein nochmaliges Dankeschön: „Es braucht Menschen wie Sie, bleiben Sie bitte am Ball und vor allem bleiben Sie gesund.“

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