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Roßweiner von Berliner Kissen genervt

Vor ein paar Monaten sind die Schikanen an der Nossener Straße installiert worden. Jetzt gibt es deswegen erneut Ärger.

Die Berliner Kissen an der Nossener Straße sind mehreren Anwohnern ein Ärgernis. Die Lärmbelästigung habe sich enorm erhöht, seit sie auf die Straße aufgebracht worden sind.
Die Berliner Kissen an der Nossener Straße sind mehreren Anwohnern ein Ärgernis. Die Lärmbelästigung habe sich enorm erhöht, seit sie auf die Straße aufgebracht worden sind. © Dietmar Thomas

Roßwein. Familie Berndt wohnt an der Nossener Straße. Die Schlafzimmerfenster befinden sich an der Straßenseite. Seitdem im Frühjahr direkt vor ihrem Haus ein sogenanntes Berliner Kissen, oder auch schlafender Polizist, installiert worden ist, kommt sie nicht mehr zu Ruhe.

Das Fenster nachts aufzulassen, sei wegen des Lärms unmöglich. „Die Gläser wackeln im Schrank, so groß sind die Erschütterungen“, erzählt Heike Berndt im Stadtrat. „Wir wünschen uns, dass die Kissen wieder wegkommen, bitte so schnell, wie sie hingekommen sind“, sagt sie. Dabei spreche sie nicht nur für sich, sondern im Namen mehrerer Familien, die an der Nossener Straße wohnen.

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AfD-Stadtrat Jens Tamke wohnt zwar nicht an der Nossener Straße, hat sich aber schon des Öfteren mit den Berliner Kissen auseinandergesetzt. „Da ich in der Nähe wohne, haben mich Anwohner mehrfach darauf angesprochen“, sagt er.

Mehr Lärm und mehr Abgase

Für Tamke machen die Kunststoff-Schwellen keinen Sinn. „Ich habe es beobachtet. Große Fahrzeuge, wie zum Beispiel Busse, fahren bis an das erste Kissen, schleichen darüber, beschleunigen, fahren bis zum zweiten Kissen, schleichen darüber und beschleunigen. Dadurch entsteht nicht nur mehr Lärm, sondern auch mehr Abgase“, erklärt er. 

Auf der Nossener Straße sind maximal 30 Kilometer pro Stunde erlaubt. „Und viel schneller kann an dieser schmalen Straße auch nicht gefahren werden, zumal dort auch immer Autos parken“, so Tamke. Überdies hält der Stadtrat die Kissen für falsch dimensioniert. „Die sind viel zu hoch.“ 

Scheinbar hätten sich auch die Dübel, mit denen die Kissen aufgebracht worden sind, schon gelockert. Das würde zumindest das Geräusch erklären, das entsteht, wenn Autos darüberfahren.

Tamke moniert außerdem, dass weder der Stadtrat noch die Anwohner vor dem Anbringen der Fahrbahnschwellen informiert worden seien.

Andere Anwohner haben sich die "Huckel" gewünscht

Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) will das Problem prüfen lassen. „Es gibt auch Leute, die sich die Schikanen an dieser Stelle gewünscht haben, weil aus deren Sicht in der Nossener Straße zu schnell gefahren wird“, sagt er im Stadtrat. Es sei nicht einfach, es jedem Bürger Recht zu machen.

Kommune darf nicht "blitzen"

Dem Wunsch einiger Anwohner, auf der Nossener Straße lieber öfter die Geschwindigkeit zu kontrollieren, könne die Stadt selbst nicht nachkommen. „Dazu sind wir nicht befugt“, so Lindner. Stattdessen müsse sich die Kommune diesbezüglich an die Polizei oder den Landkreis wenden. Sporadische Kontrollen würden auch vorgenommen, allerdings nicht so oft, wie es sich mancher wünschen würde, so Lindner. 

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Vor drei Jahren hatte sich die Kommune schon einmal wegen Anwohnerbeschwerden in Gleisberg mit einem solchen „Huckel“ in einer 30-Zone befassen müssen. Auch dort hielten die Anwohner die Aufpflasterung für unsinnig und überdies gefährlich. Die Schikane war daraufhin zurückgebaut worden. Immerhin existierte diese aber etwa fünf Jahre. 

Neue sind mittlerweile im Ortsteil Ullrichsberg gebaut worden – auf Wunsch der Anwohner. 

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