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Das sind Roßweins neue Wanderwegewarte

Kerstin und Jens Pigorsch sind gern in der Natur unterwegs. Nun wollen sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Katrin und Jens Pigorsch sind mit ihrem Hund Karlo mehrmals täglich in der Natur unterwegs. Die Daten, die sie dabei sammeln, sollen auch anderen Naturfreunden helfen, Strecken kennenzulernen.
Katrin und Jens Pigorsch sind mit ihrem Hund Karlo mehrmals täglich in der Natur unterwegs. Die Daten, die sie dabei sammeln, sollen auch anderen Naturfreunden helfen, Strecken kennenzulernen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Roßwein hat zwei neue Wanderwegewarte: Kerstin und Jens Pigorsch wurden am Donnerstagabend im Stadtrat in dem Ehrenamt bestätigt. Die beiden sind 45 und 46 Jahre alt und mindestens dreimal am Tag solange an der frischen Luft, bis sich ihr Irish Terrier Karlo die Pfoten vertreten hat. Am liebsten aber noch länger.

Die beiden wandern gern. Schon immer. Als nach der Wende viele Familien erst einmal die Reisefreiheit genutzt und ferne Länder erkundet haben, sind die Pigorschs nach Altenberg gefahren, ins Ost-Erzgebirge. 

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Das genügt(e) den beiden, Hauptsache raus in die Natur. „Vorzugsweise dorthin, wo es ruhig ist“, sagt Kerstin Pigorsch. Immerhin hat die Erzieherin ansonsten reichlich Trubel um sich.

Auftanken in der Natur

Sie und ihr Mann hatten sich schon vor ein paar Jahren um ein Ehrenamt beworben: das des Wanderwegewartes. Damals war die Wahl auf Reinhard Senf gefallen, der gerade dabei war, eine Wandergruppe aufzubauen. Und auf Günter Zeugfang. 

Auch er hatte ein Projekt am Laufen, baute mit weiteren Helfern einen Waldweg zwischen Kita „Bussi Bär“ und dem Hartenberg-Plateau. Seitdem müssen die Mädchen und Jungen der Waldkindergartengruppe nicht mehr auf der Straße zu ihrem Tummelplatz laufen, sondern können dorthin von Fahrzeugen unbelästigt durch den Wald gelangen.

Günter Zeugfang ist nach wie vor auf den Wald- und Wanderwegen unterwegs, hält diese in Ordnung. Reinhard Senf dagegen ist aus gesundheitlichen Gründen zum Kürzertreten gezwungen. Deshalb sah sich die Stadtverwaltung veranlasst, sich nach Nachfolgern umzuschauen. Reinhard Senf wurde am Abend verabschiedet.

Beim Wandern nicht untätig gewesen

Katrin und Jens Pigorsch sind nun zur Stelle, waren in der Zwischenzeit aber nicht untätig. Sie haben damit begonnen, beim Wandern bestimmte Parameter zu notieren. Dazu leistet eine Wanderuhr am Handgelenk gute Dienst, wie die beiden erzählen. 

Die zeige zum Beispiel an, wie viele Kilometer sie zurückgelegt und welche Höhenmeter sie bewältigt haben. Auch GPS-Daten können mitgeliefert werden.

Das sind mittlerweile Standards. Die meisten Wanderlustigen wollen nicht mehr nur wissen, wo geht’s lang, sondern auch, wie viel Zeit benötige ich für die Wegstrecke, wie ist die Topografie, bestenfalls noch, wie der Weg beschaffen ist. 

„Uns geht es ja auch so. Wenn wir loslaufen, überlegen wir, ob wir diese oder jene Runde schaffen. Aber wir kennen die Strecken ja auch“, erzählt Jens Pigorsch. Dieses Wissen wollen er und eine Frau nun gern weitergeben.

Rundkurse digital erschließen

Entstehen soll auch nach den Vorstellungen von Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) ein kleines digitales Sammelsurium von Rundwegen in und um Roßwein, zwischen fünf und 15 Kilometer lang. „Im Moment können wir nur einen Flyer mit vielleicht drei oder vier Wegempfehlungen vorlegen“, so der Rathauschef. 

Das digitale Zusatzangebot begrüßt er nicht nur deshalb, weil es zeitgemäß ist, sondern weil geplant ist, demnächst einen weiteren Rundweg freizugeben. Der hat etwas mit der regionalen Bergbaugeschichte zu tun. 

Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen. Auch auf der Homepage der Kommune könnten die digitalen Wanderempfehlungen von Familie Pigorsch bald zu finden sein – und über das Einlesen eines QR-Codes auf dem eigenen Handy. 

„Ich könnte mir vorstellen, das, was wir erarbeiten, auch verschiedenen Wanderportalen und damit einem großen Kreis an Interessenten zur Verfügung zu stellen“, so der 46-Jährige. Erste Ergebnisse wollen er und seine Frau Ende 2020 vorlegen, vielleicht auch schon ein bisschen früher.

Beim Erfassen der Rundwege ist geplant, auf „alte“, bereits bestehende Wegstrecken zurückzugreifen. „Neue anzulegen, übersteigt unsere Kräfte und Möglichkeiten“, sagt Jens Pigorsch. 

Wie ihre Vorgänger wollen die beiden aber auch darauf schauen, dass die Wege gut ausgeschildert sind und schon mal ein Schild richten, einen herabgestürzten Ast beiseite räumen oder eine Bank aufstellen. 

Ohne Unterstützung geht das aber nicht. Denkbar sei eine Zusammenarbeit mit der Interessengruppe (IG) Stadtverschönerung. Zur konstituierenden Sitzung waren auch die Pigorschs dabei gewesen.

Größere Schäden, und da kann sich der Bürgermeister sicher sein, werden gleich dorthin gemeldet, wo sie an der richtigen Adresse sein: beim Stadtbauhof. Dort arbeitet der 46-jährige, ausgebildete Handwerker seit etwa zwei Jahren.

"Die beste Pflege der Wege ist deren Nutzung"

Und welchen Wanderweg in und um Roßwein schlagen Kerstin und Jens Pigorsch am liebsten ein? Einen Favoriten hätten sie nicht. „Es gibt viele schöne Ecken“, sagen sie übereinstimmend und verweisen auf die Goldene Höhe, den Hohenlauft, das Wolfstal oder den Gersdorfer Wald. 

Überall sei es weitgehend ruhig, ein ungestörter Genuss der Natur daher möglich. Letztlich wünschen sich die beiden Wanderfreunde, dass auf allen Wegen genau so viele Leute unterwegs sind, dass sie erhalten bleiben. "Die beste Pflege der Wege ist deren Nutzung", sagt Kerstin Pigorsch.

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