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Roßweins Räte sehen Packstation kritisch

Dabei geht es nicht um die Dienstleistung an sich. Vielmehr ist der Standort aus ihrer Sicht nicht der geeignete.

In Döbeln gibt es mittlerweile drei DHL-Packstationen und auch ein ähnliches Modell, das die Döbelner Firma Knobloch konzipiert hat und welches Mieter der Wohnungsgenossenschaft (WG) Fortschritt nutzen können.
In Döbeln gibt es mittlerweile drei DHL-Packstationen und auch ein ähnliches Modell, das die Döbelner Firma Knobloch konzipiert hat und welches Mieter der Wohnungsgenossenschaft (WG) Fortschritt nutzen können. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Roßweiner Stadträte haben eine Entscheidung zum Aufstellen einer DHL-Packstation am Penny-Markt an der Etzdorfer Straße in Roßwein vertagt. Das gemeindliche Einvernehmen, so heißt die Zustimmung im Bürokratendeutsch, wollten aber nicht alle verweigern.

Rico Söhnel (CDU) zum Beispiel sah dafür keinen Grund. Wie er sagte, baue DHL überwiegend an Supermärkten. „Das hindert ja niemand daran, diesen Service auch zusätzlich noch in seinem Geschäft anzubieten“, so Söhnel. Aus seiner Sicht sei es nicht nötig, diesen Service auf einem städtischen Grundstück zu etablieren. Das müsse sich die Kommune nicht auch noch auf den Tisch ziehen, findet der CDU-Stadtrat.

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Peter Krause (Die Linke) und Jens Tamke (AfD) sind in dieser Beziehung anderer Meinung. Tamke sagte gleich, als der Tagesordnungspunkt „Antrag zum Aufstellen einer DHL-Packstation“ aufgerufen worden ist: „Der Platz am Penny ist nicht ideal. Ich hätte mir etwas Zentraleres gewünscht“, so Jens Tamke, der als Beispiel dafür die kommunalen Flächen rund um die Bibliothek an der Poststraße nannte. Als Argument führte er an, dass es für Ältere aus den größeren Wohnbaustandorten aus seiner Sicht unzumutbar sei, mit einem Paket durch die ganze Stadt zu laufen.

DHL hat in Roßwein bereits Partner gesucht

Hintergrund für die Neuorganisation der Paket- und anderer Postdienstleistungen ist die Tatsache, dass die „Spielwelt Lindner“, wie berichtet, am 1. Juni schließt. In dem Spielzeuggeschäft hatte die Betreiberin auch Dienstleistungen der Post angeboten. Das fällt nun ab nächster Woche an dieser Stelle weg. „Aber wo können wir dann zum Beispiel Einschreiben aufgeben?“, fragte Peter Krause.

Er bat die Verwaltung, noch einmal mit der Post Kontakt aufzunehmen. Zuvor hatte Uwe Hachmann (SPD) erzählt, dass sich Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) bereits bemüht hatte, einen etwas zentraleren Standort für eine Packstation zu finden. Überdies hat die Kommune nach Angaben von Hauptamtsleiterin Michaela Neubert DHL insoweit Hilfe angeboten und Kontakt zu Geschäftsleuten vermittelt, die als Servicepartner infrage kommen.

Kommune selbst von Schließung betroffen

„Wir wissen auch, dass die Post nach einer Übergangslösung sucht“, sagte die Hauptamtsleiterin. Sie könne sich allerdings vorstellen, dass da nur zeit- beziehungsweise stundenweise ein Postservice angeboten werden kann. Von den jetzt anstehenden Einschränkungen sei auch die Kommune selbst betroffen. „Auch uns wurde das Schließfach gekündigt“, so Michaela Neubert.

Sie hält es allerdings für überflüssig, die Post an ihren Versorgungsauftrag zu erinnern, wie von Uwe Hachmann gefordert. Das sei dem Dienstleister durchaus bewusst, meint die Amtsleiterin..

Für Vize-Bürgermeister Hubert Paßehr (CDU), der die Ratssitzung in der vergangenen Woche leitete. ist der angemeldete Standort an der Etzdorfer Straße „eine schnelle Lösung. Die werden wir als Kommune gewiss nicht verhindern können – und sollten es auch nicht. Denn die Dienstleistung wird gebraucht“, so Paßehr.

Für Packstation keine Genehmigung notwendig

Trotzdem wurde der Tagesordnungspunkt jetzt abgesetzt. Die Stadträte beauftragten Bauamtsleiter Dirk Mehler, sich mit dem von DHL beauftragten Ingenieurbüro in Verbindung zu setzen, das mit der Kommune bezüglich der Packstation am Penny-Markt in Kontakt getreten war. „Wenn wir dem Standort jetzt ohne Nachfrage zustimmen, würden das viele Roßweiner gerade wegen der dezentralen Lage nicht verstehen“, so die Argumentation von Uwe Hachmann.

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Doch inwieweit die Räte jetzt (noch) oder überhaupt Einfluss nehmen können, ist fraglich. Das Aufstellen von Packstationen ist nicht genehmigungspflichtig. Somit kann DHL auch ohne Zustimmung der Stadträte am gewählten Standort bauen.

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