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SAB-Betrug geht in dritte Runde

Der Waldheimer Angeklagte verstrickt sich erneut in Widersprüche. Glimpflich kommt ein zweiter Beteiligter davon.

Ein Waldheimer soll Fördergeld von der SAB veruntreut haben.
Ein Waldheimer soll Fördergeld von der SAB veruntreut haben. © J. Loesel, loesel-photographie.d

Waldheim. Ein Waldheimer und ein Baugutachter aus Lommatzsch müssen sich vor Gericht verantworten, weil der eine Fördergeld bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) abgerechnet hat, das er möglicherweise gar nicht verbaut hat. Der andere hat die Abrechnung unterschrieben, ohne zu prüfen, ob die darin aufgeführten Arbeiten auch erfolgt sind (Sächsische.de berichtete).

Die Schäden, die mit dem Fördergeld beseitigt werden sollten, waren während der Flut im Jahr 2013 an zwei Wohnhäusern des elterlichen Hofes des Waldheimers entstanden. Der verstrickte sich in Bezug auf die Sanierungsarbeiten am ersten Verhandlungstag in Widersprüche. Deshalb verlangte Richterin Karin Fahlberg die Vorlage von Rechnungen und Belegen.

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Der Baugutachter hatte bereits in der ersten Verhandlung eingeräumt, nicht korrekt gehandelt zu haben, als er die Abrechnung unterschrieb. Er konnte die zweite Verhandlung kurz nach deren Beginn wieder verlassen.

 Er war mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden und erhielt eine Geldauflage in Höhe von 2.500 Euro zugunsten der Staatskasse. Den Betrag muss er bis zum 31. Dezember zahlen.

Boden wirklich neu gefliest?

Dem Waldheimer und seinen beiden Anwälten steht dagegen noch eine dritte Verhandlungsrunde bevor. Denn in der zweiten gibt es erneut Ungereimtheiten. Ein Bausachverständiger der SAB legt Fotos eines Bodens vor, die aus den Jahren 2003 und 2018 stammen. 

Auf beiden, so ist sich der Sachverständige sicher, seien dieselben Fliesen zu sehen. Dies erkenne er an der Art und dem Muster der Fliesen. Die seien wild durcheinander verlegt worden. Der Waldheimer behaupte zwar, dass die Fliesen nach 2013 erneuert wurden. Aber es sei unwahrscheinlich, dass es diese Art der Fliesen nach mehr als zehn Jahren noch zu kaufen gab und, dass sie dann auch noch genau wie zuvor verlegt wurden.

Allerdings hat der Waldheimer das abgerechnet. Die Rechnungen, die Richterin Fahlberg gern vor der Verhandlung eingesehen hätte, reichte ihr einer der Verteidiger aber erst Stück für Stück während dieser. Darunter befindet sich eine, nach der ein Helfer an 28 Tagen eines Januars zehn Stunden pro Tag gearbeitet haben müsste. Das sei nicht glaubhaft, so die Richterin.

Fotos nur schwer nachvollziehbar

Der Waldheimer legt auch Fotos von fertiggestellten Räumen vor, kann aber selbst nicht sagen, wann diese aufgenommen wurden. Die Bilder sind nicht beschriftet. Es seien repräsentative Beispiele für sanierte Räume, erklärt er.

Der Mann, der lange Zeit als selbstständiger Licht- und Tontechniker bei Konzerten tätig war, hatte zudem im Jahr 2014 eine Bauservicefirma gegründet. Über die hat er die Sanierung der elterlichen Häuser abgerechnet. Und er beteuert immer wieder, dass bis 2019 alle Arbeiten erfolgt sind. Die Abschlagsrechnungen an die SAB stammen aber aus den Jahren 2014 bis 2016. 

Deshalb macht die Staatsanwältin klar: „Durch die nachträgliche Wiedergutmachung des Schadens entfällt der Tatbestand des Betruges nicht.“ Nach dem Vorschlag seines Verteidigers soll der Angeklagte den gesamten Sachverhalt nun bis zum dritten Verhandlungstag noch einmal schriftlich darstellen. „Ich werde nur Dinge glauben, die für mich plausibel sind“, gibt ihm Richterin Karin Fahlberg mit auf den Weg.

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