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Döbeln

Schlechter Ruf führt auf Anklagebank

Ein Roßweiner findet ein anderes Schloss an seinem Keller vor. Zudem fehlen Werkzeuge. Er äußert einen Verdacht.

Der Angeklagte ist freigesprochen worden. Einen Beweis für den Diebstahl gibt es nicht.
Der Angeklagte ist freigesprochen worden. Einen Beweis für den Diebstahl gibt es nicht. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Roßwein. Der Zeuge empört sich noch heute über den Vorfall, der sich im Juni dieses Jahres ereignet hat.

Zusammen mit seiner Partnerin wollte er etwas aus seinem Keller holen. Doch als er vor der Tür steht, findet er ein völlig anderes Vorhängeschloss vor. Ein Zugang mit seinem Schlüssel ist nicht möglich.

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Der Roßweiner holt einen Trennschleifer aus seiner Wohnung, um das Schloss zu öffnen. Als er dann in seinen Keller schauen kann, traut er seinen Augen kaum. Ein Schleifbock wurde aus der Verankerung gerissen. Er fehlt ebenso wie eine Tischkreissäge, eine Kettensäge und andere Werkzeuge. „Es sah aus wie Sau“, sagt der Zeuge.

Mehrere Werkzeuge fehlen

Der Verdacht fällt auf einen jungen Mann, der ebenfalls im Haus wohnt und der deshalb auf der Anklagebank im Amtsgericht Döbeln sitzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen besonders schweren Fall des Diebstahls vor. Aus dem Kellerabteil eines Nachbarn soll er eine Kreissäge, einen elektrischen Schleifbock und andere Werkzeuge gestohlen haben. Danach soll er diesen Keller mit einem anderen Vorhängeschloss abgeriegelt haben.

Der Angeklagte bestreitet diesen Vorwurf. „Ich würde mir doch ein Eigentor schießen, wenn ich in der eigenen Nachbarschaft einbrechen würde“, sagt er.

Doch warum ist der Angeklagte überhaupt in Verdacht geraten? Eine Werkzeugkiste wird gefunden. Wo genau, darüber sind sich die Zeugen nicht einig. Die Tochter des Paares sagt, sie sei im Keller des Angeklagten gefunden worden. Später sagt ihre Mutter, die Kiste habe sich in einem Kinderwagen befunden, der der Freundin des Angeklagten gehört. Mutter und Tochter stellen den Angeklagten zur Rede und äußern ihren Verdacht. Der junge Mann sagt ihnen aber, dass er nichts mit der Sache zu tun hat.

Polizei sichert Spuren

Die Tochter ruft die Polizei. Die Beamten sichern Spuren und nehmen die Anzeige auf. „Der Angeklagte hat nicht den besten Ruf, deshalb haben wir den Verdacht geäußert, dass er es gewesen sein könnte“, sagt der Geschädigte. Bis auf die besagte Werkzeugkiste ist von den gestohlenen Gegenständen nichts zu finden. Insgesamt haben die Werkzeuge einen Wert von etwa 800 Euro gehabt. Von der Versicherung habe er 625 Euro erhalten, auch wenn die Zahlung erst nach einigem Hin und Her erfolgt sei.

Der Angeklagte kann sich den Vorfall nicht erklären. Er vermutet, dass ihm jemand etwas unterschieben wollte. Da er ohne Anwalt erschienen ist, hat er das Recht, den zeugen Fragen zu stellen. „Ihr habt doch gesagt, dass ihr euch nicht vorstellen könnt, dass ich es war“, hält er dem Geschädigten entgegen. „Ich kann mir das eigentlich auch heute nicht vorstellen“, entgegnet der.

Tatnachweis nicht erbracht

In der Akte der Polizei, die dem Gericht vorliegt, lassen sich keine Anhaltspunkte auf eine Täterschaft des Angeklagten finden. Die Staatsanwaltschaft kommt zu dem Schluss, dass der junge Mann freizusprechen ist. Die Kosten sind der Staatskasse aufzuerlegen. „Die Keller sind frei zugänglich. Im Keller des Angeklagten selbst wurde nichts gefunden. Bleibt die Kiste im Kinderwagen, doch die kann jeder dort abgestellt haben“, lautet die Begründung.

Richterin Ines Opitz schließt sich diesem Antrag an. „Ein Tatnachweis konnte nicht erbracht werden. Der Angeklagte ist deshalb freizusprechen“, sagt sie.

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