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Schmiedewerker gehen auf die Straße

Die Beschäftigten in Roßwein kämpfen weiter um ihren Betrieb. Eine Menschenkette soll am Samstag vom Markt bis zum Werk führen.

Die Mitarbeiter des Roßweiner Schmiedewerkes kämpfen weiter um den Erhalt ihres Betriebes. Am Sonnabend rufen sie zur Teilnahme an einer Menschenkette auf.
Die Mitarbeiter des Roßweiner Schmiedewerkes kämpfen weiter um den Erhalt ihres Betriebes. Am Sonnabend rufen sie zur Teilnahme an einer Menschenkette auf. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die 110 Mitarbeiter der Frauental Powertrain GmbH Roßwein - ehemals Schmiedewerk -  wollen den Kopf nicht in den Sand stecken. Die Schließung des Werkes zum Jahresende wollen sie mit aller Kraft verhindern.

Funktioniert das nicht, erwarten sie, dass das Bestmögliche für die Kollegen ausgehandelt wird. "Wir werden nicht zusehen, wie hier der Schlüssel umgedreht wird. Bis zum Schluss werden wir darum kämpfen, dass unser Traditionsbetrieb erhalten bleibt", so Betriebsratsvorsitzender Hans-Joachim Porst.  Unterstützung erhalten die Mitarbeiter von der IG Metall Riesa. 

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Die hat bereits am 29. September den Arbeitgeber zu Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag aufgefordert. Jetzt wird der Druck erhöht und die Öffentlichkeit mit eingebunden. "Dem Entsetzen über die Schließungspläne folgt nun die Empörung auf der Straße", sagte Willi Eisele, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Riesa.

Hoffnung auf Unterstützung für Roßweiner

Um ihrer Entschlossenheit Ausdruck zu verleihen, soll am Sonnabendmittag  eine  Menschenkette gebildet werden, die vom Roßweiner Markt bis zum Betrieb an der Goldbornstraße führt. "Dafür hoffen wir auf die Unterstützung vieler Roßweiner.  Vor den Werkstoren beginnt im Anschluss ein Meeting.

"Die Gewerkschaft steht uns  mit Rat und Tat zur Seite", sagte Hans-Joachim Porst. Nach wie vor haben die Beschäftigten viele Fragen, die es zu klären gibt. Die Mitarbeiter hatten Anfang September von den Schließungsplänen erfahren. Dazu wird am Montagnachmittag eine erneute Betriebsversammlung organisiert. 

"Von der Geschäftsführung und der Personalabteilung fühlen wir uns dagegen im Stich gelassen", so Porst. Auch in der Aussage des Geschäftsführers, er werde sich um jeden einzelnen Beschäftigten kümmern, sieht er nur leere Versprechungen. 

Plakate, Banner und Flyer

Nachdem sie bereits vor dem Werkstor ihre Kampfbereitschaft demonstrierten, machen die Mitarbeiter aus Roßwein nun auch nach außen auf ihre Situation aufmerksam. An den Toren an der Goldbornstraße hängen große Plakate. "Mit einem Banner an der Brücke und Flyern, die wir in den Roßweiner Geschäften verteilen, werden wir ebenfalls zur Teilnahme an der Demo am Sonnabend aufrufen", sagt Porst. 

Und Willi Eisele ergänzt: "Die Roßweiner Schmiede ist ein toporganisierter Standort mit einer kämpferischen Belegschaft und einer über 110-jährigen Geschichte in der Region." Die Schließung  sei durchaus nicht alternativlos. 

In der jüngsten Sitzung des Roßweiner Stadtrates hatte auch Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) seine Solidarität gegenüber den Schmiedewerkern zum Ausdruck gebracht.  "Die Mitarbeiter sind zurecht aufgebracht, zumal es oft die ostdeutschen Firmen sind, die von Schließungsplänen betroffen sind", sagte er.  

Für viele Familien sei die Situation dramatisch. "Wir wollen als Stadt gerne vermitteln und helfen, soweit wir können. Aber gegenwärtig müssen wir vom Schlimmsten ausgehen", sagte Lindner. Nach seinen Informationen liege der Verlust bei etwa 60 Prozent. Das  Roßweiner Werk stellt Pleuels für die Automobilindustrie her. 

Termin: Sonnabend, 10. Oktober, 12 Uhr, Demonstration der IG Metall Riesa "Unsere Schmiedewerke müssen weiterleben!", Treff auf dem Markt Roßwein. 

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