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Seltener Fall: Döbelner wird Priester

Vincent Piechaczek ist seit 47 Jahren der erste Neupriester seiner katholischen Heimatgemeinde Döbeln. Am Sonntag hält er seinen ersten Gottesdienst.

Bischof Heinrich Timmerevers hat Vincent Piechaczek (links) und Michael H. Kreher (rechts) in der Dresdner Kathedrale am Sonntag zu Priestern geweiht.
Bischof Heinrich Timmerevers hat Vincent Piechaczek (links) und Michael H. Kreher (rechts) in der Dresdner Kathedrale am Sonntag zu Priestern geweiht. © Bistum Dresden-Meißen/Elisabeth Meuser

Von Dagmar Doms-Berger

Döbeln. Glücklich und zufrieden, so beschreibt Vincent Piechaczek seinen gegenwärtigen Gemütszustand. Erst am Sonntag wurde er in der Dresdner Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen zum katholischen Priester geweiht.

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Die Weihe kann über den Youtube-Kanal des Bistums verfolgt werden. In wenigen Tagen, am kommenden Sonntag, wird der junge Priester seine Primiz feiern.

Letzter Priester aus Döbeln im Jahr 1974

Der Primizgottesdienst (aus dem lateinischen – primitiae – prima missa – erste hl. Messe), ist die erste von einem neugeweihten Priester gefeierte Heilige Messe und wird immer dort, wo er aufgewachsen ist und gewohnt hat, gefeiert. Auf diesen besonderen Moment hat der Döbelner seit acht Jahren hingearbeitet.

Für die katholische St.-Paulus-Gemeinde in Döbeln sei dieser Tag ebenso ein besonderer, sagt Pfarrer Andreas Jaster.

Der vorerst letzte Priester, der aus der Döbelner Gemeinde hervorging, sei Dieter Rothland im Jahr 1974 gewesen. Somit ist es für die Gemeinde ein Festtag, weil es ein seltener Höhepunkt im Leben einer Kirche ist. Alles dies begründet die außerordentliche Feierlichkeit, die sich mit diesem Gottesdienst verbindet.

Im Anschluss an den Gottesdienst würde normalerweise auch ein großes Fest der Begegnung stattfinden. Coronabedingt sei dies aber leider nicht möglich, so Pfarrer Jaster. Selbst zu den Primizgottesdiensten muss man sich angemeldet haben, um den Gegebenheiten gerecht zu werden.

Damit so viele wie möglich dabei sein können, wird Vincent Piechaczek zwei Gottesdienste halten, 10.30 und 14 Uhr. Musikalisch werden sie von Musikern aus Dresden gestaltet.

Erst Ausbildung zum Krankenpfleger, dann zum Priester

Seit seinem 14. Lebensjahr wusste Vincent, dass er Arzt werden will, ganz konkret Arzt in einem Rettungshubschrauber. Da er nicht sofort einen Medizin-Studienplatz erhielt, steuerte er Plan B an und begann eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger.

Noch heute ist es für ihn ein wunderschöner Beruf mit wertvollen Erfahrungen. „Wenn ich noch einmal entscheiden müsste, würde ich es genauso machen wollen, mit allen Erfahrungen. Ich möchte nichts missen.“

Noch während der Ausbildung beschäftigte ihn immer mal wieder die Frage: „Warum eigentlich nicht Priester werden?“ Zunächst aber wollte er seinen erlernten Beruf ausüben und fing im Leisniger Helios Klinikum an.

Parallel dazu absolvierte er ein pflegewissenschaftliches Studium. Nach dem Studium rumorte die Frage nach dem Priestertum erneut in seinem Kopf. Doch die Arbeit als Pfleger erfüllte ihn. 2011 wurde er Stationsleiter in einer Klinik in Baden-Württemberg. Diese Funktion machte den jungen Döbelner nicht glücklich.

Mutter Cordula: "Ich war anfangs nicht begeistert"

Er wechselte als Krankenpfleger auf eine Wachstation in Suhl. Dort erlebte er genau das, was er sich als Pfleger erhofft hatte. Das Team stimmte, die Arbeit gab ihm genau das, was er gesucht hatte.

Aus dieser positiven Erfahrung heraus fühlte er sich nach Ablauf der selbst gesetzten Jahresfrist sicher, den großen Schritt zu wagen und das Priesteramt anzusteuern. Alle Zweifel waren weg.

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Die innere Freude hält bis heute an. 2013 begann er mit einem einjährigen theologischen Vorkurs in Bamberg. Dann folgte das Studium in Erfurt, Würzburg und Frankfurt am Main.

Während des Pastoralkurses und als Diakon war er in der Pfarrei St. Elisabeth Dresden tätig. Seiner Heimatgemeinde blieb er immer verbunden und pflegte guten Kontakt zu seiner Familie und seinen Heimatpfarrern.

Seine Mutter Cordula Piechaczek erinnert sich noch gut, als ihr Vincent von seinem Vorhaben erzählte. „Ich war anfangs nicht begeistert“, sagt sie. Heute sei sie stolz auf ihren Sohn. „Ich sehe, wie glücklich und innerlich ausgeglichen er heute ist. Das macht wiederum mich glücklich.“

Warum ist Vincent Piechaczek Priester geworden?

Warum aber will ein junger Mann überhaupt Priester werden? Zum einen genießen die beiden großen Kirchen heute nicht mehr den Respekt wie noch vor Jahrzehnten. Die Zahl der Christen, die die sonntäglichen Gottesdienste besuchen, ist drastisch gesunken. Und die Anforderungen an den Priesterberuf sind umstritten, selbst in den eigenen Reihen.

Wer in der katholischen Kirche Priester wird, verspricht ein Leben im Zölibat – also in der Ehelosigkeit. Keine Beziehungen, keine Frau, keine Kinder. Der 34-jährige Döbelner hat dafür eine klare Antwort: „Ich will den Menschen die Freude der frohen Botschaft verkünden.“ Er wolle da sein für andere und Seelsorger sein.

Die letzten Tage vor der Weihe verbrachte der junge Döbelner in zurückgezogener Stille. „Unter Anleitung eines erfahrenen Geistlichen verbringen wir diese Tage mit vielen Gebeten“, sagt Vincent Piechaczek.

Er fühle sich gestärkt, gut erholt und damit gut vorbereitet auf sein neues Leben. Aufgeregtheit verspüre er nicht, vielmehr eine freudige Anspannung auf alles, was jetzt komme.

Wo genau er sein Priesteramt ausführen wird, wisse er nicht. Der Wirkungsbereich des Bistums Dresden-Meißen erstreckt sich über Sachsen (ohne die Regionen Torgau und Görlitz) und Ost-Thüringen (Region Gera).

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