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Waldheimer macht Dampf mit Leidenschaft

Schon als Schüler ist Andreas Röder zu den Roßweiner Dampfmaschinenfreunden gestoßen. Die brauchen mehr junge Enthusiasten und Technikfreaks wie ihn.

Andreas Röder heizt zu gern den Kessel der beiden Roßweiner Dampfmaschinen ein. Ohne weitere Mitstreiter wird es dem Verein in Zukunft schwerfallen, das Denkmal im Roßweiner Haus der Tuchmacherinnung zu erhalten. .
Andreas Röder heizt zu gern den Kessel der beiden Roßweiner Dampfmaschinen ein. Ohne weitere Mitstreiter wird es dem Verein in Zukunft schwerfallen, das Denkmal im Roßweiner Haus der Tuchmacherinnung zu erhalten. . © Archiv: Lutz Weidler

Roßwein. Die Begeisterung für Technik und eine anspruchsvolle Aufgabe – beides hat Enthusiasten 2006 zusammengeführt, um an einer Sache zu arbeiten: der Rekonstruktion der letzten Roßweiner Dampfmaschine. Die übernahmen die Männer nach dem verheerenden Hochwasser 2002 in technisch desaströsem Zustand.

Die Aufgabe heute ist eine andere, aber nicht weniger anspruchsvoll: Nachwuchs zu gewinnen, der die Arbeit fortsetzt und die restaurierte Technik am Leben und Laufen erhält. Ein wenig wehmütig schaut Enrico Korth auf ein Gruppenfoto. Das zeigt die Vereinsmitglieder nach getaner Arbeit um eine von inzwischen zwei restaurierten Maschinen.

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Der Vorsitzende des Dampfmaschinenvereins geht die Reihen der Aktiven durch. Der eine oder andere sei verstorben oder weggezogen, mancher aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, sich am Vereinsleben und/oder Präsentationen zu beteiligen.

Junge Mitstreiter sind bislang noch die Ausnahme

„Ich schätzte, das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt aktuell bei um die 65“, sagt Enrico Korth. Mit seinen 20 Jahren ist Andreas Röder da eine rühmliche Ausnahme. „Seit 2015“, so überlegt er kurz, „bin ich hier schon dabei“, erzählt der Waldheimer.

Wie er zu den Roßweiner Dampfmaschinenfreunden gekommen ist, beantwortet er netterweise nicht mit den Worten „mit dem Moped“. Damit ist er nach wie vor zwischen seinem Heimatort und dem Vereinsdomizil in Roßwein unterwegs. Als Technikfan habe er sich einfach dafür interessiert, was es in der Umgebung so gibt und sei dabei auf die Roßweiner Dampfmaschinenfreunde gestoßen.

Aufgaben nicht nur für Technikfreaks

Mit ihnen macht er nun sozusagen seit sechs Jahren Dampf – Dampf, das ist im wahrsten Wortsinn Röders Leidenschaft. Er heizt den Dampfkessel an. Würde der nicht tagelang mit Kohle und Holz „gefüttert“, dann würde sich nichts an den Dampfmaschinen bewegen.

Und auch sonst hat der 20-Jährige viel für Dampf übrig: Dampflokomotiven, Lokomobile, Dampfheizungen. Auch von einer derartigen Heizung gibt es im Domizil der Dampfmaschinenfreunde noch ein Exemplar.

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Doch was hätten Leute zu tun, die zu den bisher etwa 20 Vereinsakteuren stoßen? Immerhin ist der anfänglich unglaubliche Arbeitsberg bewältigt und Roßweins letzte Dampfmaschine – eine Hanomag Baujahr 1911 – läuft wieder. Sogar eine zweite Maschine, eine Lengenfelder, steht in angemieteten Räumen der ehemaligen Tuchmacherinnung an der Stadtbadstraße.

Auch sie ist funktionstüchtig und wird Neugierigen bei Anlässen wie dem Tag des offenen Denkmals oder dem Kesselhausfest vorgeführt. „An solchen Tagen und in Vorbereitung von Festen gibt es immer genug zu tun“, versichern Enrico Korth und Andreas Röder. Auch sonst müsse niemand Däumchen drehen, der helfen will.

Andreas Röder (links) und Enrico Korth an der restaurierten Hanomag-Dampfmaschine des Roßweiner Vereins.
Andreas Röder (links) und Enrico Korth an der restaurierten Hanomag-Dampfmaschine des Roßweiner Vereins. © Lars Halbauer
So groß wie die Technik ist auch das Werkzeug, das für Reparaturen und Unterhaltung genötigt wird.
So groß wie die Technik ist auch das Werkzeug, das für Reparaturen und Unterhaltung genötigt wird. © Lars Halbauer
Auch im Freigelände des Museums an der Stadtbadstraße gibt es noch einiges zu entdecken.
Auch im Freigelände des Museums an der Stadtbadstraße gibt es noch einiges zu entdecken. © Lars Halbauer
Auf einer Tafel wird Schülern, Studierenden und Besuchern, die den Filmklassiker "Die Feuerzangenbowle nicht gesehen haben, die Funktionsweise der "Dampfmaschin'" erklärt.
Auf einer Tafel wird Schülern, Studierenden und Besuchern, die den Filmklassiker "Die Feuerzangenbowle nicht gesehen haben, die Funktionsweise der "Dampfmaschin'" erklärt. © Lars Halbauer
Auch dieser Wandheizer funktioniert mit Dampf.
Auch dieser Wandheizer funktioniert mit Dampf. © Lars Halbauer
Mithilfe dieser Technik kann Maschinenöl gereinigt und ein Teil davon wieder eingesetzt werden.
Mithilfe dieser Technik kann Maschinenöl gereinigt und ein Teil davon wieder eingesetzt werden. © Lars Halbauer
Viele Museumsbesucher staunen, wie gut die jahrzehntealte Technik in Schuss ist.
Viele Museumsbesucher staunen, wie gut die jahrzehntealte Technik in Schuss ist. © Lars Halbauer

Die Maschinenpflege und Unterhaltung sei ein wichtiges Thema. Neben der großen Technik gibt es noch allerhand andere Maschinen, teilweise mit Transmissionsantrieb, die aus alten Betrieben gerettet werden konnten und teils noch betrieben werden. Überdies befinden sich in der unteren und oberen Etage Ausstellungen. Bei einigen sollen die Exponate immer mal wieder wechseln. Als Nächstes soll die Elektrotechnik im Wandel der Zeit gezeigt werden.

Über den Bürgerhaushalt hat der Vereinschef Geld für neue Vitrinen beantragt. Wenn die geliefert sind, gilt es, diese Präsentationsmöglichkeiten zu bestücken. „Und wir haben auch noch eine Menge Material und Exponate, die erst einmal gesichtet und erfasst werden müssen“, zählt Korth einige Arbeiten auf, die anstehen.

Wo Heizen noch schweißtreibend ist

Technisch versiert zu sein, ist demnach keine Voraussetzung, um im Dampfmaschinenverein mithelfen zu können. „Bei uns findet sicher jeder etwas, was ihm liegt“, ist Andreas Röder sicher.

Der 20-Jährige und sein Heizerteam wünschen sich übrigens auch Nachwuchs am Kessel, der Kohlen schaufelt. Denn gerade vor Schau- und Öffnungstagen wird es manchmal knapp mit dem Personal. Bei Röder kommt hinzu, dass er noch in einem weiteren Verein ehrenamtlich tätig ist. Auch dort ist zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals jede helfende Hand gefragt.

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

Wer sich einbringen und dazu beitragen will, ein einzigartiges Stück Roßweiner Industriegeschichte zu bewahren, kann sich zu einem nächsten Arbeitstreffen bei den Dampfmaschinenfreunden einfinden. Der Kontakt kann über die Internetseite aufgenommen werden. In Roßwein hat die Hanomag-Tandem-Verbunddampfmaschine bei der Tuchmacherinnung übrigens bis zu 66 Textilmaschinen angetrieben. Sie war extra dafür ausgerichtet und projektiert gewesen.

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