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Leisnig: Sonnenkollektoren, wo einst die Panzer fuhren

Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz soll Sonnenenergie gewonnen werden. Mit der Ausbeute könnten 20 Prozent der Leisniger mit Strom versorgt werden.

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Im oberbayrischen Kipfenberg hat der Solarparkentwickler und -betreiber Anumar den größten Solarpark im Landkreis Eichstätt im Altmühltal errichtet. Eine ähnliche Anlage soll zwischen Tautendorf und Meinitz entstehen.
Im oberbayrischen Kipfenberg hat der Solarparkentwickler und -betreiber Anumar den größten Solarpark im Landkreis Eichstätt im Altmühltal errichtet. Eine ähnliche Anlage soll zwischen Tautendorf und Meinitz entstehen. © Anumar

Leisnig. Leisnig zeigt sich umweltbewusst. Zumindest gibt es ein Klimaschutzkonzept. Erste Aufgaben, die sich daraus ergeben, hat die Verwaltung etwa mit dem Erneuern der Heizungs- und Lüftungsanlage in der Karl-Zimmermann-Sporthalle 2020 schon umgesetzt. Dem folgte im Laufe dieses Jahres das Bekenntnis zu Windenergie. Nun geht es um Sonnenenergie.

Wie die in Leisnig genutzt werden kann, stellte Alexander Fuß den im Technischen Ausschuss mitarbeitenden Stadträten vor. Fuß ist Prokurist und Projektmanager bei der Firma Anumar.

Die gibt es seit 2010. Nachdem sie sich zunächst mit kleineren Dachanlagen beschäftigt habe, realisiere sie mittlerweile mit mehr als 30 Mitarbeitern größere Projekte überwiegend in Deutschland, 2021 das erste aber auch in Chile. Aktuell ist ein Anumar-Solarpark in Löbau im Bau. Ein nächster könnte bei Leisnig realisiert werden.

Wo soll der Solarpark entstehen?

Ausgesucht hat sich das Unternehmen eine elf Hektar große Fläche. Die befindet sich unweit des Moschwitzwaldes zwischen den Ortsteilen Tautendorf und Meinitz. Alexander Fuß zufolge handelt es sich um einen ehemaligen Truppenübungsplatz, von größeren Straßen aus kaum einsehbar.

Im Moment werde ein Teil davon landwirtschaftlich genutzt, ein anderer ist Grünland. Die Module würden später auf knapp neun Hektar installiert, wobei sie nur etwa die Hälfte der Fläche überdecken.

Wie in anderen Parks könne sich Anumar auch hier vorstellen, die Wiesen unter den Sonnenkollektoren beweiden zu lassen, in der Regel von Schafherden. „Allerdings fällt es uns immer schwerer, Schäfer dafür zu gewinnen“, räumte er ein.

Wie wird die Energieausbeute sein?

Die Leistung des bei Leisnig geplanten Parks gab der Projektmanager mit 10.000 Kilowatt-Peak (kWp) an. Damit könnten 20 Prozent des Stromverbrauches der Stadt Leisnig gedeckt werden. Mit einem kWp lassen sich rund 1.000 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom pro Jahr erzeugen.

Saust eine kWh durch den Stromzähler daheim, können damit eine Maschine Wäsche gewaschen oder ein Kuchen gebacken werden. Aber das reicht auch aus, um sieben Stunden fern zu sehen oder einen Raum 50 Stunden lang mit einer Energiesparlampe zu beleuchten, klärt Wegatech, ein Komplettanbieter für Energielösungen, im Internet auf.

Kann Strom "verlorengehen"?

Ja, wenn viele Anlagen zur alternativen Stromgewinnung in Betrieb sind, „kann es vorkommen, dass der Netzbetreiber die Abnahme drosselt oder abschaltet“, antwortete Alexander Fuß auf Anfrage von Patricia Geyer.

Erfahrungsgemäß passiere das aber höchstens zehn Mal im Jahr für vielleicht eine halbe Stunde. „Ansonsten wird der gewonnene Strom ins Netz eingespeist.“

Für den geplanten Park bei Leisnig hat Anumar schon einen Einspeispunkt beantragt und auch zugewiesen bekommen: in Seifersdorf. „Optimal“, findet Fuß und begründet das mit kurzen Wegen.

Was kostet der Park die Investoren?

Das Investitionsvolumen für den geplanten Park in Leisnig gibt Alexander Fuß mit 5,5 Millionen Euro an.

Sind Bürgerbeteiligungen möglich?

Ja, das stellte der Prokurist in Aussicht. Sollten Leisniger an solch einer Geldanlage Interesse zeigen, könnten Bürger Anteile zeichnen. Die Frage nach der Rendite – bislang zwischen drei und vier Prozent – beantworte Fuß im Moment ungern.

Die Preisentwicklung sei enorm und kaum kalkulierbar. Ein Beispiel: Die Lieferung eines Überseecontainers aus Asien habe bisher 2.500 Euro gekostet, gegenwärtig seien es 10.000 Euro.

Setzt Anumar auch deutsche Module ein?

Im Moment nicht. „Deutsche Produkte sind wesentlich teurer als die asiatischen“, sagte Fuß auf Anfrage von Bürgermeister Tobias Goth (CDU). Der Projektmanager könne sich das erst vorstellen, wenn Produktionskapazitäten in Deutschland derart erweitert würden, dass die Preise spürbar sinken. „Zurzeit ist Fotovoltaik aus Deutschland einfach nicht wirtschaftlich.“

Was hat Leisnig von der Ansiedlung?

90 Prozent der Gewerbesteuer soll dort bleiben, wo der Strom erzeugt wird. Das sei die Philosophie von Anumar, sagte Alexander Fuß. Für jeden einzelnen Park haben sich bislang Betreiberfirmen mit Sitz vor Ort gegründet.

Bei der Leistung, die der Leisniger Park haben soll, könnten sich die zu erwartenden Gewerbesteuern über die geplante Laufzeit von 30 Jahren auf eine Million Euro summieren. Anfangs sei durch Zins und Tilgung allerdings nur mit kleineren Beträgen zu rechnen.

© SZ Grafik

Möglicherweise sind es zu Beginn „nur“ 20.000 Euro, die nach der Ansiedlung jedes Jahr in die Stadtkasse Leisnig fließen. Neuerdings gibt es die Möglichkeit, dass Anlagenbetreiber 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom an die Gemeinde abführen. Das wären in diesem Fall 20.000 Euro.

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Ähnliches stellen auch die Projektentwickler von Windkraftanlagen in Aussicht (wir berichteten). Die Vergütung pro eingespeister Kilowattstunde Solarstrom beträgt im Moment übrigens fünf bis 5,5 Cent.

Weiterhin kündigte Anumar an, auf dem öffentlichen Parkplatz gegenüber dem Stadtbad zwei bis drei Ladesäulen für Elektroautos errichten und diese der Kommune dann kostenfrei zur Verfügung stellen zu wollen. Derzeit gibt es bereits zwei Ladestationen für E-Autos am Marktplatz.

Wie ist der Rückbau gesichert?

Über den sollte frühestens 30 Jahre nach Inbetriebnahme des Parks nachgedacht werden. Auf diesen Zeitraum sind auch die Pachtverträge ausgelegt, die Anumar mit den Landeigentümern abschließen will. „Ein Rückbau der Anlagen wird über eine zweckgebundene Bankbürgschaft abgesichert sein“, so Fuß.

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Für ihn sei allerdings ein Repowering wahrscheinlicher. Er gehe davon aus, dass die Module eher durch leistungsfähigere ersetzt, statt komplett zurückgebaut werden. Dann müssten auch Verträge verlängert werden.

Wie geht es mit den Plänen weiter?