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Sozialverein geht langsam die Luft aus

Die Einschränkungen belasten den Verein Netzwerk Mittweida. Die Sozialkaufhäuser sind dicht und auch die Lebensmittel für die Tafeln sind knapp geworden.

Katja Steglich arbeitet bei der Tafel Döbeln. Das Sozialprojekt, das bedürftige Familien mit günstigen Lebensmitteln versorgt, ist von Spenden der Lebensmittelketten abhängig. Aber dort fällt nicht mehr so viel an, seit das Angebot sogenannter Nonfoo
Katja Steglich arbeitet bei der Tafel Döbeln. Das Sozialprojekt, das bedürftige Familien mit günstigen Lebensmitteln versorgt, ist von Spenden der Lebensmittelketten abhängig. Aber dort fällt nicht mehr so viel an, seit das Angebot sogenannter Nonfoo © Dietmar Thomas

Döbeln. Der Verein Netzwerk Mittweida hat auf seiner Homepage einen dringenden Appell an die Politik eingestellt. „Wir fordern eine sofortige, klare und logische Öffnungsperspektive, die sich nicht allein an Inzidenzwerten orientiert!“, steht da. „Unseren Filialen MÖBELWERT, die in erster Linie für Menschen mit geringerem Einkommen Gebrauchtwarenangebote generieren, aber auch ein nachhaltiges Wirtschaften im Blick haben, geht so langsam die Luft aus!“

In Döbeln betreibt der Verein das Möbelkaufhaus an der Eichbergstraße und die Tafel Döbeln. Weitere Sozialkaufhäuser hat der Verein in Freiberg, Mittweida. Chemnitz und Penig. Dort geht mit „Click & Collect“ derzeit nicht sehr viel. „Wir haben keine Homepage, wo sich die Leute etwas aussuchen können“, sagte Geschäftsführerin Anne Katrin Koch.

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Sinnhaftigkeit fehlt

„Vielleicht ist ab nächster Woche Click & Collect möglich. Aber auch damit tun sich die Leute schwer, wenn sie sich jedes mal testen lassen müssen. Bei Kaufland und den anderen Lebensmittelketten tummeln sich dagegen die Leute, das ist nicht mehr verständlich und das kann man auch keinem mehr vermitteln. Die Sinnhaftigkeit fehlt. Wir haben ein Hygienekonzept und durch die Tafeln auch Spezialisten auf diesem Gebiet.“

Die Geschäftsführerin sieht das Dilemma auch von der menschlichen Seite. Ein Teil der Mitarbeiter ist seit Mitte Dezember in Kurzarbeit. „Was macht das mit den Menschen? Den Mitarbeitern fehlt ja nicht nur das Geld, für sie bedeutet das auch Isolation, besonders für die Alleinstehenden.“

Lebensmittel werden knapper

Auch auf die Arbeit der Tafeln haben die Corona-Regelungen Auswirkungen. Die Menge der Ware, die die Tafel von den Lebensmittelketten bekommt, ist spürbar zurückgegangen. Das liegt daran, dass die Ketten den Verkauf der sogenannten Non-Food-Artikel zu Ungunsten von Lebensmitteln ausgeweitet hat, weil die Fachgeschäfte geschlossen sind.

„Unsere Trockenlager mit Reis, Nudeln und Konserven sind leer. Diese Reserven haben wir immer zum Auffüllen genommen, wenn mal etwas knapp war“, sagte die Geschäftsführerin. Häufiger als sonst muss der Verein ins Zentrallager der Tafeln nach Dresden fahren, um sich dort mit fehlenden Lebensmitteln einzudecken. Außerdem habe man Kontakt zu weiteren Unternehmen aufgenommen, um Lebensmittel zu erhalten.

Manches wird zugeteilt

Auf die Arbeit der Tafel hat der Mangel Auswirkungen. „Wir fahren auf Sparflamme und schauen genauer hin, was in den Kisten ist“, sagte Maxi Lippmann, die Leiterin der Tafeln. Manche Lebensmittel wie Nudeln würden pro Person zugeteilt. „Wir kommen aber hin und müssen niemanden nach Hause schicken.“

Lippmann hofft, dass sich die Situation wieder entspannt, wenn die Geschäfte öffnen dürfen und die Märkte weniger Non-Food-Artikel im Sortiment haben. „Bei Obst und Gemüse ist es schon besser geworden“.

Finanzielle Unterstützung vom Bund

Die Döbelner Tafel versorgt einschließlich ihrer Außenstellen etwa 400 Personen mit geringem Einkommen im Altlandkreis.

Die Einnahmeverluste muss Netzwerk Mittweida irgendwie verkraften. Auch bei verringerten Einnahmen laufen die Kosten für Miete, Leasing und Versicherungen weiter. „Auch die Verwaltung muss weiterarbeiten“, sagte Anne Katrin Koch.

Finanzielle Unterstützung habe es vom Corona-Teilhabe-Fonds des Bundes gegeben. „Das Geld haben wir auch schnell bekommen.“

Wenig Arbeit in den Werkstätten

Auch die Mitarbeiter in den Werkstätten von Netzwerk Mittweida seien zum Teil in Kurzarbeit. „In der Textilkonfektion fehlen uns Aufträge. Die Flaute bei den Autozulieferern kommt bei uns an. Viele unserer Kunden sind im Direktvertrieb auf Märkten und Messen. Da hat vieles nicht stattgefunden.“

Die Geschäftsführerin hofft, dass sich die Situation entspannt. „Wir tun mal so, als ob ab 1. Juni wieder alles normal läuft“, sagte sie.

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