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Sparschweindieb muss hinter Gitter

Einem Mann wird Diebstahl in drei Fällen vorgeworfen. Einen gibt er zu, die anderen beiden bestreitet er.

Den Diebstahl einer Spardose in einem Döbelner Friseursalon hat der Angeklagte zugegeben.
Den Diebstahl einer Spardose in einem Döbelner Friseursalon hat der Angeklagte zugegeben. © Dietmar Thomas

Döbeln. Ende Januar ließ ein Mann in einem Döbelner Friseursalon ein Sparschwein mitgehen. Die Besitzerin hat Strafanzeige gestellt. Nachdem die Verhandlung schon zweimal geplatzt war, weil der Angeklagte nicht erscheinen konnte, wird sein Fall nun vor dem Amtsgericht Döbeln verhandelt.

Der Diebstahl der Spardose in Form einer Eule ist nicht das einzige Delikt, das dem 60-jährigen Döbelner vorgeworfen wird. Er ist wegen zweier weiterer Diebstähle angeklagt. Am 14. Februar dieses Jahres soll er in einem Hörgeräteakustik-Geschäft eine Geldkassette gestohlen haben. Und schließlich wird ihm vorgeworfen, am 30. Mai die Geldbörse eines Ladenbesitzers eingesteckt zu haben.

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Der Angeklagte gibt zu, dass er an den bewussten Tagen bei dem Friseur und in den beiden anderen Geschäften gewesen ist. Den Diebstahl der Spardose, in der sich kein Geld gefunden hatte, gesteht er ebenfalls. Jedoch führt er an, dass es ihm nicht um Geld ging. „Die Sparbüchse hat mir gefallen“, sagt er. Auf die Frage von Richterin Nancy Weiß, ob die Dose noch in seinem Besitz sei, antwortet er mit „Ja“.

Die Taten in den beiden anderen Geschäften weist er aber von sich. „Ich war immer im Blickfeld der Besitzer. Ich habe dort nichts gestohlen“, sagt er.

Als erste Zeugin wird eine Friseurin aus dem Döbelner Salon aufgerufen. Der Angeklagte habe vorgegeben, einen Termin für seine Partnerin haben zu wollen. Er habe gefragt, ob er die Toilette benutzen dürfe. Als er von dort wiederkam, behauptete er, dass das Waschbecken auslaufe. Sie habe das Wasser aufgewischt. Nach etwa einer Viertelstunde habe sie bemerkt, dass die Spardose fehlt. Ihre Chefin habe die Polizei verständigt und Anzeige erstattet.

Die Hörgeräteakustikerin sagt aus, dass der Angeklagte einen Hörtest machen wollte. Sie habe ihm einen Termin eine halbe Stunde später angeboten, weil noch eine Kundin zur Beratung da war. Der Angeklagte sei eine Viertelstunde danach wieder erschienen und habe vorgegeben, warten zu wollen.

Als kurz darauf die Türklingel erneut ertönte, sei sie nach vorn gelaufen und habe den Angeklagten aus dem Laden verschwinden sehen. „Ich habe bemerkt, dass die Kassette mit dem Wechselgeld weg war und habe die Polizei gerufen“, sagt die Inhaberin.

Auf Nachfrage der Richterin sagt sie, dass die Kassette hinter dem Tresen im Laden gestanden hat und dass etwa 150 Euro drin waren. Beim Gespräch mit dem Angeklagten sei sie noch da gewesen. Außer ihm und der Kundin, die aber nicht in die Nähe der Kassette gekommen war, sei niemand Fremdes im Laden gewesen.

Der Besitzer eines Outlet-Geschäftes gibt an, dass der Angeklagte an jenem Sonnabend kurz vor der Schließung seinen Laden betreten hat. Der Mann sei gleich bis dorthin gekommen und habe ihn so begrüßt, als würden sie sich kennen. „Dabei muss er mein Portemonnaie gesehen haben, das ich in einem Korb liegen hatte“, so der Zeuge. Er habe den Mann in den Geschäftsraum geführt.

In dem Moment sei ein Paketbote gekommen, um einige Sendungen abzuholen. „Ich habe dem Angeklagten höchstens eine halbe Minute den Rücken zugedreht. Als der Paketbote ging, ist auch er gegangen“, so der Besitzer. Gleich darauf habe er festgestellt, dass seine Geldbörse fehlt. Darin befanden sich nach seinen Angaben zwischen 300 und 500 Euro Bargeld sowie Ausweis, Fahrerlaubnis, weitere Karten und Papiere. Dies alles habe er neu beantragen müssen.

Der Angeklagte behauptet, dass er vor vier Jahren ein Luftgewehr und eine Armbrust in dem Laden gekauft hat. Später habe er jedoch keine Verwendung mehr dafür gehabt und sie wieder zurückgebracht. Der Ladenbesitzer habe versprochen, die Teile weiterzuverkaufen. Bis heute habe er aber kein Geld erhalten.

Der Zeuge kann sich jedoch an ein solches Geschäft nicht erinnern. Als er von der Richterin verabschiedet wird, lässt er sich zu einer unschönen Äußerung hinreißen. „Auf Wiedersehen. Man sieht sich, das schwöre ich dir“, sagt er in Richtung des Angeklagten.

Richterin Nancy Weiß berichtet, dass der Angeklagte in diesem Jahr einen Strafbefehl erhalten hat. Am 14. Februar, dem Tag als er im Hörgeräteakustik-Geschäft war, ist er wegen versuchter Erpressung zu 60 Tagessätzen a 30 Euro verurteilt worden.

Außerdem ist er in der Vergangenheit wegen mehrfachen Diebstahls und Computerbetrugs verurteilt worden, unter anderem am 4. April 2018 zu fünf Monaten auf Bewährung. Weil er die Auflagen nicht erfüllt hatte, musste er die Haft antreten. Jedoch wurden 51 Tage Rest wiederum auf Bewährung ausgesetzt. Der Tag der vorfristigen Entlassung war der 2. Dezember 2019.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft fordert insgesamt acht Monate und zwei Wochen Haft. Die Taten, die bis zum 14. Februar passiert sind sowie der Strafbefehl von diesem Tag, werden zu einer Gesamtstrafe von viereinhalb Monaten zusammengefasst.

Für die Tat vom 30. Mai setzt er weitere vier Monate an. „Eine Bewährungsstrafe kommt nicht in Betracht, da ihre Kriminalprognose dies nicht zulässt“, sagt der Staatsanwalt. Zudem soll der Angeklagte 405 Euro zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Richterin bestätigt das Urteil. „Sie haben die Taten unter laufender Bewährung begangen. Eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe kommt deshalb nicht in Betracht“, so Nancy Weiß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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