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Sternstunden sind selten geworden

Vor 25 Jahren haben Hobbyastronomen die Sternwarte übernommen. Der damals gegründet Verein bewahrt Einzigartiges – derzeit unter erschwerten Bedingungen.

Die Sternwarte in Hartha ist für die Kleinstadt durchaus etwas Besonderes. Vor 65 Jahren hat der Bau der ersten Beobachtungsstationen begonnen. Seit 1996 halten die Mitglieder des Sternwartevereins den Betrieb am Laufen.
Die Sternwarte in Hartha ist für die Kleinstadt durchaus etwas Besonderes. Vor 65 Jahren hat der Bau der ersten Beobachtungsstationen begonnen. Seit 1996 halten die Mitglieder des Sternwartevereins den Betrieb am Laufen. © Dietmar Thomas

Hartha. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis Besucher wieder Schulter an Schulter auf dem Gelände der Sternwarte stehen und gebannt nach oben blicken. Das hat nicht nur etwas mit den derzeitigen Corona-Einschränkungen zu tun, sondern vielmehr damit, dass am Himmel wenig los ist – zumindest für Laien.

Hans-Dieter Köhler kann sich noch gut an das Frühjahr 1996 und den 11. August 1999 erinnern. Weder er selbst noch jemand aus seiner Familie hatte da Geburtstag oder ein anderes Jubiläum. Ein Fest war es für ihn und viele Hobbyastronomen aber dennoch.

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Sowohl den Kometen Hyakutake als auch die totale Sonnenfinsternis im Sommer 1999 waren Publikumsmagneten. Mit jeweils rund 200 Besuchern, die das Spektakel an der Seite von Experten erleben wollten, waren diese beiden Tage durchaus besondere Termine in der Vereinsgeschichte.

Frische Farbe an "alte" Wände

Im Dezember ist es 25 Jahre her, dass sich aus einer losen Interessengemeinschaft von Hobbyastronomen der gemeinnützige Verein Sternwarte Hartha gegründet hat. Hans-Dieter Köhler ist damals noch nicht dabei gewesen, aber wenig später zum Verein gestoßen. Zunächst hat er als sogenannte ABM-Kraft überall dort angepackt, wo seine Hilfe nötig war. Nach und nach übernahm er die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein, der heute etwa 20 aktive Mitglieder hat.

Intention der damals neun Gründungsmitglieder war, den Betrieb der Sternwarte fortzuführen. Dafür kann ein Verein mitunter eher Fördergeld nutzen als eine Kommune. Deshalb suchte die Stadt einen Betreiber. Eigentümer von Grundstück und Immobilien ist Hartha immer noch. Gemeinsam werde versucht, das Ensemble zu erhalten.

So ist die ab 1956 gebaute Sternwarte in den zurückliegenden Jahren mit neuen Fenstern und neuer Heizung ausgestattet, die alte Elektroanlage modernisiert worden. Oftmals haben die Vereinsmitglieder dazu Eigenleistungen erbracht. Kleinere Dinge in Sachen Instandhaltung und Werterhaltung gebe es immer zu erledigen, sagt Köhler. So hat er erst kürzlich die Wände im Fotoarchiv „Veränderliche Sterne“ gestrichen.

Auch das Forschen bleibt vorerst auf der Strecke

Diese Sterne verändern, wie der Name schon sagt, in regel- oder unregelmäßigen Abständen ihre Helligkeit. Wie, das haben Forscher mit einer besonderen Art der Himmelsfotografie dokumentiert. 13 mal 13 Zentimeter große Glasplatten sind Träger dieser Aufnahmen. Belichtungszeiten von 30 bis 60 Minuten waren erforderlich.

„Die Sternwarte Hartha besitzt 3.400 solcher Platten mit Aufnahmen von veränderlichen Sternen. Wir gehen davon aus, dass das die umfangreichste Art einer solchen Sammlung von Hobbyastronomen ist“, sagt Hans-Dieter Köhler.

Kein Wunder, dass die Vereinsmitglieder – inzwischen haben einige wieder eine Interessengruppe Veränderliche Sterne gegründet – mit der Digitalisierung dieser und anderer Unterlagen jede Menge zu tun haben.

Zwangspause auf vielerlei Art sinnvoll genutzt

Einen Austausch mit anderen von genau diesen Sternen Begeisterten gibt es schon seit Jahrzehnten in Hartha. Hier war regelmäßig die Bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft für veränderliche Sterne zu Gast. „Ein nächstes Treffen soll es wieder geben, wenn die Corona-Lage dies zulässt“, so Köhler.

Von dieser „Lage“ ist auch einiges andere abhängig. Selbstredend würde der Verein das 25-jährige Bestehen gern feiern. „Wenn möglich mit einem Tag der offenen Tür“, stellt der Vereinssprecher in Aussicht, ohne einen konkreten Termin dafür nennen zu können.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Die pandemiebedingten Einschränkungen haben dem Verein schon die jetzt zu Ende gehende Besuchersaison 2020/2021 „verhagelt“. Die Saison in der Sternwarte geht vom Herbst bis ins zeitige Frühjahr. Dann wird es zu spät dunkel, schließt der Verein nur noch aus besonderen Anlässen die Kuppeln für Beobachtungen für Besucher auf.

„Bis Oktober 2020 konnten wir mit einem Hygienekonzept noch eingeschränkt Veranstaltungen anbieten“, sagt Hans-Dieter Köhler. Dazu haben sich 685 Besucher an der Töpelstraße eingefunden. Das ist etwa die Hälfte der Gäste in einer „normalen“ Saison beziehungsweise in einem Kalenderjahr.

Wie es in den nächsten Monaten und Jahren in der Sternwarte und mit dem Verein weitergeht, das steht auch für die Astronomen nicht in den Sternen geschrieben. Eine 2018 neu aufgebaute Schüler-Arbeitsgemeinschaft, die dem Verein wieder Hoffnung auf Nachwuchs machte, ist 2020 wieder weggebrochen. Zwei junge Leute finden jetzt dennoch regelmäßig den Weg in die Sternwarte. Das freut die inzwischen meist schon älteren Hobbyastronomen

Hans-Dieter Köhler würde die Türen der Sternwarte gern wieder für Besucher aufschließen. Doch wegen Corona ist das im Moment unmöglich. Ob es einen Tag der offenen Tür zum 25. Vereinsbestehen geben kann, ist derzeit offen.
Hans-Dieter Köhler würde die Türen der Sternwarte gern wieder für Besucher aufschließen. Doch wegen Corona ist das im Moment unmöglich. Ob es einen Tag der offenen Tür zum 25. Vereinsbestehen geben kann, ist derzeit offen. © Dietmar Thomas

.Einige haben die Corona-Zwangspause genutzt, um ihr Wissen auf neuesten Stand zu bringen. Andere waren dabei, Himmelsfotografien so aufzubereiten, dass auch Laien damit etwas anfangen, sich im Idealfall sogar dafür begeistern können. Diese Arbeiten sind in der Stadtbibliothek in Hartha zu sehen.

Gern würden die Organisatoren die Ausstellung später „wandern“ lassen, um auf ihr Hobby und die Möglichkeiten in der Sternwarte Hartha aufmerksam zu machen. „Die Sternwarte ist für unsere Kleinstadt Hartha schon etwas Besonderes“, begründet Köhler. Nicht zuletzt deshalb engagiert er sich selbst dafür.

Auch wenn ein Teil der baulichen Hülle der Einrichtung in diesem Jahr 65 wird, sollen Besucher wie Hobbyastronomen moderne Technik vorfinden und nutzen können. Daher sind Vereinsmitglieder gerade dabei, in der Fünf-Meter-Kuppel und an dem dortigen Cassegrain-Teleskop einige technische Finessen nachzurüsten.

Überraschungen sind jederzeit möglich

Wie die aussehen, davon dürfen sich Neugierige bei einem der nächst(möglich)en Beobachtungsabende überraschen lassen. Überraschungen sind für die Hobbyastronomen übrigens gar nicht so selten. Denn Kometen können jederzeit auftauchen – oder auch erst in 100 Jahren.

So lange müssen sich Laien nicht gedulden, bis sie in Hartha wieder einmal bei besonderen Himmelsbeobachtungen dabei sein können. „Im Oktober 2023 können wir in Deutschland eine partielle Mondfinsternis beobachten“, blickt Hans-Dieter Köhler voraus.

Vorher gibt es im Mai 2022 zwar eine totale Mondfinsternis, doch bei dieser geht der Mond schon unter. Und auch eine Sonnenfinsternis – ähnlich der 1999 – ist Köhler zufolge in nicht allzu ferner Zukunft noch einmal zu erleben: „Vor unserer Haustür und auch bei uns in der Sternwarte hier im Jahr 2026.

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