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Stipendium für den Einser-Schüler

Das Döbelner Lessing-Gymnasium hatte seinen besten Abiturienten für eine Förderung vorgeschlagen. Der beginnt sein Studium unter seltsamen Umständen.

Philipp Hoffmann hatte im vergangenen Jahr am Lessing-Gymnasium das beste Abi mit Durchschnitt 1,0 abgelegt. Jetzt studiert er Luft- und Raumfahrttechnik.
Philipp Hoffmann hatte im vergangenen Jahr am Lessing-Gymnasium das beste Abi mit Durchschnitt 1,0 abgelegt. Jetzt studiert er Luft- und Raumfahrttechnik. © privat

Döbeln. Michael Höhme, Leiter des Döbelner Lessing-Gymnasiums, ist schon ziemlich stolz auf seinen ehemaligen Schüler. Im vergangenen Jahr hatte Philipp Hoffmann ein Super-Abitur abgelegt. „Wir hatten ihn für eine Förderung durch die Studienstiftung für das deutsche Volk vorgeschlagen. Das ist der Mercedes unter den Studienstiftungen. Das machen wir nicht oft, vielleicht alle fünf Jahre. Der Durchschnitt 1,0 ist dort Standard. Darüber hinaus werden aber auch musische und künstlerische Interessen und soziales Engagement berücksichtigt“, sagte Höhme. Und was ihn besonders freut: Es hat geklappt.

Seit Oktober Student

Philipp Hoffmann studiert seit Oktober an der Uni Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und freut sich, dass es funktioniert hat mit dem Stipendium. Denn das bedeutet finanzielle Unterstützung. „Es gibt einen Grundbetrag von 300 Euro im Monat plus einen Zuschlag, der wie Bafög berechnet wird. Ich weiß noch gar nicht genau, wie viel das ist“, sagt er.

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Aber damit erschöpft sich die Förderung noch nicht. Die Stipendiaten, die in Ortsgruppen organisiert sind, unternehmen auch Exkursionen und Ausflüge. Außerdem finanziert die Stiftung Sprachkurse im Ausland. „Die sollen richtig gut sein“, sagte Hoffmann.

Bewerber getestet

Einfach wird den Bewerbern nicht gemacht. Ein ganzes Wochenende werden sie auf Herz und Nieren geprüft. In diesem Falle wegen Corona nur online. Innerhalb von Fünfergruppen mussten sie Vorträge halten. „Da war immer ein Kommissionsmitglied dabei. Ich habe über die Sicherheit bei Künstlicher Intelligenz gesprochen, über das Problem, wie man KI anhalten kann.“

Außerdem habe es noch Einzelgespräche gegeben über den Lebenslauf, spezielle Interessen. „Einer hat mir die Frage gestellt, wie ich seiner sechsjährigen Tochter den Satz des Pythagoras erklären würde. Da sitzt man erst mal verdutzt vor dem Bildschirm.“

Seltsames erstes Semester

Am vergangenen Sonnabend hat Philipp Hoffmann die Zusage bekommen. Das Stipendium gibt es erst einmal bis zum Bachelor-Abschluss. In der Regel werde es aber noch verlängert bis zum Ende des Studiums. „Das geht bis zum Doktor.“

Von normalem Studentenleben hat der 18-Jährige in der Corona-Krise noch nicht viel mitbekommen. Vorlesungen mit physischer Anwesenheit hat es noch nicht gegeben. Nur zu einer Prüfung in Experimentalphysik in der vergangenen Woche war persönliche Anwesenheit gefragt. „Da war ich zum ersten Mal in der Uni. Es ist verrückt“, erzählte er.

Vorlesungen nur online

Vorlesungen gibt es nur online am Rechner. Sie werden in der Regel von den Professoren aufgezeichnet. „Das hat den Vorteil, dass man sie sich noch einmal anschauen kann“, sagte Hoffmann. Die Professoren gehen auch live auf Sendung, um Fragen zu beantworten.

Mitstudenten hat Hoffmann, der in einer großen WG im Studentenwohnheim lebt, noch nicht allzu viele kennengelernt. „Wir hatten eine Campusführung, bei der ich mit ein paar Leuten reden konnte. Viele sind zu Hause, weil sie in der Nähe wohnen.“ Besserung zeichnet sich noch nicht ab. Der Unterricht im nächsten Semester, das Ende April beginnt, soll auch online gehalten werden.

Studenten bauen Satellit

Dass es das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik werden soll, sei ihm schon ziemlich schnell klar gewesen, sagte der Döbelner. „Ich habe da mit vielem zu tun, was mich interessiert. Mathematik, Physik und Chemie“. Praktische Anwendungen sind auch gefragt. Der Student hat zum ersten Mal eine technische Zeichnung angefertigt. Mit der Hand, aber auch schon mit einem Computerprogramm. „Das sitzt man dann schon mal vier Stunden, ehe man rausbekommt, wie man eine Linie wieder wegbekommt.“

Außerdem arbeitet Hoffmann in einem Projekt mit, das von der Weltraumorganisation ESA gefördert wird. Die Studenten sollen einen Kleinsatelliten bauen, der in etwa zwei Jahren in den Orbit befördert wird und mit seinen beiden Kameras Aufnahmen der Erde und von Meteoren machen soll. Wenn er abstürzt, soll er zudem Daten vom Eintritt in die Erdatmosphäre liefern. „Ich arbeite da in dem Team mit, das für die Nutzlast zuständig ist“, sagte Philipp Hoffmann.

Das Hobby bleibt auf der Strecke

Die Musik bleibt im Moment ziemlich auf der Strecke. Hoffmann ist ein begabter Pianist und hat das E-Piano auch mit nach Stuttgart genommen. „Wenn ich aber bis 20 oder 21 Uhr vor dem Rechner sitze, habe ich dann auch keinen Nerv mehr, zu spielen.“

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