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Stößt Leisnig das frühere Jugendhaus ab?

An den Stadträten ist es, eine Entscheidung zu treffen. Für die Bockelwitzer ist es indes weniger eine Herzensangelegenheit als noch vor ein paar Jahren.

Das frühere Jugendhaus in Naundorf (rechts) ist ungenutzt. Das trifft auch bald auf das Dorfgemeinschaftshaus (Mitte) und das Feuerwehrdepot zu.
Das frühere Jugendhaus in Naundorf (rechts) ist ungenutzt. Das trifft auch bald auf das Dorfgemeinschaftshaus (Mitte) und das Feuerwehrdepot zu. © Dietmar Thomas

Leisnig. Die Verwaltung will die Nutzungsgebühren für Räume, die sie besitzt und vermietet, neu kalkulieren. In diesem Zusammenhang könnte es eine Bereinigung der Immobilienliste geben. Denn neue Nutzungsgebühren will Hauptamtsleiterin Silvia Diesmann nur für jene Objekte vorschlagen, die auch weiterhin von Vereinen, Veranstaltern oder Privatpersonen angemietet werden können.

Behalten oder verkaufen? Diese Frage steht zum Beispiel für das ehemalige Kinder- und Jugendhaus in Naundorf. Der dazu umgebaute ehemalige Gasthof war viele Jahre lang Domizil des Vereins Spielträumer, der dort regelmäßig Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche unterbreitet hat. Dies allerdings haben die Spielträumer vor rund vier Jahren aufgegeben – unter anderem, weil die bisherigen Nutzer aus dem Jugendalter herausgewachsen sind.

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„Wir wollen uns nach wie vor auf unsere Anfänge besinnen“, sagt Vorsitzende Elke Bull. Damit meint sie eine mobile Jugendarbeit. Doch die ist Corona-Zeiten so gut wie unmöglich. Das trifft auch auf die übrigen Vereinsaktivitäten zu. Zum einen gibt es unter Regie der Spielträumer noch den Generationentreff und zum anderen die Tanzgruppen mit Trainerin Solveig Reich. Letztere treffen sich mittlerweile allerdings – sofern dies wieder möglich ist – in der Turnhalle neben der Oberschule.

Sporadisch für Übernachtungen nötig

Der Verein beansprucht nach den Worten von Elke Bull keine Räume mehr im ehemaligen Jugendhaus. Andere Nutzer gibt es im Moment nicht. Die Trommelgruppe hat sich neue Probenräume gesucht – und zunächst im Leisniger (Kultur-)Bahnhof gefunden.

So steht das Gebäude den Großteil des Jahres leer, 2020 sogar komplett. Denn die Kommune hatte keine Gäste zu beherbergen. In Ermangelung eines Hotels und anderer Übernachtungsmöglichkeiten für eine größere Gesellschaft vor Ort hatte die Stadt Leisnig bis 2019 dort hin und wieder Besucher aus den Partnerstädten in Ungarn und Italien untergebracht. Diese Möglichkeit würde entfallen, wenn die Kommune das frühere Jugendhaus verkauft.

Anbieten würde sich das, da sind sich Bürgermeister Tobias Goth (CDU) und der Bockelwitzer Ortsvorsteher Michael Heckel einig, als „Paket“ mit den Nachbargebäuden: der früheren Ludothek, später Dorfgemeinschaftshaus und dem Feuerwehrgerätehaus. Letzteres werden die Feuerwehrleute in absehbarer Zeit räumen und dann in das neue Depot in Bockelwitz umziehen. Dann ist auch das Dorfgemeinschaftshaus weitgehend ungenutzt.

Auch die Ludothek ist weitgehend ungenutzt

Die Feuerwehrleute hatten sich dort zu Weiterbildungen, Hauptversammlungen und Weihnachtsfeiern getroffen. Dazu werden sie künftig im neuen Gerätehaus zusammenkommen. „Einen Feuerwehrverein gibt es in Naundorf nicht und auch so gut wie keine privaten Nutzer“, so Michael Heckel.

Seines Wissens hätten sich die meisten Familien inzwischen neue Räume für private Feiern oder andere Treffen wie etwa die Versammlung der Jagdgenossen gesucht. Entsprechende Alternativen seien mittlerweile erschlossen und auch genutzt worden. Daher hänge das Herz der Bockelwitzer jetzt weniger an diesen Immobilien als das noch vor Jahren der Fall war, als es tatsächlich Nutzer in allen Gebäuden gab.

Für die Anwohner im ländlichen Raum sei dem Ortsvorsteher zufolge wichtiger, für die Kulturscheune in Börtewitz Konditionen und Nutzungsgebühren auszuhandeln, die Privatleute, die mal eine größere Feier haben, auch zahlen können. An zu hohen Gebühren sei die Vermietung in der Vergangenheit das eine oder andere Mal gescheitert. „Und an anderen Immobilien wie etwa der Sporthalle in Clennen gibt es nichts zu rütteln“, so Heckel. Die Halle wird für den Schulsport benötigt. Aber auch Freizeitsportler nutzen sie.

Einige Immobilien sind schon verkauft

Dass neue Preise zu einer stärkeren Nutzung der Räume führt, die Leisnig anbieten kann, das denkt auch die CDU-Fraktion, wie Vorsitzender Rüdiger Schulze sagt. Was das Jugendhaus betrifft, steht die Fraktion einem Verkauf durchaus offen entgegen – auch im Paket mit Ludothek und Feuerwehrhaus.

Zwischen 40 und 50 Immobilien und Räume stehen derzeit noch auf der Gebühren-Kalkulationsliste. Das beginnt bei Sporthallen und geht bis zu Räumen im Rathaus (Saal) und im Stadtgut. Von verschiedenen, nicht mehr genutzten Gebäuden hat sich die Kommune in der Vergangenheit schon getrennt. Dazu gehören das Vereinshaus am Apianplatz, der ehemalige Kindergarten zwischen Lindenplatz und Bergstraße oder der frühere Jugendklub in Korpitzsch.

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