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Treibt die Pandemie die Scheidungsrate in die Höhe?

Die Zahl der Scheidungen im Bereich des Amtsgerichts Döbeln lag 2020 bei 290. Ob es in diesem Jahr mehr werden, ist offen.

Im Jahr 2020 gab es in den Altkreisen Döbeln und Hainichen 290 Scheidungen.
Im Jahr 2020 gab es in den Altkreisen Döbeln und Hainichen 290 Scheidungen. © dpa-tmn

Region Döbeln. Raus aus dem beruflichen Trott, mehr Zeit für die Familie und Freunde – solche Wünsche dürften schon viele geäußert haben. Zumindest vor Beginn der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen.

Aber während der Corona-Beschränkungen den ganzen Tag mit dem Partner verbringen, umgeben von quengelnden Kindern, die Hilfe beim Homeschooling brauchen, die eigene Arbeit Homeoffice – das war mehr, als so mancher sich gewünscht hat oder verkraften konnte. Die Pandemie war für Partnerschaften ein Stresstest, Experten sagten eine Scheidungswelle voraus.

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Doch ob das wirklich so kommt, lässt sich jetzt noch nicht beurteilen, sagt Christoph Kuhn, Familienrichter am Döbelner Amtsgericht. „Falls es zu Trennungen in der Corona-Zeit gekommen sein sollte, würden die Scheidungen erst in diesem Jahr eingereicht werden können“, so Kuhn.

Verhandlung in fünf Minuten möglich

In den vergangenen fünf Jahren habe die Zahl der Scheidungen im Amtsgerichtsbezirk Döbeln, der die Altkreise Hainichen und Döbeln umfasst, geschwankt. Die höchste Zahl in diesem Zeitraum gab es 2016 mit 322 Scheidungen. Ein Jahr später waren es mit 262 deutlich weniger. Im Jahr 2018 war der Anstieg moderat (272), dafür 2019 mit 318 Fällen wieder deutlicher. Im vergangenen Jahr wurden 290 Ehen getrennt.

Eine Scheidung verlaufe in vielen Fällen unspektakulär. „Wenn sich beide Parteien auf einen Ausgleich geeinigt haben und keine Unterhaltsforderungen offen sind, kann die Scheidung in fünf bis zehn Minuten durch sein“, sagt Christoph Kuhn.

Oftmals vergehen aber zwischen dem Antrag und der Verhandlung mehr als einige Monate. Das liegt daran, dass die Versorgungsträger so lange brauchen, um die Unterlagen für den Versorgungsausgleich bereitzustellen.

Trennungszeit mindestens ein Jahr

Entscheidendes Kriterium für eine Scheidung ist, ob die Ehe zerrüttet ist. „Das ist der Fall, wenn beide Partner drei Jahre lang getrennt gelebt haben“, weiß der Familienrichter. Dagegen sei eine Ehe wahrscheinlich zerrüttet, wenn die Trennungszeit ein Jahr betragen habe.

„Die Gründe spielen dabei keine Rolle. Wenn beide übereinstimmend erklären, dass sie die entsprechende Zeit getrennt gelebt haben, hat der Richter keinen Grund nachzufragen“, so Christoph Kuhn.

In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Kurzzeitehen deutlich zugenommen. Das sind solche, die nicht länger als drei Jahre gehalten haben. „Oft ist es aber so, dass Paare, die schon lange zusammengelebt haben, nach der Heirat feststellen, dass es doch nicht passt“, so der Familienrichter. Wenn diese sogenannten Kurzzeitehen geschieden werden, ist kein Versorgungsausgleich erforderlich, fügt Kuhn hinzu.

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