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Trotz Corona: Krankenstand nur leicht gestiegen

Die meisten Krankenscheine gab es für Probleme mit Muskeln und Knochen. Die Beschwerden nehmen zu.

Mittelsachsen hat Rücken: Im ersten Halbjahr 2020 gab es 208 Fehltage je 100 Versicherte wegen Problemen mit dem Muskel- oder Skelett-System.
Mittelsachsen hat Rücken: Im ersten Halbjahr 2020 gab es 208 Fehltage je 100 Versicherte wegen Problemen mit dem Muskel- oder Skelett-System. © dpa-tmn

Mittelsachsen. Rückenleiden, Grippe, Depressionen – das sind die häufigsten Gründe, weshalb Mittelsachsen im vergangenen Jahr sowie Anfang 2020 nicht arbeiten gehen konnten. Das zumindest besagt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport für den Landkreis, der vor Kurzem veröffentlicht worden ist. 

In ihrem Report hat die DAK, die rund 4.000 Versicherte im Landkreis hat, dabei nicht nur das vergangene Jahr ausgewertet, sondern auch einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen bis Juni 2020 geworfen. Ersichtlich geworden ist dabei auch, wie sich die Corona-Pandemie auf den Krankenstand ausgewirkt hat.

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Wie hat sich der Krankenstand im ersten Halbjahr 2020 entwickelt?

Nach Angaben des Gesundheitsreports ist der Krankenstand in Mittelsachsen bis Juni 2020 um 0,4 Prozentpunkte gestiegen. Er liegt damit bei rund 5,4 Prozent und nach wie vor deutlich über dem Landesdurchschnitt für Sachsen (4,7 Prozent). 

Übersetzt bedeutet dies, dass an jedem Arbeitstag von 1.000 Beschäftigten in Mittelsachsen 54 krankheitsbedingt auf Arbeit gefehlt haben. Besonders hoch war der Krankenstand im Kreis im März (8,4). 

Aber auch 2019 war der Krankenstand im März mit 7 Prozent am höchsten. Ohnehin ist der Krankenstand in Mittelsachsen relativ hoch. Im Vorjahr lag er bei 5,1 Prozent. Nur in Bautzen (5,2) sowie in Chemnitz (5,3) gab es mehr krankheitsbedingte Ausfälle. 

Der niedrigste Krankenstand wurde 2019 in Dresden verzeichnet (4,0). Die Gründe für den hohen Krankenstand im Landkreis seien vielfältig, erklärt Christian Baier, Leiter des DAK-Servicezentrums in Döbeln.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf die Krankschreibungen?

Laut Baier hat sich die Pandemie auf Anzahl und Dauer der Krankschreibungen ausgewirkt. So gingen im ersten Halbjahr 194 Fehltage je 100 Versicherte auf Erkrankungen des Atmungssystems zurück. Gemeint sind nicht nur Infektionen mit dem Coronavirus, sondern auch Erkältungen, Mandel- sowie Lungenentzündungen. 

Die Zahl der Fehltage aufgrund von Atemwegsinfekten hat nicht den Stand vom Grippejahr 2018 erreicht. Damals gingen 209 Fehltage je 100 Versicherte auf Atemwegserkrankungen zurück. Zurückzuführen ist die Erhöhung der Zahlen 2020 auch auf die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung selbst bei leichten Erkältungssymptomen. 

Jene war zunächst für März bis Ende Mai ermöglicht worden. Seit 19. Oktober bis Ende des Jahres hat sich der Gemeinsame Bundesausschuss für die weitere telefonische Krankschreibung ausgesprochen.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Krankenschein in Mittelsachsen?

Die meisten Ausfalltage sind nach wie vor aufgrund von Problemen mit dem Muskel-Skelett-System zu verzeichnen. 208 Fehltage je 100 Versicherte kamen aufgrund von Rückenbeschwerden, Schäden an den Bandscheiben oder Problemen mit den Knien zustande.

 Für 2019 liegen die Fehltage aufgrund dessen deutlich über dem sächsischen Durchschnitt. Warum die Zahl in dem Bereich so hoch ist, konnte Baier nicht erklären. An dritter Stelle stehen die psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. 

Aufgrund jener gab es je 100 Versicherte bis Juni 2020 141 Fehltage laut dem Report der DAK. Auch 2019 waren mehr als die Hälfte aller Fehltage auf diese drei Krankheitsarten zurückzuführen, äußert sich Christian Beier. 

Auffällig ist, dass es 2020 schon zahlreiche Fehltage aufgrund von Neubildungen in Form von gut- sowie bösartigen Tumoren gab. 100 Fehltage gab es diesbezüglich im ersten Halbjahr 2020, 2019 waren es 33. „Dies stellt tatsächlich eine Besonderheit in unserem Landkreis dar“, so Baier.

Welche Veränderungen gab es im Vergleich zu den Vorjahren?

Bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen liegen die Fehltage aktuell noch unter den Zahlen, die für das erste Halbjahr 2019 angegeben worden sind (238). Die Atemwegsinfekte sind mehr geworden (158), die Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen bewegen sich fast auf dem des ersten Halbjahres 2019 (134). 

Im Vergleich zu 2018 zeigen sich weitere Tendenzen: So sind die Fehltage aufgrund von Erkrankungen des Muskel- und Skelett-Systems um 12 Prozent gestiegen. Sie sind auch deutlich mehr als im Schnitt in Sachsen.

 Um neun Prozent gestiegen sind im Vergleich zu 2018 im Vorjahr auch die Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen. Um 10 Prozent gesunken sind im Vergleich zu 2018 die Fehltage aufgrund von Atemwegsinfekten. Jene waren 2018 wegen der starken Grippewelle höher.

Mit welchen Angeboten steuert die Kasse gegen die Entwicklung?

Da die Zahl der psychischen Erkrankungen bei den Versicherten zunimmt, hat die DAK-Gesundheit ihr Angebot mit dem Programm Veovita erweitert. Ziel dessen sei es, dass die Betroffenen von Depressionen und Angststörungen ihre Erkrankungen besser bewältigen und so schneller wieder in den normalen Alltag zurückkehren können. 

„Durch den frühen Behandlungsbeginn sollen die Lebensqualität verbessert und eine lange Krankheit verhindert werden“, erklärt Baier. Vorteil des Programms sei es, das Angebot mittels Handy, Tablet oder Computer jederzeit und ortsunabhängig zu nutzen. Zudem bietet die Kasse betriebliches Gesundheitsmanagement an. 

Mit diesem soll längeren Ausfallzeiten durch Rückenleiden oder seelische Probleme vorgebeugt werden, informiert Baier weiter. Ergänzt wird das Angebot durch Online-Workshops und -Schulungen. Mit jenen soll gesundes Arbeiten im Homeoffice unterstützt werden.

Wie sinnvoll ist die telefonische Krankschreibung?

Christian Beier begrüßt die telefonische Krankmeldung. „Aus unserer Sicht ist das ein klarer Beleg dafür, dass einfache Lösungen für das Krankschreibungs-Geschehen sehr sinnvoll sind.“

 Nicht nur bei Covid-19 sollte die generelle Ansteckungsgefahr für das Praxispersonal sowie andere Patienten bedacht werden. „Wenn neue Formen der Kommunikation die persönliche Begegnung in der Arztpraxis ersetzen, ist das ein wichtiger Fortschritt“, so der Chef der DAK-Gesundheit in Döbeln.

Hat die Anerkennung von psychischen Erkrankungen zugenommen?

Gerade psychische Erkrankungen werden nach wie vor mit Skepsis betrachtet. „Menschen mit diesen Krankheiten werden immer noch und viel zu oft pauschal stigmatisiert und ausgegrenzt.

 Dabei können auch seelische Erkrankungen, genau wie somatische oder ein Unfall, nahezu jeden Menschen unvorhergesehen treffen“, sagte Jörg Höllmüller, zweiter Beigeordneter des Landkreises und Leiter des Geschäftskreises Ordnung, Soziales und Gesundheit am Landratsamt. Um das zu ändern, hat der Landkreis 2017 den Lauf für seelische Gesundheit ins Leben gerufen. 

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Mit dem Lauf soll nicht nur das Thema in den Fokus gerückt werden, sondern zugleich auch deutlich gemacht werden, dass sich Bewegung Studien nach positiv auf die Gesundheit der Seele auswirke, so Kreissprecher André Kaiser. Bei der Veranstaltung in Freiberg gab es dieses Mal sogar die stärkste Beteiligung seit dem Auftakt 2017. Fast 80 Teilnehmer sind dem Aufruf gefolgt, und Strecken über eine Distanz von 400, 1.200 sowie 2.000 Metern gelaufen. Maximal 100 Läufer konnten sich beteiligen.

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