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Trotz Demo-Pause in Leisnig: Bündnis zeigt „Flagge“

Respekt, Solidarität, Vielfalt stand auf den ersten Bannern. Die sind verschwunden. Der Ersatz hängt noch. Wie geht es weiter?

Mit Plakaten stellt sich ein Bündnis denjenigen entgegen, die versucht haben, Leisnig bei Demonstrationen in eine rechtsradikale Ecke zu drängen.
Mit Plakaten stellt sich ein Bündnis denjenigen entgegen, die versucht haben, Leisnig bei Demonstrationen in eine rechtsradikale Ecke zu drängen. © Heike Heisig

Leisnig. Eine Montagsdemo hat es in dieser Woche nicht gegeben. Die Anmelder der vorherigen Treffen auf dem Marktplatz haben Wort gehalten und mit der angekündigten Sommerpause zumindest begonnen. Allerdings nicht, ohne am Sonntag noch einmal mobil gemacht zu haben.

In Vorbereitung dessen hatte eine Gruppe Leisniger mehrere Plakate am Haus Markt 17 angebracht. „Gemeinschaft heißt für uns: Respekt, Solidarität, Vielfalt“ stand auf verschiedenfarbigen Bannern. „Diese Vielfarbigkeit sollte zum Beispiel für verschiedene Hautfarben, für Jung und Alt stehen“, sagt Maria-Christin Anderfuhren.

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Einbrecher haben es auf Plakate abgesehen

Sie gehört zu den Leisnigern, die sich in einem Bündnis denjenigen entgegenstellen wollen, die seit Wochen regelmäßig auf dem Marktplatz versuchen, „den tollen Gemeinschaftssinn der Leisniger für sich zu vereinnahmen“, sagt Anderfuhren.

Einige der Redebeiträge der Demonstranten wurden im Nachgang sogar vom Staatsschutz analysiert (wir berichteten). Das war daraufhin Thema im Stadtrat, wo mehrfach die Forderung laut wurde, auf diese Äußerungen zu reagieren.

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Das hat das Bündnis unter anderem mit den Bannern getan. Doch die Ursprünglichen sind gestohlen worden. Nach den Worten von Bürgermeister Tobias Goth (CDU) haben sich Unbekannte unerlaubt Zutritt zu dem leerstehenden Wohnhaus am Markt 17 verschafft.

Das gehört der Kommune – noch. Eigentlich sollte die Immobilie längst verkauft sein. Doch durch Corona sind andere Dinge wichtiger gewesen, als dieses Immobiliengeschäft.

Neuer Platz für die Banner gesucht

Der gleich aussehende Ersatz der Banner ist dann allerdings nicht bis Freitagnachmittag eingetroffen. Also hat das Bündnis die Dinge, für die es einsteht, auf provisorische Plakate geschrieben und diese wiederum am Markt 17 angebracht. An dieser Stelle sind sie verblieben und fallen vor allem jenen auf, die über die Berg- und Muldenstraße ins Zentrum kommen.

Mittlerweile sind die neu bestellten Banner im Rathaus eingetroffen. Dort, wo der Ersatz noch immer hängt, will sie der Rathauschef aber nicht anbringen lassen. Das begründet er mit inzwischen schon wackelig gewordenen Aufhängungen und der Tatsache, dass an diesem Gebäude Sicherungen nur schlecht möglich sind.

Ein Großteil des Hinterhofes ist weggerissen, Fenster und Türen sind alt, sodass es ein Kinderspiel werden dürfte, auch die neuen, 1,60 Meter breiten und 3,20 Meter langen Banner verschwinden zu lassen.

„Ich denke, wir suchen dafür einen neuen Platz, idealerweise an einem kommunalen Haus“, sagte Tobias Goth. Einen genauen Standort konnte er noch nicht benennen. Das Rathaus allerdings schloss er schon einmal aus. Das sei dafür nicht der richtige Ort.

Langfristiges Konzept ist Ziel

Wie er weiter mitteilte, werde die Kommune die Kosten für die Neuanschaffung der Plakate übernehmen. Das sehe er als eine Möglichkeit, zu zeigen, dass das Bündnis und dessen Einstehen für Respekt, Solidarität und Vielfalt auch im Sinne vieler Stadträte ist.

Ob es weitere Meinungsäußerungen vonseiten der Stadt Leisnig und /oder des Stadtrates gibt, das war unter anderem Gegenstand einer Beratung des Ältestenrates in dieser Woche.

Auch die Mitglieder des Bündnisses, die sich anfangs auch mit Kunst und Kultur sowie der Bausubstanz in Leisnig Altstadt beschäftigt haben, treffen sich im Moment regelmäßig. „Wir sind gegenwärtig ungefähr 14 Leute“, sagt Dieter Kunadt.

Der Gorschmitzer ist wie Maria-Christin Anderfuhren zwar als Stadtrat tätig. Doch beide sagen, dass die laufende Initiative nicht von ihnen als Kommunalpolitiker ausgeht, sondern von Leisnigern, die den Demonstranten entgegentreten, ihnen etwas entgegensetzen wollen.

Leisnig lässt sich nicht in eine Ecke drängen

„Unser Ziel ist, ein langfristiges Konzept zu entwickeln“, sagt Dieter Kunadt. Er weiß aus Gesprächen, dass sich viele Leisniger dagegen verwahren, dass „ihre“ Stadt immer wieder mit Äußerungen von Menschen in Verbindung gebracht wird, die eine radikale, extremistische Einstellungen haben.

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„Unser schönes Leisnig soll nicht in so eine Ecke gedrängt werden“, sagt eine Einwohnerin. Wie sie erzählt, sei es ihr kalt den Rücken hinunter gelaufen, als sie am Abend einer Demonstration ihr Fahrrad am Marktplatz vorbeigeschoben hat. Sie ist sich sicher, dass die Wortführer der Demonstrationen nur die Meinung von wenigen Leisnigern wiedergeben.

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