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Nachfrage nach Mietwohnungen steigt wieder

Während des Corona-Lockdown wollte kaum jemand umziehen. Vor allem eine Stadt in der Region Döbeln zieht nun junge Leute an.

Das Interesse an Wohnraum in Döbeln ist nach dem Lockdown im Frühjahr wieder gestiegen. Neu vermietet wird meist an Mieter aus der näheren Umgebung. Nach Waldheim aber kommen oft auch Mieter aus den Großstädten.
Das Interesse an Wohnraum in Döbeln ist nach dem Lockdown im Frühjahr wieder gestiegen. Neu vermietet wird meist an Mieter aus der näheren Umgebung. Nach Waldheim aber kommen oft auch Mieter aus den Großstädten. © Archiv/Dietmar Thomas

Region Döbeln. Nur wegen eines triftigen Grundes, um zum Beispiel zu arbeiten oder einzukaufen, durften die Mittelsachsen im Frühjahr 2020 die eigenen vier Wände verlassen. An Umzüge war in dieser Zeit für die Wenigsten zu denken. 

Manch einer war sich sogar unsicher, ob er während des Lockdown überhaupt seine Bleibe wechseln darf. Das haben auch die Vermieter in der Region zu spüren bekommen. Auf dem Wohnungsmarkt ging fast nichts mehr. Und jetzt? 

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Über den Sommer hat sich die Lage weitgehend stabilisiert, äußern sich die Vermieter auf Nachfrage. Zumindest in fast allen Regionen.

Wie hat sich die Nachfrage nach den Mietwohnungen entwickelt?

„Im Rahmen des Lockdown war die Nachfrage nach Wohnungen sehr schlecht. Es hat sich keiner mehr getraut, umzuziehen, keiner hat sich mehr Wohnungen angeschaut“, blickt Ina Pugell, die Geschäftsführerin der Waldheimer Wohnungsbau- und Verwaltungsgemeinschaft mbH, zurück. Von März bis Mai sei dementsprechend wenig los gewesen. Seit Juni steige das Interesse an Wohnungen wieder. „Wir sind jetzt fast wieder auf dem Niveau wie zuvor“, sagt Pugell. Doch aufgeholt sei der Rückstand noch nicht.

Tino Hüttner von der Döbelner Wohnungsgenossenschaft Fortschritt (WGF) ist hingegen optimistisch, dass sich die Zahl der Neuvermietungen auch 2020 auf dem Niveau des Vorjahres einpegeln wird. Trotz der geringen Neuvermietungen während des Lockdowns. „In der Zeit hat es aber auch nicht so viele Kündigungen wie sonst gegeben“, meint Hütter.

Auch bei der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft (GWG) Döbeln hat sich die Zahl der Neuvermietungen inzwischen wieder normalisiert. Gisela Menzel vom Vorstand geht ebenfalls davon aus, dass trotz Corona die Werte von 2019 erreicht werden können. „Einige sind auch während des Lockdown umgezogen“, berichtet Menzel.

Auf die Nachfrage nach Wohnungen der Roßweiner Wohnungsgenossenschaft habe sich die Krise kaum ausgewirkt, sagt Vorstand Lutz Hammer. Auf inzwischen wieder normalem Niveau bewege sich das Interesse an Wohnungen der Wohnungsgenossenschaft Hartha, so Vorstand Jörg Keim. Aber: „Der Lockdown hat eine große Lücke gerissen. Währenddessen gab es so gut wie fast keine Nachfrage.“

Ist die Zahl der Mietschuldner durch Corona gestiegen?

Nur vereinzelt sind Mieter aus der Region auf die Vermieter zugekommen, weil sie aufgrund der Coronakrise ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. Die Befürchtung des Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften, der mit 20 Prozent Mietausfall gerechnet hatte, sei nicht eingetroffen, so Tino Hütter von der WGF. 

Etwa zehn Mieter seien es bei der WGF, die um Stundung der Beträge gebeten hätten. Mit den Betroffenen seien Gespräche geführt worden.

Jörg Keim aus Hartha hat dies für Gewerbetreibende im Einkaufszentrum an der Straße des Friedens in Hartha ermöglicht. Zudem hätten vereinzelt Mieter um Unterstützung gebeten. Auf zwei Fälle belaufe sich die Zahl bei der GWG in Döbeln, sagt Gisela Menzel. 

Die Schulden seien aber inzwischen bereits beglichen worden. „Einige haben bis jetzt von ihrem Ersparten gelebt“, sagt Ina Pugell aus Waldheim. Auch bei ihr habe es bisher gar keine wirklich coronabedingten Mietausfälle gegeben. Lutz Hammer aus Roßwein ist ebenfalls nichts dergleichen bekannt.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Vielleicht könnte sich dies noch einmal im Herbst ändern, meint Eyk Schade, der Vorsitzende des Mietervereins Meißen und Umgebung. „Bisher haben wir keinen einzigen Fall, der mit Mietzahlungen und Corona zusammenhängt.“ 

Niemand habe den Kündigungsschutz in Anspruch nehmen müssen, der inzwischen ausgelaufen sei. Mit diesem sollte verhindert werden, dass Menschen, die zwischen 1. April und 30. Juni 2020 coronabedingt ihre Miete nicht fristgerecht zahlen konnten, ihre Wohnung verlieren. 

Zudem sei auch keine Beratung dazu in Anspruch genommen worden, sagt Schade, der auch für die Verbraucherzentrale Beratungen durchführt. „Ich denke, das wird in Ballungsräumen mehr Thema sein, wo 40 Prozent des Gehalts für die Miete ausgegeben wird. Da ist bei uns kaum der Fall.“

Wer interessiert sich für Mietwohnungen im Altkreis Döbeln?

Noch immer ist es so, dass die Mehrheit der neuen Mietverträge mit Anwohnern aus der Region abgeschlossen wird. „Im Wesentlichen kommen unsere Mieter aus Hartha und der Umgebung“, sagt etwas Jörg Keim. Ähnlich sieht es in Roßwein bei der Wohnungsgenossenschaft aus. „Die meisten Nachfragen kommen aus dem Altkreis“, sagt Lutz Hammer.

Selbst bei der WGF in Döbeln sind die meisten neuen Mieter aus der Region, sagt Tino Hütter. „Wir haben zurzeit vor allem das Phänomen, dass viele Eigenheimbesitzer zu uns ziehen, weil ihnen das Haus über den Kopf wächst oder der Partner verstorben ist“, meint der kaufmännische Vorstand. 

Geschätzt werde von den neuen Mietern vor allem, dass die WGF auch vieles im sozialen Bereich biete. Doch auch die Freizeitaktivitäten der WGF lagen während der Corona-Krise brach. 

Vor knapp zwei Monaten sei schrittweise wieder mit den Treffen der Gruppen begonnen worden, mit entsprechenden Hygienekonzepten. „Das genossenschaftliche Leben ist wieder gut angelaufen. Für viele unserer Mieter ist das sehr wichtig“, sagt Hütter.

„Wir haben hin und wieder auch neue Mieter aus den alten Bundesländern“, sagt Gisela Menzel von der GWG. Das Gros der Neumieter komme aus der Umgebung. In Waldheim freut sich Ina Pugell indes seit einigen Jahren vermehrt über Zuzug von jungen Familien, mitunter auch aus Leipzig, Chemnitz oder Dresden. 

Interesse gebe es vor allem aus Leipzig, da dort die Kriminalität und der Mangel an Kita-Plätzen den Anwohnern Sorge bereite. „Es kommen aber auch Leute aus dem Westen, die ihren Ruhestand hier verbringen wollen, oder Eltern, deren Kind hier in der alten Heimat zur Schule gehen soll“, berichtet Pugell.

Gibt es für die Region einen Mietpreisspiegel?

Ein aktueller Mietpreisspiegel für die Region Döbeln liegt nach Angaben von Eyk Schade nicht vor. „Es gibt einen älteren, der nicht weiter bearbeitet worden ist“, so Schade. 

Doch das Interesse daran sowie der Bedarf seien auch nicht vorhanden. „Das besteht mehr in Regionen wie Meißen, Radebeul und Coswig, in denen teilweise ein angespannter Wohnungsmarkt zu finden ist“, sagt Schade. 

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In Döbeln sei das aber eher nicht der Fall. Das Angebot an Wohnungen im Verhältnis zur Nachfrage sei im Altkreis gut. Bei Erhöhungen des Mietpreises orientierten sich die Vermieter an Vergleichswohnungen oder ließen ein Gutachten anfertigen. Letzteres sei oft zu teuer.

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