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Von der Tauschware zum Deko-Objekt

Seit 30 Jahren gibt es in Roßwein den Fliesenshop Oberländer. Eine Entscheidung der Familie hat der Wirtschaftsminister beeinflusst.

Vor 30 Jahren hat Jörg Oberländer den gleichnamigen Fliesenshop in Roßwein gegründet. Jetzt hat er das Geschäft an seine Tochter Susan Oberländer übergeben.
Vor 30 Jahren hat Jörg Oberländer den gleichnamigen Fliesenshop in Roßwein gegründet. Jetzt hat er das Geschäft an seine Tochter Susan Oberländer übergeben. © Lars Halbauer

Roßwein. Auch, wenn er teilweise schwer gewesen sei – der Weg war richtig. Darin sind sich Susan und Jörg Oberländer einig. Vor 30 Jahren hat der heute 69-Jährige den Fliesenshop Oberländer in Roßwein gegründet. Jetzt führt ihn seine Tochter weiter.

Fliesen waren in der DDR Mangelware und begehrtes Tauschobjekt. Wohl auch deshalb war Familie Oberländer von einem Fliesengeschäft in Frankfurt am Main begeistert, das sie während ihrer ersten Fahrt gen Westen nach der Grenzöffnung besucht hat. Mit Fliesen wollten auch sie neu durchstarten.

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Ganz klein und vorsichtig haben sie damals begonnen, erzählt der frühere Versandleiter des Armaturenwerkes. Vorerst für fünf Jahre hat die Familie das ehemalige Roßweiner Stadtgut gemietet. Das stand leer, musste aber zuerst von Schmutz und Müll befreit werden. 

Auf 50 Quadratmetern Fläche wurden die Fliesen angeboten und mit dem privaten Auto ausgeliefert. „Irgendwann haben wir uns dann einen einfachen Transporter gekauft“, erzählt Susan Oberländer.

In Sachsen bleiben und weitermachen

Auch sie war zu dieser Zeit schon von Fliesen fasziniert. „Nach der zehnten Klasse habe ich bei unserem Großhändler Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt. Dazu gehörte die Buchhaltung ebenso wie das Fahren des Gabelstaplers“, so die 45-Jährige. Inzwischen arbeitet auch ihre Schwester Anita bei dem Großhändler als Außendienstlerin des Roßweiner Geschäftes. Und Susans Mann Marco packt bei den schweren Arbeiten mit an.

Reichlich zehn Jahre nach dem Neustart wollte sich die kleine Firma vergrößern. In Roßwein war das nicht machbar. Deshalb eröffnete die Familie im April 2002 eine Filiale in Nossen, in deren Einrichtung sie einen fünfstelligen Betrag investiert hatte. Vier Monate später wurde das Geschäft vom Hochwasser überflutet. „Wir haben dort viel verloren“, sagt Jörg Oberländer. 

Bei einer Veranstaltung in Döbeln habe er kurz darauf den damaligen sächsischen Wirtschaftsminister Martin Gillo getroffen. Dieser habe ihm Unterstützung versprochen und ihn darum gebeten, weiter zu machen und auf jeden Fall in Sachsen zu bleiben.

Aufgeben war keine Option

Oberländers entschlossen sich, wieder aus Nossen wegzugehen und in Roßwein anzubauen. Die Vergrößerung der Verkaufsfläche auf 250 Quadratmeter wurde möglich, als die Eigentümer des benachbarten Einkaufszentrums kein Land mehr brauchten und Oberländers das Grundstück sowie das Gebäude, in dem sie bereits arbeiteten, erwerben konnten.

Tatsächlich bekamen sie für ihr Vorhaben Fördergeld vom Freistaat Sachsen. „Um den Anbau zu finanzieren, habe ich auch meine Lebensversicherung aufgelöst und einen Kredit aufgenommen“, so Jörg Oberländer.

Die Flut war aber nicht der einzige Schicksalsschlag, den die Familie verkraften musste. Im Jahr 2005 wurde Jörg Oberländer schwer krank, 2010 seine Tochter. Beide konnten jeweils ein Jahr und länger nicht arbeiten. Trotzdem haben sie nicht aufgegeben. Das honorieren auch die Kunden. 

Zu denen gehören sowohl Handwerker als auch Privatleute aus Mittelsachsen. „Inzwischen kommen schon die Kinder und Enkel der ersten Kunden zu uns“, erzählt Susan Oberländer, die froh ist, auch weiterhin Unterstützung von ihrem Vater zu erhalten. „Ohne die Familie würde ich es nicht schaffen“, sagt sie.

Kreativer Shop mit 3 D-Planung

Waren in der Anfangszeit Fliesen mit Dekor in einer Größe von 15 mal 20 Zentimetern sehr beliebt, sind es heute Großformate von 60 mal 60 Zentimetern in Betonoptik und Holzdekor.

„Wir sind ein kreativer Shop und haben uns immer vom Baumarkt abgehoben“, meint die Chefin. Sie erarbeite die Gestaltung der Räume mit Fliesen gemeinsam mit den Kunden – seit einiger Zeit auch per 3 D-Planung am Computer.

In der Roßweiner Sauna sind Fliesen der Firma Oberländer ebenso zu finden, wie in größeren Villen in der Region. Auch an manche Besonderheit erinnert sich Susan Oberländer gern, wie das Bild eines großen Wasserfalls aus Duschpaneelen in einer überdimensionalen Dusche. Und welche ist ihre Lieblingsfliese? „Ich kann mich für jedes neue Design begeistern“, sagt sie.

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