merken
PLUS Döbeln

Während Corona zum Meister

Die Ausbildung hat sich durch die Pandemie verlängert. Zwei junge Männer aus der Region sind ganz unterschiedlich damit umgegangen.

Benjamin Frost (links) und Markus Schmieding haben während der Corona-Pandemie ihre Meisterausbildung abgeschlossen. Trotz unterschiedlicher Berufe eint die beiden jungen Männer einiges.
Benjamin Frost (links) und Markus Schmieding haben während der Corona-Pandemie ihre Meisterausbildung abgeschlossen. Trotz unterschiedlicher Berufe eint die beiden jungen Männer einiges. © Lars Halbauer

Döbeln/Waldheim. Mit einigen Monaten Verspätung durch die Corona-Pandemie werden am Sonnabend die Meisterabsolventen des Jahrgangs 2019/20 der Handwerkskammer Chemnitz geehrt.

Zu den 215 Frauen und Männern, die ihren Meisterbrief bereits erhalten haben, gehören der Tischler Markus Schmieding und der Kraftfahrzeugtechniker Benjamin Frost. Es sind die beiden einzigen Meisterabsolventen aus der Region Döbeln.

Anzeige
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis

STARKE MÖBEL UND KÜCHEN macht Platz für neue Wohn-Kollektionen. Sparen Sie jetzt bis zu 58% beim Kauf Ihres Lieblingsstücks in TOP Qualität.

Auch wenn ihre Berufe ganz unterschiedlich sind, haben die Männer etwas gemeinsam. Sie wussten bereits als Jugendliche, dass der Berufs- die Meisterausbildung folgen soll. „Schuld“ sind ihre Väter.

„Ich bin in einer Simson-Werkstatt groß geworden“, sagt Benjamin Frost. Der Vater ist Verkehrsmeister. „Es war klar, dass es mal in Richtung Meister geht. Ich bin von Kindesbeinen an mit dem Kfz-Virus infiziert worden“, meint der 30-Jährige. Zuerst lernte er deshalb bei Regiobus in Döbeln den Beruf des Kfz-Mechatronikers.

Möbel statt Fensterbau

Der Vater von Markus Schmieding führt als Tischlermeister in Leisnig eine Fensterbaufirma, in der inzwischen überwiegend Kunststoff-Fenster hergestellt werden. Fasziniert von der Arbeit, war für den heute 25-Jährigen schon in der Schulzeit klar: „Ich werde Tischler.“

Die Berufsausbildung absolvierte er allerdings nicht im elterlichen Betrieb, sondern bei der Firma Rockhausen in Waldheim. „Denn Möbel sind schöner und vielseitiger“, begründet er.

Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit. Beide Männer hatten sich ein Alter als Ziel gesetzt, bis zu dem sie den Meisterbrief in der Tasche haben wollten. Bei Benjamin Frost war es das 29. Lebensjahr, „bevor die Familienplanung beginnt.“

Markus Schmieding wollte es bereits mit 24 Jahren geschafft haben, „weil mein Vater auch mit 24 seinen Meister gemacht hat.“ Für beide hat sich der Wunsch erfüllt.

Ein Jahr Ausbildung gespart

Frost und Schmieding begannen ihre Meisterausbildung zur selben Zeit, ohne sich zu kennen und in unterschiedlichen Berufen. Trotzdem bildeten sie dann für etwa ein Jahr eine Fahrgemeinschaft.

Das war die Zeit, als sie bei der Handwerkskammer für den Ausbilderschein und den betriebswirtschaftlichen Teil die Schulbank gedrückt haben. Denn dieser Teil der Meisterschule ist für alle Berufsgruppen gleich. „Da sitzt der Bäcker neben dem Fleischer und dem Dachdecker“, sagt Benjamin Frost.

Er und Markus Schmieding haben die selbst finanzierte Meisterausbildung jeweils ein Jahr in Teilzeit und ein Jahr in Vollzeit absolviert. Dadurch haben sie ein drittes Jahr gespart.

Straffes Programm bis zur Prüfung

Das zweite, also das Vollzeitjahr, war allerdings von der Corona-Pandemie geprägt. Wie in allen Schulen fiel der Präsenzunterricht plötzlich aus. „Unsere Dozenten haben gut reagiert und nach drei Wochen mit dem Online-Unterricht begonnen. Die Kfz-Leute haben das gut hinbekommen“, lobt Frost.

Nicht nur während dieser Zeit habe er von den Erfahrungen der Arbeitsjahre seit seiner Lehre und diversen Lehrgängen bei Mercedes Benz profitiert. Der Abschlussjahrgang habe mit Maske und einem guten Hygienekonzept relativ schnell wieder in den Präsenzunterricht und die Prüfungsvorbereitung zurückkehren können.

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

„Trotzdem war es ein straffes Programm“, meint Frost. Das endete 14 Tage später als geplant mit der praktischen Prüfung, bei der sich alles um die elektronische Fehlerdiagnose in Fahrzeugen und bei Baugruppen drehte.

Für Markus Schmieding hat sich die praktische Prüfung um etwa eineinhalb Monate verschoben. „Das habe ich aber gar nicht so richtig wahrgenommen“, sagt er. „Die schulfreien Wochen waren eine Phase, in der ich Zeit hatte, mich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren.“

Das waren die theoretischen Prüfungen, die er als „ganz schön heftig“ bezeichnet, und das Meisterstück. Denn Online-Unterricht gab es für den Tischler nicht.

TV-Board als Meisterstück

Für das Meisterstück musste Schmieding einen fiktiven Kundenauftrag erledigen. Dazu habe er ein komplettes Projekt erarbeitet, in einem Ordner zusammengefasst und daraus ein einzelnes Stück herausgenommen und gebaut.

Das war ein zweifarbiges TV-Board aus Massivholz mit Schubladen sowie einer Tür, hinter der sich Glasböden und eine LED-Beleuchtung verbergen. 18 Arbeitstage hatte er dafür Zeit, die er auch ausgeschöpft hat. „Das steht jetzt Zuhause und wird nie verkauft“, ist sich Schmieding sicher. Außerdem musste er vor Ort bei der Handwerkskammer eine Arbeitsprobe abgeben und dafür in Handarbeit, ohne Maschinen, einen Klapptisch bauen.

Benjamin Frost ist heute als Technischer Support bei Regiobus unter anderem für die Fahrzeugvernetzung mit Fahrgastzählsystem und -kassensystem zuständig. Weitere berufliche Pläne hat er derzeit nicht, schließt sie aber auch nicht aus. „Stillstand ist Rückschritt. Ich brauche Dinge, die mich herausfordern“, sagt er.

Markus Schmieding übernimmt in der Firma Rockhausen den Job eines Mitarbeiters, der in den Ruhestand geht, und ist dann für den Vertrieb und die Arbeitsvorbereitung zuständig. „Später möchte ich mich einmal selbstständig machen“, erklärt er. Auf einen Zeitpunkt hat er sich aber noch nicht festgelegt.

Mehr zum Thema Döbeln