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Weshalb der Waldheimer Altbürgermeister Bier verkauft

Ein Heimatfest auszurichten, das kostet. Deshalb werden bereits die ersten Spenden gesammelt – auch auf dem Frischemarkt.

Das Heimatfestbier der Stadt Waldheim wird auf dem Waldheimer Frischemarkt verkauft. Am Sonnabend ist Altbürgermeister Karl-Heinz Teichert (rechts) wieder mit einem Stand auf dem Markt vertreten.
Das Heimatfestbier der Stadt Waldheim wird auf dem Waldheimer Frischemarkt verkauft. Am Sonnabend ist Altbürgermeister Karl-Heinz Teichert (rechts) wieder mit einem Stand auf dem Markt vertreten. © Dietmar Thomas

Waldheim. Karl-Heinz Teichert kennt „seine Pappenheimer“. Obwohl er seit mittlerweile 20 Jahren kein Bürgermeister mehr ist, kommt kaum ein Waldheimer an ihm und seinem Marktstand vorbei.

„Hallo“, begrüßt der inzwischen 81-Jährige nahezu jeden Besucher des Frischemarktes auf dem Obermarkt. Und ehe sich der Angesprochene versieht, hat er eine Flasche Richzenhainer Bier in der Hand. „Das ist kein normales Bier, sondern Festbier“, erklärt der langjährige Waldheimer Stadtchef. „Frisch zu Werbezwecken für die 825-Jahrfeier von Waldheim gebraut und sogar mit ein klein wenig Alkohol mehr“, vergisst Teichert nicht, zu erwähnen.

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Schon einige Festbier-Erfahrungen

Ausreden lässt er fast keine gelten. Und so zücken doch die meisten ihre Geldbörse und zählen die drei Euro für die Flasche auf den Stehtisch, an dem Teichert seine Talente als Markthändler unter Beweis stellt. Wer ihn beim Anpreisen des Festbieres und der Werbung fürs nächste Heimatfest 2023 beobachtet, der kommt nicht umhin, Teichert ein Verkaufstalent zuzusprechen.

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Beim letzten Jubiläum Waldheims vor 23 Jahren ist der heutige Rentner als Bürgermeister im Amt gewesen. Woran er sich auf Anhieb im Zusammenhang mit diesem Fest erinnert, ist kurioserweise auch etwas, was mit Marketing zu tun hat: „Wir haben damals für sage und schreibe 160.000 D-Mark Dinge am Rande des Festes verkauft“, erzählt Teichert.

Das seien vor allem Souvenirs wie Regenschirme, Pralinen oder Seifen gewesen. Durch diesen Erfolg sei es möglich gewesen, dass die 800-Jahrfeier 1998 kein großes Minusgeschäft geworden ist, die Kommune nur noch einen verhältnismäßig keinen Fehlbetrag ausgleichen musste.

Etwas Tolles: Ein Bier von hier

In diesem Wissen hat sich der Altbürgermeister schon vor geraumer Zeit überlegt, wie es gelingen kann, Geld für das Jubiläum 2023 zu sammeln – und hat Kontakt mit Anja Adam, der Braumeisterin der Brauerei Richzenhain, aufgenommen.

Mit Stolz spricht er von dem kleinen Familienunternehmen, dass die Brautradition in Richzenhain fortführt. Dass er mit „Bier von hier“ fürs Heimatfest und um Spenden werben kann – zehn Cent pro verkaufte Flasche wandern in die Festkasse – freut Teichert ganz besonders.

Da das jetzt ganz frisch aus dem Braukessel kommende Bier nur begrenzt haltbar ist, sagt der Altbürgermeister spontan zu, auch bei den nächsten Frischemärkten auf dem Obermarkt zu stehen und den Hopfensaft unter die Leute zu bringen. Immerhin habe er damit auch Erfahrung: „Das ist schon mein fünftes Festbier“, sagt Teichert, ohne lange nachzudenken.

Festbier sei zum Beispiel für ein Jubiläum des Spindelfaschingsclubs (SFC), bei dem er vor seiner Amtszeit als Bürgermeister einige Zeit mitgemischt hat, gebraut worden. Oder auch aus Anlass des Brückenschlages über die Zschopau in der Niederstadt. Damals hat Teichert das Festbier allerdings nicht selbst „vermarktet“, sondern zwei Lehrlinge dafür begeistern können.

Logo ist jetzt einsatzbereit

Wie viel von dem Heimatfest-Festbier noch gebraut wird, kann der Altbürgermeister nicht sagen. „Auf jeden Fall sind die Flaschen außerhalb bestimmter Verkaufsaktionen am Automaten direkt an der Brauerei in Richzenhain zu haben“, so Karl-Heinz Teichert.

Steffen Ernst (FDP) ist derzeit Bürgermeister von Waldheim. Er freut sich über diese und andere Initiativen. Mit weiteren, schon in die Heimatfestvorbereitungen Involvierten wie Albrecht Hänel und Ingo Lieske vom Heimatverein sowie Ina Pugell und Roman Petters vom Gewerbeverein leistete er Karl-Heinz Teichert moralische Unterstützung bei der Verkaufspremiere.

Mit diesem Logo wird Waldheim für das bevorstehende Stadtjubiläum werben.
Mit diesem Logo wird Waldheim für das bevorstehende Stadtjubiläum werben. © privat

„Es gibt mehrere Arbeitsgruppen, die sich auf verschiedenen Gebieten mit der Vorbereitung des Stadtjubiläums beschäftigen“, so der Bürgermeister. Ernst zufolge seien die Treffen der einzelnen Gruppen in Corona-Zeiten schwierig gewesen. Angesichts der aktuellen Situation jedoch soll es demnächst eine Zusammenkunft geben, bei der die Arbeitsstände abgefragt und die nächsten Schritte besprochen werden.

Gerade fertig geworden sei das Heimatfestlogo. Für einen der Vorschläge hatten sich die Stadträte vor ein paar Monaten entschieden. Nun kann das Logo bei den nächsten Aktionen zum Einsatz kommen, möglicherweise auch ein Festbier-Etikett zieren.

Erinnerungen werden wach

Was Steffen Ernst zum letzten Heimatfest gemacht hat, das weiß er übrigens noch ganz genau: mit anderen Waldheimer Gastronomen wie „Albi“ auf dem Werder gestanden und dafür gesorgt, dass bei den Besuchern kaum ein kulinarischer Wunsch offen blieb.

In den Nächten bewachten die Händler ihre Stände sogar selbst. Nach Hause oder länger zum Schlafen sei da kaum einer gekommen, erinnert sich Steffen Ernst, der 2015 aus der Backstube ins Chefzimmer des Rathauses gewechselt ist.

Veranstaltungstipps: Frischemarkt am Sonnabend, 18. September, ab 9 Uhr auf dem Waldheimer Obermarkt. Ab 10 Uhr gibt es ein Hoffest auf dem Gelände von Bergmanns Hof, ebenfalls am Obermarkt. Beides können Besucher gut miteinander verbinden.

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