merken
PLUS Döbeln

Ist ein junger Syrer in Waldheim ausgerastet?

In sozialen Medien wird die Nachricht von einer Messerattacke an der Oberschule verbreitet. Offenbar ist diese zumindest teilweise falsch. Bis zur Klärung ist der Schüler suspendiert.

Am frühen Mittwochnachmittag wurde die Polizei zu einem Einsatz nach Waldheim gerufen.
Am frühen Mittwochnachmittag wurde die Polizei zu einem Einsatz nach Waldheim gerufen. © René Meinig

Waldheim. In der Waldheimer Oberschule soll es schockierende Vorfälle gegeben haben. Dort terrorisiere ein 13 Jahre alter Syrer seit längerer Zeit seine Mitschüler. Das verbreiten unter anderem die Freien Sachsen. Die Bewegung wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft.

Diese Nachricht von der vermeintlichen Messerattacke verbreitet sich seit Mittwochabend in den sozialen Medien, unter anderem auf Facebook.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Das berichtet eine Mutter

Die Vorfälle sollen sich in einer siebten Klasse der Waldheimer Oberschule ereignet haben. Diese besuche der junge Syrer seit diesem Schuljahr, obwohl er in Döbeln Zuhause ist.

Von Beginn an habe der 14-Jährige die Klasse tyrannisiert, sagt Katrin Krug, deren Sohn Schüler der betroffenen Klasse ist. Die Attacken hätten sich vor allem gegen drei Jungen gerichtet. Zuletzt sei einer dieser Schüler am Mittwoch in einer Freistunde von dem Syrer mit einem Messer bedroht worden, so Katrin Krug, die nach eigener Aussage Kontakt zu den Freien Sachsen habe, aber kein Mitglied sei.

Nach dem Unterricht seien zwei Freunde auf dem Heimweg von dem syrischen Jungen angesprochen worden. Dieser habe den beiden angeboten, ihnen beim Bäcker ein Brötchen auszugeben. Die Freunde hätten vor dem Laden gewartet und plötzlich ein Messer in der Hand des Syrers gesehen.

Damit habe er die Mitarbeiterin bedroht. Was genau vorgefallen ist, hätten sie nicht mitbekommen. Die Mitarbeiterin des Bäckerladens habe die Polizei gerufen. Die Beamten hätten den Syrer mitgenommen.

Polizei bestätigt räuberische Erpressung

Tatsächlich ist die Polizei am frühen Mittwochnachmittag zu einem Einsatz nach Waldheim gerufen worden. Grund sei eine räuberische Erpressung zum Nachteil einer 62-Jährigen gewesen, teilt Robin Reichel, Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz mit. Der 14-jährige Tatverdächtige sei unmittelbar festgestellt worden.

Der Jugendliche hatte ein Geschäft in der Bahnhofstraße betreten und von einer 62-jährigen Verkäuferin die Herausgabe von Produkten gefordert. "Dabei hielt er ein Messer in der Hand und gab zu verstehen, dass er für die Ware nicht bezahlen werde", so Reichel. Die 62-Jährige habe ihn aufgefordert, das Messer wegzulegen.

Der Jugendliche sei der Aufforderung nachgekommen und habe das Geschäft verlassen. "Die eingesetzten Polizeibeamten konnten den 14-Jährigen mit syrischer Staatsangehörigkeit nach ersten Hinweisen und einer Personenbeschreibung kurze Zeit später am Bahnhof in Döbeln stellen", erklärt der Pressesprecher.

Die Beamten fanden bei ihm auch das beschriebene Messer und stellten es sicher. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde der Jugendliche an eine Erziehungsberechtigte übergeben.

"Nach derzeitigem Kenntnisstand ermittelt die Polizei wegen räuberischer Erpressung. Zu prüfen sein wird im Rahmen des Verfahrens, ob der 14-Jährige bereits im Vorfeld mit dem Messer andere Personen bedroht hat. Dahingehend liegt zumindest ein Anfangsverdacht vor", sagt der Pressesprecher.

Kinder sind eingeschüchtert

Am Mittwochabend habe in der Schule ein regulärer Elternabend stattgefunden. "Dort habe ich die Situation angesprochen", so Katrin Krug. Denn die Kinder seien eingeschüchtert und hätten sich bisher ergebnislos an die Lehrer gewandt.

Die Lage habe sich immer weiter zugespitzt. "Es muss etwas passieren", so die Mutter. Sie betont, dass sie niemanden verurteilen möchte. Aber sie wolle eine Veränderung der Situation zugunsten der Klasse, und dass "aus dieser Sache gelernt wird."

Syrer vom Unterricht suspendiert

Der junge Syrer besuche die Waldheimer Oberschule seit Ende des vergangenen Schuljahres und "ist bisher unauffällig gewesen", sagt Schulleiter Jan Genscher. Der 14-Jährige sei erst vor einigen Monaten nach Döbeln gezogen und der Waldheimer Oberschule zugewiesen worden, weil die Döbelner Oberschule ausgelastet sei.

Bedrohungen der Schüler hätten er und die Lehrer nicht wahrgenommen, so Genscher, aber ihm liege ein Video vor, auf dem ein Gegenstand zu sehen ist, bei dem es sich um ein Messer handeln könnte. Doch müsse man die Aufnahmen differenziert betrachten.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Es handle sich aber um einen massiven Verstoß gegen die Hausordnung. Deshalb habe der zuständige Lehrer eine erzieherische Maßnahme ergriffen, die aus seiner Sicht verhältnismäßig gewesen sei. Genauer geht der Schulleiter darauf nicht ein. Er betont aber, dass "zu keiner Zeit irgendjemand in Gefahr gewesen ist."

Am Donnerstag habe es Gespräche mit Eltern und Schülern gegeben. Der Syrer sei vorerst vom Unterricht suspendiert. Einen Zeitraum hat die Schule noch nicht festgelegt.

Mehr zum Thema Döbeln