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Waldheim und Landsberg seit 30 Jahren Partner

Die Verbindung der Städte sollte eigentlich gefeiert werden. Das wird nun auf 2021 verschoben. Dann gibt’s noch ein Jubiläum.

Im Beisein von Dietmar Hack (links) und Jost Handtrack (rechts stehend), den Initiatoren der Städtepartnerschaft von Landsberg am Lech und Waldheim, unterzeichnen Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle und Bürgermeister Karl-Heinz Teichert am 10. Novemb
Im Beisein von Dietmar Hack (links) und Jost Handtrack (rechts stehend), den Initiatoren der Städtepartnerschaft von Landsberg am Lech und Waldheim, unterzeichnen Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle und Bürgermeister Karl-Heinz Teichert am 10. Novemb © Archiv: Karl-Heinz Teichert

Waldheim. Karl-Heinz Teichert hatte schon einiges vorbereitet. Unter anderem sollte Franz Xaver Rößle einen goldenen Stern auf dem Wachbergturm bekommen. Denn dessen Erhalt wollte der frühere Oberbürgermeister von Landsberg am Lech mit einer Spende unterstützen.

Auch ein Stammtisch in Bergmanns Hof stand auf dem insgesamt dreitägigen Programm. Das hatte der damalige Waldheimer Bürgermeister Karl-Heinz Teichert zusammengestellt, weil sich die beiden Männer am 10. November vor 30 Jahren zu einem besonderen Ereignis in der Zschopaustadt trafen: zur Unterzeichnung der Urkunde für die Städtepartnerschaft zwischen Waldheim und Landsberg. Aber wie viele Vorhaben und Veranstaltungen, die für diesen November geplant waren, fällt auch das Treffen der Ex-Bürgermeister dem Corona-Lockdown zum Opfer.

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„Wir verschieben das auf nächstes Jahr. Aber dann fahren die Waldheimer nach Landsberg“, sagt Teichert. Denn am 14. Juni gibt es das nächste Jubiläum in der Städtepartnerschaft. An diesem Tag im Jahr 1991 wurde sie in Landsberg mit einer Unterschrift besiegelt.

Ansprache in Kirche geht unter die Haut

Karl-Heinz Teichert erinnert sich so detailliert an Veränderungen in der damaligen Zeit, als seien sie erst gestern geschehen. Die Unterschriften leisteten die beiden Bürgermeister am 10. November 1990 während einer Stadtratssitzung. Der Abend davor war für Karl-Heinz Teichert aber viel bewegender. In zwei Bussen sind die Landsberger damals nach Waldheim gekommen – in einem die Stadtkapelle, im anderen der Oberbürgermeister, Stadträte, Bänker, Rechtsanwälte.

Mehr als zehn Stunden waren sie unterwegs und schafften es noch gerade so zur Festveranstaltung in die Stadtkirche, zu der alle Waldheimer eingeladen waren. „Ich habe mich gefreut, dass die Kirche voll war und die Situation ging mir unter die Haut, weil ich zum ersten Mal in einer Kirche sprechen durfte“, erzählt der heute 81-Jährige. Auch Franz Xaver Rößle (heute 77) und der damalige Pfarrer Ulrich Schleinitz sprachen. Dazwischen spielte die Kapelle.

Bauboom nach der Wende

Während der Unterzeichnung der Urkunde am nächsten Tag standen Jost Handtrack aus Landsberg und Dietmar Hack aus Waldheim hinter den Bürgermeistern. Handtrack und Hack kannten sich aus Kindertagen und waren die eigentlichen Initiatoren der Partnerschaft. Sie hatten die Städte aufeinander aufmerksam gemacht.

Durch die Verbindung der sächsischen mit der bayrischen Stadt hat sich Waldheim in den ersten Jahren nach der Wende rasant entwickelt. „Die größte Investition war der Bau von 850 Wohnungen. Es entstanden die Wohngebiete an der Fröbelstraße, am Wiesengrund und an der Schillerstraße“, erklärt Karl-Heinz Teichert.

Drei Landsberger hätten diese Großprojekte finanziert, einer auch einen Baumarkt errichtet, in dem die Gewerbetreibenden ihr Material einkaufen konnten. Teichert ist bis heute beeindruckt: „Solche schönen Fliesen hatte ich noch nie gesehen.“ Auch Schulungen für die Waldheimer Handwerker und Bauherren gab es dort. 115 Handwerksbetriebe seien in dem Sog der Neubauten entstanden. Denn viele Branchen hätten einen regelrechten Boom erlebt. Teichert nennt als Beispiel die Installation von Heizungen: „Im Jahr 1990 hatten 92 Prozent der Waldheimer Wohnungen Ofenheizung. 1995/96 war das Verhältnis umgekehrt.“

Ein Trabi als Geschenk

Auch die Zusammenarbeit der Landsberger mit den Waldheimer Vereinen sei damals sehr intensiv gewesen und halte teilweise bis heute. Anfang der 1990er habe es in der Zschopaustadt etwa 50 Vereine gegeben, inzwischen sind es mehr als 60. Die Landsberger haben bei der Vereinsgründung geholfen. „Ein Stadtrat aus Landsberg war wochenlang bei uns und hat die Vereine begleitet, bis sie Fuß gefasst hatten“, sagt Teichert.

Die Landsberger haben die Waldheimer auf fast allen Gebieten unterstützt: Abwasser, Steuer- und Bankwesen, Schulen und Medizin. Die Waldheimer Ärzte haben gebrauchte medizinische Geräte von den Landsberger Ärzten erhalten. „Auch, wenn das mancher negativ gesehen hat. Für uns war das ein Qualitätssprung“, meint Teichert.

Bei der einen oder anderen Gelegenheit wurden zudem Gastgeschenke überreicht. Darunter war ein ganz Spezielles: ein Trabant, der von der Zschopau an den Lech fuhr. Die eine Stadt hatte ihn der anderen geschenkt. Und die Mitarbeiter des Landsberger Bauhofes ließen die ganze Bevölkerung teilhaben. Nach deren Arbeitszeit konnten die Landsberger – unter Anleitung – eine Runde Trabi fahren.

Stammtisch für Rückkehrwillige

Der große Aufschwung ist Vergangenheit, viele Kontakte sind geblieben. Viermal im Jahr fahren Waldheimer zu einem Stammtisch nach Landsberg. Bei diesem treffen sie nicht nur Einheimische, sondern vor allem Waldheimer, die die dorthin gezogen sind. Einige hätten die Zschopaustädter schon zur Rückkehr bewegen können. Andere kündigen diese an, sobald sie im Rentenalter sind.

Offizielle Treffen der Rathauschefs gibt es heute vor allem beim Ruethenfest in Landsberg und dem Waldheimer Stadtfest. „Wenn wir zu Pfingsten in unsere ungarische Partnerstadt Siófok fahren, sind die Landsberger auch dabei“, sagt Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP).

Eine gute Verbindung bestehe zwischen einigen Sportgruppen. Manche, wie die Tennis- und Tischtennisspieler, nutzen die Feste für Freundschaftsturniere. Nach wie vor erhalten auch die Schulen Unterstützung von der Matthees-Förderstiftung. Die Oberschule Waldheim konnte dadurch digitale Technik anschaffen. Die Grundschule bekam neue Möbel für Klassenzimmer, und die Förderschule erhielt Zuschüsse für das Kletterprojekt und Ferien-Ausflüge in die Sächsische Schweiz.

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