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Waldheimer Skater bedrohen die Stadt

Eigentlich müsste die Kommune Anzeige erstatten. Der Bürgermeister geht aber einen anderen Weg.

Hausmeister Andreas Kügler hat die Schmierereien an der Tür des Jugendfreizeitzentrums in Massanei beseitigt.
Hausmeister Andreas Kügler hat die Schmierereien an der Tür des Jugendfreizeitzentrums in Massanei beseitigt. © Elke Braun

Waldheim. Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) ist verärgert. Mit einem schwarzen wasserfesten Stift haben Unbekannte die Eingangstür des Freizeitzentrums „Checkpoint“ in Massanei beschmiert.

Sie machen damit offensichtlich ihrem Ärger Luft, dass die Halfpipe auf dem Gelände des Sportplatzes abgerissen worden ist. „Wir hoffen sehr, dass die Straftat (Abriss der Halfpipe) in Kürze per Selbstjustiz mit einer neuen Halfpipe geahndet wird! Bei Verweigerung des Schadenersatzes werden weitere Beschmierungen folgen“, steht auf der weißen Kunststofftür.

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Nutzung der Halfpipe zu gefährlich

Wie Steffen Ernst sagte, ist die Halfpipe tatsächlich vor wenigen Tagen abgebaut worden. Die Bahn, auf der Jugendliche mit Skateboards oder Inline-Skatern Kunststücke und Sprünge vollführen, sei vollkommen verschlissen gewesen. „Teilweise waren die Balken durchgefault“, erzählt er. 

Weil die Halfpipe im Stadion Massanei wegen großer Mängel abgebaut werden musste, beschmierten offensichtlich ehemalige Nutzer die Tür des Freizeitzentrums "Checkpoint".
Weil die Halfpipe im Stadion Massanei wegen großer Mängel abgebaut werden musste, beschmierten offensichtlich ehemalige Nutzer die Tür des Freizeitzentrums "Checkpoint". © privat

Eine Zeit lang habe die Verwaltung versucht, die Jugendlichen durch eine Absperrung mit Flatterband von der Benutzung der Halfpipe abzuhalten – ohne Erfolg. Deshalb sei der Entschluss, das Gerät abzubauen, unumgänglich gewesen. „Eine Reparatur wurde wegen der immensen Kosten, die diese verursacht hätte, verworfen“, so Ernst.

Bürgermeister sucht das Gespräch zu den Jugendlichen

Nun will der Bürgermeister einen außergewöhnlichen Weg gehen und versuchen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. „Wir verstehen euren Kummer. Uns selbst macht es keinen Spaß, eine Einrichtung der Freizeitgestaltung abbauen zu müssen“, schreibt er in einem offenen Brief. Und weiter: „Diesem Frust Luft zu machen, verstehen wir – die Art und Weise leider nicht!“ Trotzdem will Ernst mit den Jugendlichen an der Lösung des Problems arbeiten. „Kommt auf uns zu und lasst uns gemeinsam sprechen. Schreibt uns auch gerne wieder an, aber nutzt doch einfach unseren Briefkasten“, so der Bürgermeister weiter.

Hohe Kosten durch Sachbeschädigungen

Ernst bietet den Jugendlichen an, in diesem Fall von einer weiteren strafrechtlichen Verfolgung des Vorfalls abzusehen, ebenso von einer Aufzählung der Kosten, welche der Stadt jährlich durch Schmierereien, Graffiti und weitere Sachbeschädigungen entstehen. „Wir wollen die Hinweise Ernst nehmen." Eine neue Halfpipe zu bauen, sei aus finanzieller Sicht aber derzeit nicht möglich.

Der Hausmeister des Jugendfreizeitzentrums Andreas Kügler hat inzwischen die Tür geschrubbt und die Schmierereien entfernt. Er bestätigt, dass von der Halfpipe eine große Gefahr ausging. „Die war nicht nur morsch, sondern auch der Belag defekt, und das Geländer fehlte. Wenn da einer runter gefallen wäre, hätte er sich schwer verletzen können“, sagt er. 

Gelände auch nachts nicht verschlossen

Teilweise hätten die Jugendlichen aber die Bahn augenscheinlich selbst zerstört. Kügler bemängelt in diesem Zusammenhang, dass das Stadion-Gelände auch nachts frei zugänglich ist. „Sportplätze sind überall eingezäunt, nur dieser hier nicht“, sagt er. Oft sei ihm schon erzählt worden, dass junge Leute mit ihren Mopeds im Stadion herumfahren.

Die Kindervereinigung Leipzig hat das Jugendfreizeitzentrum in Massanei von der Stadt gepachtet und unterbreitet dort Freizeitangebote – seit längerem allerdings in abgespeckter Form. Schuld daran ist nicht nur die Corona-Pandemie. Seit Monaten ist die Personalsituation alles andere als rosig. Die Leiterin hatte im Frühjahr die Einrichtung verlassen. Seitdem stemmt Erzieher Justin Knop die Angebote in der  Freizeiteinrichtung mehr oder weniger allein. Wie Bürgermeister Steffen Ernst sagte, sei noch im Oktober ein Gespräch mit der Kindervereinigung Leipzig geplant.

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