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Waldheims Eisenbahnfreunde "rüsten" auf

Mit einem neuen Personenwagen sowie zwei frisch ausgebildeten Lokführern soll es bald wieder auf die Strecke gehen. Doch noch zeigt das Signal rot.

Wolfgang Felber streicht das Untergestell für den neuen Personenwagen, den die Mitglieder der Rauschenthalbahn aufbauen.
Wolfgang Felber streicht das Untergestell für den neuen Personenwagen, den die Mitglieder der Rauschenthalbahn aufbauen. © Dietmar Thomas

Waldheim. Selbst wenn sie könnten, dürften sie noch nicht fahren. Die Corona-Schutzverordnung des Freistaates bremst nicht nur die Döbelner Pferdebahner aus, die am Wochenende in die Saison starten wollten. Auch die Mitglieder der Rauschenthalbahn müssen sich noch gedulden, bis Sachsen touristischen Bahnen grünes Licht gibt.

Bei den Rauschenthalbahnern könnte das sogar noch etwas länger dauern. Sie werden zusätzlich durch ihre Technik ausgebremst. Ihre beiden Lokomotiven sind nicht einsatzbereit. Die Lagerbuchsen der einen werden in einer Werkstatt in Oberwiesenthal instand gesetzt.

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Erst wenn die wieder eingebaut sind und die Testfahrt erfolgreich war, kann es auf die Strecke gehen. Die wird inzwischen vorbereitet. Sie muss zum Beispiel von grünem Wildwuchs befreit und kontrolliert werden.

Mit einem neuen Wagen auf die Strecke

Auf rund 1,5 Kilometern können die Freizeiteisenbahner Besucher „durch eine herrliche Landschaft“ chauffieren, wie Wolfgang Felber schwärmt. Er schaut nur kurz von seiner eigentlichen Arbeit mit Pinsel und Farbeimer auf. Felber streicht das Untergestell des neuen Aussichtswagens.

Das ist – nach einem Vorbild bei der Chemnitzer Feldbahn – mit Drehgestelllagern versehen. Die haben Vereinschef Hans-Rainer Fischer und sein Stellvertreter Andreas Röder vom Schrottplatz geholt. Die Technik soll unter anderem Unebenheiten im Streckenverlauf ausgleichen.

Auch den weiteren Aufbau des neuen Aussichtswagens übernehmen die Ehrenamtlichen selbst. Die Besucher werden dann später auf Holzbänken nebeneinandersitzen. Bei den bisherigen Cabrio-Anhängern sitzen die Gäste Rücken an Rücken. Dem Vergnügen hat das bislang keinen Abbruch getan.

Letztmalig hat es das zum Schulanfang 2020 gegeben. Dieser Termin steht auch 2021 wieder im Kalender der Rauschenthalbahner. Dann wollen sie Familien mit Kindern mit auf Tour nehmen – und bei dieser Gelegenheit um Mitglieder werben.

Kräftige und zupackende Helfer gesucht

Rund 15 Mitstreiter hat Hans-Rainer Fischer im Moment hinter sich. Doch kaum eine Hand voll ist aktiv. Manch einer kann aus gesundheitlichen Gründen nicht an Arbeitseinsätzen teilnehmen. Aber bisweilen stehen auch Reparaturen an den Gleisen an, sind Schienenstöße zu richten. „Dafür könnten wir gut kräftige Männer gebrauchen, denn die Arbeit ist schon schwer“, sagt der Vorsitzende.

Er würde sich genauso über Helfer freuen, die weniger kräftig, dafür aber beherzt zupacken können. „Hier im Bahnhofsbereich muss jetzt bei der Witterung fast unentwegt Rasen gemäht werden“, so Fischer. Zu tun gebe es genug.

Vereinschef Hans-Rainer Fischer an der noch nicht wieder fahrbereiten Lok. Teile davon sind zur Reparatur.
Vereinschef Hans-Rainer Fischer an der noch nicht wieder fahrbereiten Lok. Teile davon sind zur Reparatur. © Dietmar Thomas
Die eine oder andere alte Lokomotive benötigen die Kleinbahner für die Ersatzteilgewinnung.
Die eine oder andere alte Lokomotive benötigen die Kleinbahner für die Ersatzteilgewinnung. © Dietmar Thomas
Das Angebot von Fahrtagen kommt gut an. Wann der erste in diesem Jahr sein wird, steht noch nicht fest.
Das Angebot von Fahrtagen kommt gut an. Wann der erste in diesem Jahr sein wird, steht noch nicht fest. © Thomas Kube
Über die Eisenbahnbrücke zwischen Reinsdorf und Waldheim ist lange kein Zug mehr "geschnauft". Das hat verschiedene Gründe.
Über die Eisenbahnbrücke zwischen Reinsdorf und Waldheim ist lange kein Zug mehr "geschnauft". Das hat verschiedene Gründe. © Dietmar Thomas
Im Moment fährt vom Bahnhof in Unterrauschenthal kein Zug - nach nirgendwo.
Im Moment fährt vom Bahnhof in Unterrauschenthal kein Zug - nach nirgendwo. © Dietmar Thomas
Andreas Röder richtet die Stöße der Schienen. Das ist nötig, weil nach dem einen oder anderen Austausch nicht alles sofort 100-prozentig zusammenpasst.
Andreas Röder richtet die Stöße der Schienen. Das ist nötig, weil nach dem einen oder anderen Austausch nicht alles sofort 100-prozentig zusammenpasst. © Dietmar Thomas

Das trifft auch auf die Tage zu, an denen wieder Züge verkehren. Damit diese Einsätze für die bisherigen Lokführer weiterhin gut zu schaffen sind, auch einmal mit Ersatz geplant werden kann, befinden sich zwei weitere Leute in der Ausbildung. Weiteres Personal wird dann aber auch auf der Strecke benötigt. Unter anderem ist der Bahnübergang zu sichern.

Die Lokreparaturen zu beenden, den neuen Aussichtswagen fertigzustellen und die Strecke an Wochenenden wieder zu beleben, das ist für die Eisenbahn-Enthusiasten das nächstliegende Ziel. Eine Vision haben sie natürlich auch: Mit den Zügen bis nach Waldheim auf den Bahnhof zu fahren – oder zumindest bis zum Haltepunkt Schillerhöhe, was ziemlich am Anfang der Vereinstätigkeit schon einmal möglich war.

Brücke Schillerhöhe weiterhin unpassierbar

Im Moment ist schon ein ganzes Stück vor der Schillerhöhe Endstation: Die Eisenbrücke am Lindenhof, im Volksmund auch „Krummer Hund“ genannt, ist für den Bahnverkehr gesperrt.

Zum einen, weil es eine Grundsanierung des Bauwerks geben müsste, zum anderen, weil es nach wie vor Sturmschäden an den Geländern zu beseitigen gilt. Ob und wann da etwas passiert, vermag Hans-Rainer Fischer nicht zusagen. „Wir sind nur Nutzer. Die Lindenhofbrücke gehört der Stadt.“

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Weil die Bahnfreunde in dieser Richtung nicht vorankommen, konzentrieren sie sich auf das, was sie selbst bewerkstelligen können. „Wir wollen hier auf unserem Bahnhofs- und Vereinsgelände etwas schaffen. Und wenn wir etwas vorweisen können, dann haben wir womöglich auch die Chance auf irgendeine Art der Förderung“, so der Vorsitzende. Bislang sei da nichts gelungen.

Umso dankbarer sei der Vorstand den Unterstützern, die sich materiell und finanziell einbringen. Zumindest aus dieser Sicht und mit noch ein paar engagierten Helfern sieht Fischer die Weichen für den Verein in die richtige Richtung gestellt.

Hinweis: Wer mehr über die Rauschenthalbahn und die Arbeit der Kleinbahner wissen oder Kontakt zum Verein aufnehmen will, findet alle Angaben dazu auf der Internetseite.

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