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Döbeln

Was ist das Döbelner Rathaus wert?

Zum ersten Mal weiß die Stadt, wie groß ihr Vermögen ist. Das war ein Heidenaufwand. Aber wofür braucht man das?

Das Döbelner Rathaus aus der Vogelperspektive. 1912 war es eingeweiht worden. Mehr als 100 Jahre später ist es noch 2,2 Millionen Euro wert.
Das Döbelner Rathaus aus der Vogelperspektive. 1912 war es eingeweiht worden. Mehr als 100 Jahre später ist es noch 2,2 Millionen Euro wert. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Döbelner Rathaus, 1912 eingeweiht in einer Zeit, als Döbeln sehr wohlhabend war. Das sieht man auch. Aber wie viel ist so ein schmucker Verwaltungssitz heute wert? Diese Frage hatte sich bis vor ein paar Jahren in Döbeln niemand ernsthaft gestellt, geschweige denn beantwortet. Jetzt gibt es eine Antwort: Das Rathaus ist per 1. Januar 2015 2,2 Millionen Euro wert.

Wie das berechnet wird, dafür gibt es genaue Regeln, sagte Döbelns Kämmerer Gerd Wockenfuß. „Da werden 80 Jahre Nutzungsdauer angesetzt. In den 1990er Jahren hatte es Sanierungsarbeiten gegeben. Damit ergab sich eine Restnutzungsdauer von 13 Jahren. Mit jeder Baumaßnahme kann sich das weiter verlängern.“

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185 Millionen Euro Vermögen

Aber warum muss eine Stadtverwaltung das alles so genau wissen? Für die sogenannte Eröffnungsbilanz, die nach der Umstellung von der sogenannten Kameralistik auf die Doppik notwendig wurde. Die Kommunen in Deutschland planen und rechnen seit ein paar Jahren mit der doppelten Buchführung wie Firmen. Dafür ist eine Eröffnungsbilanz notwendig. Die hat Döbeln sechs Jahre später vom Stadtrat bestätigt vorliegen.

Das Ergebnis: Döbeln hat ein Vermögen von 185 Millionen Euro. Das sind Gebäude, Grundstücke, Straßen und Brücken, Kindergärten und Schulen. Aber auch technische Geräte und Fahrzeuge. In einer Inventur war alles erfasst worden. Das ging schon 2012 los, als eine Firma mit einem Spezialfahrzeug sämtliche Straßen in Döbeln aufnahm. Alle Vermögensgegenstände ab einem Wert von 1.000 Euro seien dabei erfasst worden. „Wir haben jetzt nicht jeden Bleistift aufgenommen“, sagte Wockenfuß.

Grundstücke für 52 Millionen

Döbeln besitzt demnach bebaute Grundstücke im Wert von 41 Millionen Euro. Die unbebauten Grundstücke sind etwa elf Millionen Euro wert. Fast schon bescheiden wirkt der Wert von Betriebs- und Geschäftsausstattungen: Mit rund 1,1 Millionen Euro sind Möbel und technische Geräte in den Schulen und Einrichtungen der Stadt bewertet.

Auch nicht klein: Das sogenannte Finanzanlagevermögen. Rund 22,5 Millionen Euro besitzt die Stadt mit ihren Anteilen an den Stadtwerken, der DWVG, dem Seniorenhaus am Südhang, dem Mittelsächsischen Theater. Dazu kommen Beteiligungen am Wasserverband Döbeln-Oschatz und den AZVs in Döbeln und Waldheim. Mit rund 420.000 Euro ist Döbeln an der Envia beteiligt. Die Anteile wurden von Ebersbach und Ziegra mitgebracht.

13 Millionen liquide Mittel

Dazu kommen Maschinen und Fahrzeuge im Wert von rund 2,5 Millionen Euro, die vor allem vom Bauhof und der Feuerwehr genutzt werden. Die neue Drehleiter, die erst Ende vergangenen Jahres angeschafft wurde, ist in dieser Berechnung aber noch nicht enthalten.

Auch auf der hohen Kante hat die Stadt einiges Vermögen liegen. 2015 hatte die Stadt acht Millionen Euro liquide Mittel. Diese Summe ist mittlerweile auf 13 Millionen angewachsen. „Wir haben in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet“, sagte Wockenfuß. Auch in der Finanzkrise und bei den Hochwässern hätten die Stadt keine der sogenannten Kassenkredite zur Überbrückung von finanziellen Engpässen aufnehmen müssen.

Keine neuen Schulden

2003 hatte die Stadt Kredite von ihrem überschuldeten Wohnungsunternehmen DWVG übernommen. Seit Jahren nimmt die Stadt keine neuen Schulden mehr auf, sondern baut eine halbe Million Euro pro Jahr ab. Anfang des Jahres lag die Verschuldung bei rund elf Millionen Euro.

Diese Kredite seien vor allem in den 1990er-Jahren aufgenommen worden, als die Stadt unter anderem die Gewerbegebiete in Döbeln Ost erschlossen, die Stadtsporthalle und ein weiteres Schulgebäude fürs Gymnasium gebaut hatte. Die Stadt profitiert allerdings von den extrem niedrigen Zinsen. Alle diese Altkredite seien mittlerweile umgeschuldet, sodass Zinsen unter einem Prozent fällig werden, sagte Wockenfuß. „In den besten Zeiten waren das sechs bis sieben Prozent.“

Geringere Steuereinnahmen

Der Stadtrat hatte auch den Doppelhaushalt für dieses und nächstes Jahr bestätigt. Die Stadt wird jeweils rund 46 Millionen Euro ausgeben. „Wir sind mit den Planungen vorsichtig reingegangen. Mal sehen, wie wir über die Runden kommen“, sagte Wockenfuß. Wegen Corona rechnet die Stadt mit geringeren Steuereinnahmen. In Summe bedeutet das acht Millionen Euro Gewerbesteuer statt 8,6 Millionen im vergangenen Jahr.

Der Anteil an der Einkommenssteuer wird um eine halbe Million Euro niedriger angesetzt mit 6,2 Millionen Euro. Aus der Grundsteuer kommen rund 2,7 Millionen Euro. Eine Erhöhung der Gewerbe und Grundsteuer ist nicht vorgesehen. „Mit unseren Hebesätzen sind wir unter dem sächsischen Durchschnitt“, sagte Wockenfuß.

Fünf Millionen Euro werden investiert

Jeweils rund fünf Millionen Euro will die Stadt in diesem und nächsten Jahr investieren. Ein dicker Brocken ist 2021 die Digitalisierung der Schulen mit allein rund 1,2 Millionen Euro. Jeweils rund eine Million Euro ist in diesem und den beiden darauffolgenden Jahren für die Neugestaltung des Bürgergartens vorgesehen.

Ab kommenden Jahr bis 2024 ist auch der grundhafte Ausbau der Heinrich-Heine-Straße in zwei Abschnitten geplant. Für Mochau sieht der Plan ab nächstes Jahr den Neubau der alten Brücke an der Grundschule und den grundhaften Ausbau der Siedlungsstraße vor.

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