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Was wird aus dem GaWaRi?

Das Gestrüpp rund um den alten Waldheimer Gasthof ist entfernt worden. Kommt jetzt der Abriss des maroden Gebäudes?

Die Besitzerin hat das Gestrüpp rund um den alten Gasthof entfernen lassen. Jetzt kommt der miserable Bauzustand einmal mehr zum Vorschein.
Die Besitzerin hat das Gestrüpp rund um den alten Gasthof entfernen lassen. Jetzt kommt der miserable Bauzustand einmal mehr zum Vorschein. © Christian Essler

Waldheim. Einst gehörte der alte Gasthof Waldheim-Richzenhain – kurz GaWaRi – zu den ansehnlichsten Gebäuden von Waldheim. Inzwischen ist er einer der letzten großen Schandflecke der Zschopaustadt. Das Gebäude verfällt immer mehr.

Jetzt ist ein großer Teil des Wildwuchses rund um das marode Haus entfernt worden. Einige Waldheimer fragen sich deshalb, ob sich die Besitzerin der Immobilie nun doch für einen Abriss entschieden hat.

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Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) ist davon allerdings nichts bekannt. Die Stadt hatte die Eigentümerin lediglich dazu aufgefordert, den Bewuchs zu minimieren. So werde mit allen Besitzern von Grundstücken verfahren, die sich in einem verwilderten Zustand befinden.

Stadt fehlt die rechtliche Handhabe

Steffen Ernst beschäftigt sich schon lange mit dem GaWaRi und er habe versucht, mit der aus Bayern stammenden Eigentümerin eine Lösung herbeizuführen. Vor vier Jahren hatte die Stadtverwaltung die Besitzerin aufgefordert, das Gebäude zu sichern. Die Eigentümerin, die für das Grundstück und Gebäude einen Verwalter eingesetzt hat, ließ damals schon das Gestrüpp entfernen und das Gelände einzäunen.

Wie es nun weitergeht, darüber gibt es laut Steffen Ernst keine neuen Erkenntnisse. „Uns fehlt hier die rechtliche Handhabe“, so Ernst. Da das Gebäude nicht direkt an der Straße steht, sei von einer Gefährdung des öffentlichen Verkehrs nicht auszugehen.

Aus Saal wurde Lager

Erbaut worden ist der Gasthof um das Jahr 1835 als Vierseitenhof von Carl Friedrich Klinger. Denn auf dem Schlussstein seien die Initialen CFK zu finden, heißt es im Waldheimer Heimatblatt 34. Das beschäftigt sich mit alten Gaststätten, Restaurants, Hotels und Cafés.

Im Jahr 1898 sei die Genehmigung für den Bau des Ballsaals erteilt worden. Einschließlich Tanzdiele, Bar, Biertunnel und Kaffeestube soll es darin mehr als 1.150 Sitzplätze gegeben haben. Dazu kam ein Garten mit Tanzfläche, der Platz für etwa 1.000 Personen bot. Laut Heimatblatt gehörten auch ein Sportplatz, eine Kegelbahn und ab 1934 eine Schießanlage für Kleinkaliber zum GaWaRi, vor dem sich außerdem eine Tanksäule befand.

Bereits 1959 wurde der große Saal geschlossen und sechs Jahre später auch die Schankstube dichtgemacht. Die Großhandelsgesellschaft Lebensmittel habe den Saal bereits 1960 umgebaut und fortan als Lager genutzt. Nach 1990 stürzte die Saaldecke ein und seitdem ist das Gelände dem Verfall preisgegeben.

Schandfleck der Woche im MDR

Der MDR „Sachsenspiegel“ stellte den GaWaRi in Waldheim im Oktober 2005 als „Schandfleck der Woche“ vor. Gleich drei Waldheimer hatten die Redakteure damals auf den maroden Zustand des Gasthofes aufmerksam gemacht.

Während der Dreharbeiten hatte der damalige Bürgermeister Steffen Blech (CDU) von Plänen für den Gasthof gesprochen. Damals hoffte er, dass es im Jahr 2006 „Bewegung geben wird“. Doch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. 

Zwar habe die Besitzerin aus Bayern durchaus Vorstellungen von der Nutzung des GaWaRi gehabt. Fördergelder gab es dafür allerdings nicht. Wohl deshalb liegen die Pläne auf Eis. Alle Bemühungen der Waldheimer Stadtverwaltung, eine Lösung zur Beseitigung der Ruine zu finden, scheiterten bisher. Auch das Angebot der Stadt, einen Abriss zu unterstützen, habe die Besitzerin ausgeschlagen. (mit fk)

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