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Welle der Solidarität für Schmiedewerker

Sie kämpfen nicht allein um ihre Jobs. Das haben die Mitarbeiter von Frauenthal gemerkt. Es gibt von vielen Seiten Unterstützung.

Schmiedewerker und Roßweiner haben am Samstag gemeinsam gegen die geplante Schließung des Frauenthal-Werkes in Roßwein demonstriert. Es geht um 110 Arbeitsplätze und einen Traditionsbetrieb.
Schmiedewerker und Roßweiner haben am Samstag gemeinsam gegen die geplante Schließung des Frauenthal-Werkes in Roßwein demonstriert. Es geht um 110 Arbeitsplätze und einen Traditionsbetrieb. © Lars Halbauer

Von Lars Halbauer

Roßwein. 
Grauen Wolken ziehen über Roßwein auf, das Wetter ist solidarisch mit der Stimmung der versammelten Mitarbeiter der Frauenthal Powertrain GmbH auf dem Marktplatz. Die IG Metall hatte für Samstag zur Demo gegen die Werksschließung aufgerufen. Mit einem Protestzug vom Marktplatz zum Schmiedewerk an der Goldbornstraße wollten die 110 Beschäftigten auf sich und ihre schwierige Lage aufmerksam machen.

Protestrufe wie „Was wollen wir? Die Schmiede bleibt hier“ hallen durch die Innenstadt. Mit Trillerpfeifen und Paukenschlägen kämpfen die Mitarbeiter gemeinsam mit der IG Metall um Gehör.

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„Nächste Woche werden die Sozialtarifverhandlungen aufgenommen. Eine Werksschließung zum 31. Dezember dieses Jahres soll nicht das Ziel sein. Und wenn, dann muss es einen sauberen Ausstieg, vor allem finanziell geben,“ sagt Willi Eisele von der IG Metall.

Zu einem Aus soll es gar nicht erst kommen, wenn es nach Hans-Joachim Porst, dem Betriebsratsvorsitzenden, geht. „Wir haben so viele Jahre Betriebsgehörigkeit hier zu stehen. Die Männer und Frauen wollen arbeiten und sind auch für eine neue Ausrichtung offen“, versichert er, dass er und seine Kollegen längst noch nicht aufgeben wollen.

„Die Produktion besteht aktuell aus Zubehörteilen wie Pleuelstangen für Verbrenner-Motoren. Es kann doch aber auch für andere Bereiche produziert werden, Bahnbetriebe, öffentliche alternative Verkehrsmittel oder auch Zubehörteile für die Krankenpflege – es gibt durchaus Möglichkeiten“, so der Betriebsratschef. „Allerdings liegt zwischen unseren Vorstellungen und dem, was Frauenthal uns anbietet, derzeit noch viel Nebel. Das aktuell unterbreitete Angebot war eine Sauerei“, sagt Porst frei heraus. „Wir sind aus den Gesprächen geläutert rausgegangen.“Am Montag wird ein Vorschlag des Sozialplanes übergeben. Kommt es zu keiner Einigung, sind auch Warnstreiks möglich. Ziel sei auch, Zeit zu gewinnen, um neue Aufträge für den Standort zu akquirieren“ so IG-Metaller Eisele.

Neben den Protestierenden steht der zwölfjährige Hannes aus Roßwein mit seiner Familie. Sie will die Mitarbeiter durch ihre Präsenz vor Ort unterstützen. Die Oma war früher Schmiedewerkerin. Für die Familie – und auch viele andere Einwohner – gehört das Schmiedewerk einfach zu Roßwein dazu. Hannes wundert sich: „Warum muss so eine große Firma, die schon so viele Jahre da ist, schließen? Das ist komisch.“

Ein Zug aus gut 200 Menschen setzt sich schließlich lautstark in Bewegung. Die Beteiligten tragen Plakate und einen Grabstein. Rauchkerzen unterstreichen die Untergangsstimmung, die auch ein als Sensenmann verkleideter Teilnehmer symbolisiert. Von der Polizei angeführt, geht es Richtung Schmiedewerk. An den Ausfallstraßen bilden sich kurze Staus. Die meisten Autofahrer nehmen es gelassen. Nur ein Senior hat es zu eilig und versucht, fluchend zu wenden.

Auf der Muldenbrücke stoppt der Protestzug. Es gesellen sich hier noch einige Roßweiner dazu. Befreundete Betriebsräte wie der Nudelfabrik Riesa und der Schmiedewerke Colditz zeigen sich solidarisch und rufen motivierende Durchhalteparolen.

Dem Protestzug folgt auch Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Er ermutigt die Arbeiter in einer Ansprache vor dem Fabrikgelände, nicht nachzugeben und sichert erneut die Unterstützung der Kommune zu. Auch der zweite stellvertretende Bürgermeister Peter Krause, selbst ehemaliger Stahlwerker, ermuntert seine einstigen Kollegen, sich nicht aufs Schafott führen zu lassen. „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, zitiert Krause den angeblich von Berthold Brecht stammen den Satz.

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In einer Resolution kritisieren am Sonnabend die mittelsächsischen Sozialdemokraten die angekündigte Schließung des Frauenthal-Werkes in Roßwein. „Die Menschen verlieren nach Jahren der harten und zuverlässigen Arbeit ihre Jobs, einfach so“, so Henning Homann, Vorsitzender des SPD-Mittelsachsen und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. „Wir halten es für falsch, dass große Konzerne mit der Ausrede Corona oder Strukturwandel in der Automobilindustrie ihre Pläne für Stellenstreichungen durchsetzen.“ Die eigentliche Ursache liege darin, dass die Konzernführungen es versäumt habe, frühzeitig neue Geschäftsfelder zu erschließen und in neue Technologien zu investieren. (mit sig)

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