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Wenn Liebe zu exzessiver Gewalt wird

Ein Döbelner hat mehrere Frauen schwer misshandelt. Nun stand er vor dem Amtsgericht. Das Urteil fällt für den 14-fach Vorbestraften milde aus.

Der Angeklagte wurde vor allem gegen Frauen gewalttätig.
Der Angeklagte wurde vor allem gegen Frauen gewalttätig. © dpa

Döbeln. Es war ein erschreckendes Gewalt- und Aggressionspotenzial, das bei der Gerichtsverhandlung gegen einen 42-jährigen Döbelner zutage trat. Eine ganze Serie von Gewalttaten des ehemaligen Drogenkonsumenten drehten sich um eine 19-Jährige, die Ex-Freundin des Angeklagten. Liebe und Hiebe, so könnte man das Verhältnis der beiden beschreiben. 

Auf der einen Seite wollte der Angeklagte der jungen Frau, die ebenfalls drogenabhängig war, helfen. Auf der anderen Seite wandte er fast schon exzessive Formen der Gewalt gegen sie an.

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Joghurtglas über den Kopf gezogen

Im Juli vergangenen Jahres hatte er in der Wohnung eines Freundes, bei dem sie sich aufhielt, dreimal mit einem 500-Gramm-Joghurtglas auf den Kopf und das Gesicht der Frau eingeschlagen und sie getreten. Eine Polizistin, der mit einem Kollegen zuerst am Tatort war, schilderte, wie sie die Frau blutüberströmt am Boden fand. 

„Wir dachten gleich an eine lebensbedrohliche Lage“, sagte sie. Die Frau wurde dann mit dem Rettungshubschrauber nach Leipzig in die Uni-Klinik gebracht. „Wir bekamen dann von der Klinik die Nachricht, dass sie in Lebensgefahr schwebt.“ 

Sorgen bereiteten den Ärzten dabei besonders ein Hämatom an der Leber der Patientin, das sich nach massiver Gewalteinwirkung gebildet hatte. Es bestand die Gefahr von inneren Blutungen.

Die Patientin selbst empfand ihre gesundheitliche Lage offensichtlich als nicht so bedrohlich. Sie ließ sich noch am gleichen Tag auf eigenes Risiko aus der Klinik entlassen und wurde am Nachmittag schon wieder in Döbeln gesichtet.

Verärgerter Nebenkläger

Zur Debatte stand in der Verhandlung auch der Umstand, dass der Angeklagte der jungen Frau ein T-Shirt ins Gesicht gepresst hatte. Das Gericht nahm ihm aber schließlich ab, dass er sein Opfer nicht ersticken, sondern die Blutung stillen wollte.

Im November vergangenen Jahres eskalierte die Situation erneut. Der Angeklagte trat die Tür zur Wohnung seiner Ex-Freundin ein, vermöbelte sie nach Strich und Faden, schlug sie und trat mit Stahlkappenschuhen auf sie ein. Wieder wurde sie unter anderem im Gesicht erheblich verletzt, wobei dem Gericht in diesem Falle kein medizinisches Gutachten zu Umfang und Schwere vorlag.

Rechtsanwalt Thomas Fischer vertrat als Nebenkläger die junge Frau vor Gericht. Ihn verärgerten die Aussagen und mangelnde Einsicht des Angeklagten. Vor allem, dass dieser angab, er habe der Frau nur den Inhalt des Joghurtglases ins Gesicht schütten wollen, um sie zu beruhigen. 

„Es war für den Schädiger kein Signal, als sie mit dem Rettungshubschrauber weggebracht wurde. Das reichte nicht bis zum 8. November, als er mit dem Fuß auf sie eintrat – und das alles nur aus Liebe“. Er habe sich so ein 500-Gramm-Joghurtglas angeschaut. „Das ist sehr stabil und es ist in einem weichen Körperteil zerschlagen worden. Beim zweiten Mal lag sie schon auf dem Boden und er hört immer noch nicht auf.“

Lockere Zähne nach Körperverletzung

Fischer forderte für seine Mandantin ein Schmerzensgeld von 9.000 Euro für die beiden Taten. Der Verteidiger des Angeklagten hielt die Summe für unangemessen. Er bezweifelte, dass die Angeklagte ein Interesse an einem so hohen Schmerzensgeld habe. 

Zumal die beiden wieder Kontakt hätten und er ihr schon wieder um die 1000 Euro in Form von Geschenken wie einem Tablet, Kleidung, Taschengeld und die Kaution für ihre neue Wohnung hatte zukommen lassen. Der Angeklagte, der nach einer schweren Augenverletzung nicht arbeiten kann, lebt von 900 Euro Krankengeld im Monat. 

Am Ende einigt man sich auf eine deutlich geringere Summe, nämlich 4.000 Euro, die der Angeklagte an seine Ex-Freundin zahlen soll.

Das erhebliche Gewaltpotential des Angeklagten wurde in der Verhandlung auch an zwei anderen Fällen deutlich. In einem schlug er den Bekannten der Ex-Freundin mit einer Hundeleine und verletzte ihn am Ohr und am Hals. 

In einem anderen Fall griff er eine 36-Jährige am damaligen Wohnort seiner Ex-Freundin an. Die Frau hatte den Angeklagten dabei beobachtet, als er in einer Papiertonne im Hof des Hauses wühlte. Als sie ihn aufforderte, das sein zu lassen und am Ärmel zog, drehte er sich um und versetzte der Frau einen Kopfstoß ins Gesicht. Danach war ein Stiftzahn verbogen und mehrere Schneidezähne locker. Sie sei zwei Wochen krank gewesen, sagte die Frau.

Angeklagter mit 14 Vorstrafen

Die Faustschläge gegen eine weitere Frau, wegen denen der Döbelner angeklagt war, konnten dagegen nicht bewiesen werden. Das Verfahren wurde in diesem Punkt eingestellt.

Der Angeklagte ist seit 2002 schon 14 Mal zum Teil wegen Drogenbesitzes und Körperverletzungen verurteilt worden. Die Richterin Ines Opitz folgte dem Antrag der Staatsanwältin, die eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gefordert hatte. Allerdings bekommt er drei Jahre Zeit, sich zu bewähren. Er muss das Anti-Aggressions-Training fortsetzen, das er begonnen hat. Außerdem die 4.000 Euro an die Geschädigte abbezahlen. 

Auch die Richterin bemängelte die Tendenz des Angeklagten, die Taten herunterzuspielen. Rechtsanwalt Fischer gab dem Mann noch einen Tipp mit. „Versuchen Sie nicht, sich gegenseitig zu helfen. Sie haben so viele eigene Probleme und keine Kraft, sich um die Probleme des anderen zu kümmern.“

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