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Wer will eine Hagelkanone?

Es hat lange nicht geknallt in und um Leisnig. Da das so bleiben wird, trennt sich die Obstland von dieser Technik.

Die Zeiten, in denen die Obstland Dürrweitzschen AG in und um Leisnig versucht hat, ihre Früchte mit Kanonen zu schützen, sind vorbei.
Die Zeiten, in denen die Obstland Dürrweitzschen AG in und um Leisnig versucht hat, ihre Früchte mit Kanonen zu schützen, sind vorbei. © Heike Heisig/Archiv

Leisnig. Seit April 2009 hat die Obstland Dürrweitzschen AG zunächst zwei, später dann drei Hagelschutzkanonen in Obstplantagen zwischen Minkwitz und Leisnig sowie in Gorschmitz eingesetzt.

Sind die in Betrieb gegangen, war das bisweilen bis Hartha zu hören. Auch manchem Nachbarn bis hin zu Anwohnern des Sachsenplatzes hat das den Schlaf geraubt. Doch damit ist jetzt Schluss.

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Netze statt Kanonendonner

Der Obstbaubetrieb setzt in und um Leisnig seit dieser Saison keine Kanonen mehr ein, um das angebaute Obst vor Hagelschlägen zu bewahren. Das bestätigt Erik Buitenhuis, Vorstand der Obstland Dürrweitzschen AG, auf Anfrage.

Den Sinneswandel in Sachen Hagelschutz begründet er damit, „dass Kanonen keine 100-prozentige Sicherheit geben; ein Hagelnetz schon“. Daher setze Obstland in Zukunft auf Hagelnetz-Systeme. So wurden dem Vorstand zufolge neue Apfelplantagen bereits mit diesem System ausgestattet.

Gleichwohl gibt Erik Buitenhuis zu, dass es neben dem besseren Schutz auch noch einen weiteren Grund dafür gab, dass sich die Obstbauern nach einer anderen Methode umgeschaut haben: die ständige Kritik der Anwohner. „Sie war auch ein Aspekt, der Beachtung fand“, so der Vorstand.

Immer wieder Beschwerden von Anwohnern

Beschwerden gab es seit dem ersten Kanonendonner im Frühjahr 2009 nahezu jede Saison – je nach Einsatz mal weniger und mal massiv. Bisweilen haben sich die Behörden beim Landratsamt und Anwälte mit dem Ärger von Anwohnern über diese Art Ruhestörung beschäftigen müssen.

Anfangs gab es nach einer offiziellen Messung auch Auflagen, wie häufig die Anlagen in Betrieb genommen werden dürfen.

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Letztlich erwies es sich als schwierig, die Wetterprognosen so gut einzuschätzen, dass der Kanonendonner rechtzeitig ausgelöst wird, bevor der Hagel niedergeht. 2019 gab es zum Beispiel nach einem Unwetter in Minkwitz größeren Schaden.

Damit die Ernte nicht mehr verhagelt wird

Nach Pfingsten hatte es im wahrsten Wortsinn die komplette Erdbeerernte verhagelt und auch andere Früchte waren zu Schaden gekommen, konnten nicht mehr als makellose Ware verkauft werden.

Aus diesem Grund schützt das Unternehmen nicht nur Äpfel. Wie Buitenhuis darstellt, wachsen auch Süßkirchen auf einer Fläche von einem Hektar unter einem Foliendach.

In neu angelegten Apfelplantagen sind Hagelschutznetze bei der Obstland Dürrweitzschen AG jetzt Standard. Aber auch andere Früchte werden geschützt angebaut.
In neu angelegten Apfelplantagen sind Hagelschutznetze bei der Obstland Dürrweitzschen AG jetzt Standard. Aber auch andere Früchte werden geschützt angebaut. © Obstland

Darüber hinaus schützt ein Minitunnel Erdbeeren vor den Auswirkungen von Wetterkapriolen. Zunächst auf einer Fläche von einem Hektar ist ein solcher Tunnel aufgestellt.

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