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Wie Corona den Kunstbetrieb lahmlegt

Ausstellungen und Kunstmessen werden reihenweise abgesagt. Auch andere Einnahmequellen der Künstler versiegen.

Olga Scheck stellt ihre großformatigen Bilder in einem Schaufenster an der Ritterstraße in Döbeln aus.
Olga Scheck stellt ihre großformatigen Bilder in einem Schaufenster an der Ritterstraße in Döbeln aus. © Jens Hoyer

Döbeln. Die Döbelner Künstlerin Olga Scheck hat im Schaufenster des leer stehenden Geschäftes neben der Buchoase in der Ritterstraße zwei großformatige Bilder ausgestellt.. „Was Cooles, Energetisches, Schönes“, meint sie. Allerdings ist diese Ausstellung auch der Ausdruck für die Hilflosigkeit, in der sich die freischaffende Künstlerin in der Corona-Krise befindet.

Eigentlich sollten diese Bilder in einer Ausstellung hängen. Aber wegen Corona sind alle Kunstmessen und Ausstellungen – praktisch das Lebenselixier der Künstler – fast flächendeckend abgesagt. „Für mich allein zu malen, passt nicht zu mir. Der schöpferische Prozess muss doch nach außen“, schreibt Olga Scheck bei Facebook. Und im Schaufenster ist genug Platz, um die großen Formate zu zeigen.

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Kunstmesse ausgefallen

Eine Kunstmesse in der Schweiz, auf der Olga Scheck ausstellen wollte, war ausgefallen. In Böhlen bei Leipzig hätte sie eine große Personalausstellung gehabt – ins kommende Jahr verschoben. Und auch die Ausstellung im Döbelner Rathaus – vertagt. „Eigentlich lebe ich von den Ausstellungen. Dort kommt Publikum hin“, sagte sie.Olga Scheck hat auch etwas Neues ausprobiert, was sie unter die Leute bringen will. Monotypien von Döbelner Motiven – ein Druckverfahren. „Das ist ein aufwendiger Prozess“, sagte sie. Eigentlich wollte sie die Blätter auf dem Döbelner Weihnachtsmarkt verkaufen – den hat die Stadt am Montag abgesagt.

Jetzt ist sie mehr oder weniger auf den Verkauf in der eigenen kleinen Galerie angewiesen, die sie seit fünf Jahren am Obermarkt betreibt. Unterkriegen lassen will sie sich nicht. „Ich bleibe auch in schwierigen Zeiten optimistisch. Mich unterzukriegen, ist schwer“, sagte Olga Scheck. Ihren Optimismus teilt sie gerne mit anderen. Mit Ideen, die sie in Bilder in verschiedenen Stilrichtungen umsetzt. Mit ihrer Faszination für Farben, wie sie sagt. „In der Corona-Zeit haben mich Leute unterstützt und sich sehr menschlich verhalten“, so Olga Scheck.

Zeichenkurs geschlossen

Ein Standbein der Künstlerin sind eigentlich auch Mal- und Zeichenkurse an der Volkshochschule. In der ersten Corona-Welle war die Schule schon geschlossen Dann war wieder Unterricht möglich. Seit Montag ist wieder Corona-Ruhe. Ein Lichtstreif war für Olga Scheck in der Krise ein Stipendium der Kunststiftung Sachsen. Die Döbelnerin organisierte im Projekt „Denkzeit“ eine Ausstellung, die im Treppenhaus des Rathauses zu sehen war. Das Stipendium habe ihr sehr geholfen. „Ich konnte davon die Miete bezahlen“. sagte sie.

Auch dem Döbelner Maler Torsten Ueschner sind in der Corona-Krise die meisten Ausstellungen abhandengekommen. Eine Ausstellung im Dezember sei verschoben, die nächste im Künstlerhof in Klipphausen ist gefährdet, war Ende vergangener Woche noch nicht abgesagt, sagte er, „Ich habe in diesem Jahr mal was verkaufen können. Da kann ich mich nicht beklagen. Das ist aber eher Zufall“, sagt der 54-Jährige.

Eigene Galerie in schwierigen Zeiten

Gerade sind Bilder von Ueschner in der neuen Galerie des gebürtigen Döbelners Thomas Gatzemeier zu sehen, der Anfang des Jahres von Karlsruhe nach Leipzig umgezogen war. In der Villa, die sein Großvater baute, hat der Maler eine eigene Galerie aufgemacht. Zu einer sehr ungünstigen Zeit, wie er selbst zugibt. „Das sind zwei Räume in Erdgeschoss, die nicht als Wohnung genutzt wurden“, sagt er.

Gatzemeier will in seiner Galerie neben den eigenen Bildern nur die Werke weniger weniger Künstler verkaufen. Ueschner gehört dazu. „Ich empfinde Torsten Ueschner als einen ernsthaften Maler. Er sollte bekannter werden“, sagte er.

Kunstkauf ist Lustkauf

Gatzemeier, der lange im Kunstbetrieb unterwegs ist, kennt viele Kunstliebhaber und will sie in seine Galerie nach Leipzig ziehen. Jetzt in der Krise ist das nicht einfach. Potenzielle Käufer, die sich für eines der großformatigen Bilder Ueschners interessieren, bleiben jetzt lieber daheim. „Die wollen natürlich das Original sehen“, sagte Gatzemeier. Er verkauft Kunst auch übers Netz. Aber auch das Geschäft ist zurückgegangen. „Ich hätte gedacht, dass es zunimmt. Aber Kunstkauf ist Lustkauf. Und da wird das wohl zurückgestellt.“

„In 40 Jahren in dem Beruf hat man schon einige Krisen hinter sich. Rücklagen waren immer wichtig“, sagte Gatzemeier. Eine seiner wichtigsten Einnahmequellen ist aber auch weggebrochen. „Das Hauptgeschäft war der Verkauf von Bildern auf Kreuzfahrten. Das können wir komplett abschreiben. Ich weiß auch nicht, ob es jemals wieder so wird wie früher.“

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