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Döbeln: Wie ein Schlag das ganze Leben verändert

Als Mitarbeiter des Testcenters in Döbeln ist Marko Döring angegriffen und schwer verletzt worden. Die Folgen sind jetzt noch extrem.

Von Jens Hoyer
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Marko Döring im Januar dieses Jahres vor dem Testcenter neben dem Edeka-Markt. Der 42-Jährige war wenige Wochen vorher niedergeschlagen worden. Er erlitt einen Bruch des Gesichtsschädels und riss sich das Handgelenk ab.
Marko Döring im Januar dieses Jahres vor dem Testcenter neben dem Edeka-Markt. Der 42-Jährige war wenige Wochen vorher niedergeschlagen worden. Er erlitt einen Bruch des Gesichtsschädels und riss sich das Handgelenk ab. © Dietmar Thomas

Döbeln. Marko Döring und sein Arbeitgeber Michael Köhler werden ungeduldig. Vor einem reichlichen halben Jahr, am 14. Dezember 2021, war der 42-Jährige als Mitarbeiter des Corona-Testcenters am Döbelner Edeka-Markt von einem Mann niedergeschlagen worden.

Durch den Schlag wurde er schwer im Gesicht verletzt. Er zog sich einen komplizierten Bruch des Handgelenks zu. Arbeitsfähig ist er bis heute nicht. Bei der juristischen Aufarbeitung würden sie sich mehr Tempo wünschen.

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Es hatte erstaunlich lange gedauert, bis Döring überhaupt von der Polizei verhört wurde. „Das war im März oder April“, erzählte Döring. Dabei sollte es aber gar nicht um den Angriff auf seine Person gehen. Der Angreifer selbst hatte ihn auch angezeigt. Er habe dann erst einmal klar machen müssen, wer das eigentliche Opfer ist.

Streit vor dem Testcenter eskaliert

„Die Ermittlungen gegen mich sind dann auch eingestellt worden, weil der andere angegriffen hat“, sagte Döring. Eine Teilschuld habe man ihm aber unterstellt. „Ich hätte andere beauftragt, ihn anzugreifen. Dabei habe ich nur gerufen: Haltet ihn fest, wir rufen die Polizei.“ Seit seiner Aussage warte er, dass es weitergeht.

Am 14. Dezember war ein Streit vor dem Testcenter extrem eskaliert. Döring gehörte damals als Mitarbeiter der Firma Döbelner Getränkevertrieb zu der Mannschaft, die die Tests in dem Containerbau vornahm. Der spätere Angreifer, der die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte sich testen lassen, wollte das Ergebnis aber erst kurz nach Schließen des Testcenters abholen. Auch beim besten Willen hätte das System nicht noch einmal hochgefahren werden können, sagte Döring.

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Es entspann sich eine Diskussion, in deren Ergebnis der Mann einer Mitarbeiterin ins Gesicht geschlagen haben soll. Ausgerechnet Dörings Tochter. Dieser erzählte, wie er damals dazwischengegangen war und mit Polizei gedroht hatte.

Wahrscheinlich mit Schlagring zugeschlagen

Es gab eine lautstarke Auseinandersetzung. Dann kam der Faustschlag. Ein einziger mit verheerender Wirkung. Der Arzt stellte später fest, dass bei Döring das Jochbein zertrümmert und der Oberkiefer vom Schädel abgetrennt wurde. Beim Sturz hatte er sich das linke Handgelenk abgerissen.

Der 42-Jährige lebt heute nach einer Operation mit stabilisierenden Platten im Gesichtsknochen. Das Handgelenk ist immer noch nicht voll beweglich. „Am Anfang konnte ich noch nicht mal ein halbes Kilo heben. Jetzt bin ich bei zehn Kilo und freue mich, dass ich einen Wassereimer tragen kann.“

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Döring ist überzeugt, dass der Angreifer nicht nur mit der bloßen Faust, sondern mit einem Schlagring zugeschlagen hatte. Die Marken der Spitzen der gefährlichen Waffe fanden sich danach in seinem Gesicht. Es sei zu geschockt gewesen, der Polizei noch am Tatort einen entsprechenden Hinweis zu geben.

Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung

Hinter den Kulissen hat sich seit der polizeilichen Vernehmung des Döbelners aber durchaus etwas getan. Am 13. Juni hat die Staatsanwaltschaft Chemnitz Anklage gegen den Schläger beim Amtsgericht Döbeln erhoben. Und zwar wegen vorsätzlicher und im Fall von Döring wegen gefährlicher Körperverletzung – wegen des Verwendens eines Schlagrings, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein.

Einen Verhandlungstermin gibt es aber noch nicht. Wie Wolfgang Dammer, Sprecher des Amtsgerichts Döbeln, sagte, werde das Gericht zunächst über die Eröffnung des Verfahrens entscheiden und danach einen Termin festlegen.

Minimales Krankengeld

Arbeitsfähig ist Döring auf absehbare Zeit noch nicht. Es sei sehr schwierig, mit 500 Euro Krankengeld über die Runden zu kommen, sagte er. Er habe versucht, mit dem Weißen Ring, der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, Kontakt aufzunehmen. „Aber da hat sich keiner zurückgemeldet.“ Eine Klage auf finanzielle Entschädigung gegen den Angreifer hält er für sinnlos. Bei dem sei nichts zu holen.

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Döring erzählt von Einschüchterungsversuchen des Türken. „Er hat meine Kinder bedroht und krasse Sachen gesagt“, so Döring. Von der Polizei erwartet er sich keine Hilfe. „Die sagen: Das müssen Sie beweisen. Da fühlt man sich alleingelassen.“

Michael Köhler, Dörings Arbeitgeber, erzählt, dass der 21-Jährige von seinen Mitarbeitern beobachtet wurde, wie er ganz langsam am Testcenter vorbeifuhr. „Der hat geschaut, ob Marko Döring wieder da ist.“